Die Rocklänge überließ Christian Dior nicht dem Zufall. Hier demonstriert er die Linie Vivante für Herbst/Winter 1953/54. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek
© Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek

Dior-Ausstellung Neue Kleider von Christian Dior

Maja Hohenberg

Das Kunstgewerbemuseum zeigt mit Entwürfen von Christian Dior und seinen Nachfolgern, wie groß die Sehnsucht nach Schönheit und Verschwendung war.

Aus der schützenden Dunkelheit glitzert einem das lange Abendkleid „Mexique“ der Ligne Longue von 1951 entgegen. Die Exponate der Ausstellung „How to Dior. Christian Dior und seine Nachfolger*innen“ im Kunstgewerbemuseum dürfen nur ganz wenig Licht bekommen, damit die kostbaren Gewebe keinen Schaden nehmen. Silberne Halbmonde aus Glasperlen und Pailletten schillern auf der braunen Seide, um das Bustier liegt eine bestickte Samtschleife.

Revolutionär wirkt das schmale, schwarze Tageskleid aus Seidenkordsamt der „Ligne Tulipe“ mit Lederelementen und weinroter Schluppe, fast erinnert es an einen Entwurf von Vivienne Westwood. Schlichte, elegante Kostüme und Mäntel gibt es in der Ausstellung zu bewundern, ein prunkvolles, goldbesticktes Abendensemble, einen der ersten Jeansanzüge der Luxusmode.

Blick in die Vitrinen im Kunstgewerbemuseum. Foto: Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker Vergrößern
Blick in die Vitrinen im Kunstgewerbemuseum. © Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

Mit seiner ersten Kollektion von 1947, der Glockenblumenlinie, schuf Christian Dior den träumerischen und verschwenderischen New Look. Es war ein Weg, der Nachkriegsrealität zu entkommen, viele Menschen sehnten sich nach Schönheit und Luxus. Diors New Look versprach einen optimistischen Aufbruch in eine bessere Zukunft.

In der Ausstellung sind nicht nur Originalentwürfe aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums zu sehen, sondern auch Arbeiten Studierender aus den Bereichen Modedesign, Modemanagement, Schauspiel und Kommunikationsdesign der Hochschule Macromedia Berlin.

Von Dior werden16 Stücke chronologisch von den Anfängen des Haute-Couture-Hauses unter Christian Dior bis zum ehemaligen Chefdesigner John Galliano gezeigt. Mit dem Erwerb des Abendkleides „Mexique“ und der Schenkung des abendlichen Ensembles von Gianfranco Ferré, das ursprünglich einer Latein- und Griechischlehrerin gehörte, wurde diese Präsentation möglich.

Das Kleid „Mexique“ der Ligne Longue entwarf Dior 1951. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum / Stephan Klonk Vergrößern
Das Kleid „Mexique“ der Ligne Longue entwarf Dior 1951. © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum / Stephan Klonk

Die Studierenden haben sich vielseitig mit Diors Schnitttechniken beschäftigt und das steife Frauenbild weiterentwickelt. Nicht nur ihre Neuinterpretationen sind zu bewundern. Eine Gruppe von Schauspieler:innen setzt sich zu bestimmten Terminen in einer Performance kritisch mit der Welt der Mode auseinander.

Die Exponate erzählen die bewegte Geschichte des gerade nach dem zweiten Weltkrieg wegweisenden Modehauses Dior. Das bisher größte und campusübergreifende Projekt mit dem Kunstgewerbemuseum war eine große Anregung für die Studierenden. Sie hatten einen entscheidenden Anteil am Zustandekommen der Ausstellung.


How to Dior. Christian Dior und seine Nachfolger*innen“, Kunstgewerbemuseum, bis 26. Juli 2022. Informationen zu Führungen, Performances und Workshops

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