Anja Gockel bei der Arbeit. Foto: Anja Gockel
© Anja Gockel

Interview mit Anja Gockel "Wir sind alle in einer gewissen Schockstarre"

Die Mainzer Designerin Anja Gockel ist mit ihrer Modenschau im Hotel Adlon fester Bestandteil der Fashion Week. Aber dieses Mal wird einiges anders sein.

Frau Gockel, die Fashion Week in Zeiten des Krieges, wie geht das zusammen?

Wir sind alle in einer gewissen Schockstarre. Ich glaube aber, dass wir mehr füreinander und für die Menschen in der Ukraine tun können, wenn wir gewisse Zeichen setzen.

 

Was heißt das konkret?

Mein persönliches Zeichen heißt, dass wir uns nicht abschrecken lassen, unserem Job nachzugehen. Mein Job ist die Mode und die Modenschau. Damit kann ich Geld generieren, was ich dann wiederum spende.

 

An wen?

Wir werden alle Gewinne, die wir rund um unsere Präsentation im Berliner Hotel Adlon erwirtschaften, für Flüchtlinge aus der Ukraine spenden. Ich finde, dass wir dadurch mehr erreichen, als wenn wir die Fashion Week abgesagt hätten.

 

Haben Sie Ihre Präsentation verändert?

Ja. Die gegenwärtige Lage wirkt sich auf fast alle Bereiche aus. Wir werden den Boden des legendären Brunnens im Adlon, der für uns symbolisch schon immer wichtig war, mit Blumen auslegen in den Farben der Ukraine, blau und gelb. Das wird auf jedem Foto zu sehen sein.

 

Und noch?

Als zweites werden wir versuchen, die Hilfe für die Ukraine darzustellen, indem das letzte Model in einem total gelben Outfit gezeigt wird und statt eines Schleiers die Fahne der Ukraine leicht wehend um den Hals trägt. Mit den anderen elf Models, die um sie herumstehen, soll ein Bild entstehen, das auch eine gewisse Ohnmacht zum Ausdruck bringt. Wir sind ja nicht mächtig im Moment, die Situation maßgeblich zu ändern. Leider. Alle Models werden in dieser Position am Ende fünf bis sechs Sekunden verharren, bevor sie sich zu dem Model in der Mitte drehen, um es zu stützen, an seiner Seite zu sein.

 

Wissen Sie von Models aus der Ukraine oder Russland, die nicht zur Fashion Week kommen können?

In unserem Fall ist es umgekehrt: Wir haben zwei ukrainische Models, die vor kurzem geflohen sind, zu Gast in unserer Show.

 

Gibt es ein Embargo gegenüber Kunden aus Russland?

Ich würde es machen, aber ich habe keine Kunden aus Russland. Ich fände es allerdings nicht richtig, alle Russen in Deutschland gewissermaßen in Mithaftung für Wladimir Putin zu nehmen.

 

Sie haben fünfmal die Teilnehmerinnen der Final-Show von „Germany‘s Next Topmodel“ ausgestattet. Wird es ein sechstes Mal geben?

Jetzt im Moment nicht. Ich hatte zuletzt mit unserer eigenen Kollektion sehr viel zu tun, aber mir gefällt die große Diversität der Teilnehmerinnen. Heidi Klum ist für mich eine sehr beeindruckende Frau, und ich muss immer schmunzeln, wenn die deutsche Presse so über sie herzieht. Ich freue mich über Menschen, die Erfolg haben. Wir brauchen Erfolg. Wir brauchen Energie in diesem Land.

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