Die Leuchten im Atelier von Simone Lüling bilden ein eigenes Universum. Foto: Eloa Atelier
© Eloa Atelier

Design aus Berlin Leuchtende Beispiele

Simone Lülings Lampen sehen mal aus wie Planetensysteme, mal wie Seifenblasen. Keine Glaskugel gleicht der anderen – das macht sie zu begehrten Objekten

Was Simone Lüling macht, kann man unter dem berühmten Satz „Same same but different“ zusammenfassen. Damit meint man in der Industrie normalerweise, wenn ein Prototyp zum ersten Mal in einer fremden Produktion hergestellt wird und das Ergebnis nur entfernt mit den Vorgaben zu tun hat – ähnlich, aber anders eben.


Diesen Vorgang hat die Produktdesignerin Simone Lüling zu einer Kunstform erhoben. Keine der Lampen ihres Labels Eloa gibt es genau so noch ein zweites Mal. Alles, was sie in ihrem Leben gemacht hat, sieht sie heute als Vorbereitung auf ihre Arbeit. Nach ihrem Studium in Zürich heuerte die Schweizerin bei Jasper Morrison an, einem der erfolgreichsten Produktdesigner unserer Tage. Später machte sie sich selbstständig, bevor sie in Berlin eine Galerie eröffnete und für eine Künstlerin arbeitete. Hier entdeckte sie ihre Liebe zur Freiheit, die sich von der akkuraten Herangehensweise im Design unterscheidet.

Der Showroom von Eloa war mal Teil einer Industriehalle

Außerdem interessiert es sie, wie ein Raum sich zum Menschen verhält. „Es gibt keine Unisono-Lösung, jeder braucht etwas anderes.“ Tatsächlich verändern ihre Leuchten einen Raum sehr, wenn sie wie Planeten von der Decke hängen oder wie irisierende Seifenblasen über einem Tisch schweben.


In Lülings Showroom kann man das alles begutachten. Die Kabel kommen direkt aus der Decke und enden in -zig bunten Glasblasen in unterschiedlichen Größen und Formen. Gleich am Eingang stapeln sich Kisten, ein Elektriker verbindet gerade eine Glaskugel mit der Technik. Einfach nur repräsentativ ist der Showroom nicht, hier wird gearbeitet. Unten werden die Lampen montiert, verpackt und verschickt, im ersten Stockwerk hängen sie gleich dutzendweise über und neben den Schreibtischen. Dort sitzen zwei Mitarbeiterinnen und kümmern sich um neue Aufträge und Bestellungen.

Simone Lüling in ihrem Atelier. Foto: Eloa Atelier Vergrößern
Simone Lüling in ihrem Atelier. © Eloa Atelier


Als Simone Lüling das Atelier vor einem Jahr übernahm, war es der abgetrennte Teil der Reinbeckhallen, einen langen Industriegebäude am Spreeufer in Oberschöneweide. Oben sieht man noch das Sheddach mit den Oberlichtern. In ihrer Nachbarschaft arbeiten illustre Künstler wie Ólafur Elíasson und Alicja Kwade.


Simone Lüling hat drei Stockwerke einbauen lassen, die durch eine schmale Treppe miteinander verbunden sind. Im Mittelpunkt hängen die Lampen. Durch die raumhohen Fenster kommt viel Licht, das die Glasblasen schimmern lässt. Ein Regal an einer Längswand ist gefüllt mit Vasen und Schalen in schillernden Farben. Sie gibt es nur, weil mal eine Leuchte kaputtging und die Designerin das Glas nicht wegwerfen wollte. Also schnitt sie die obere Hälfte ab und hatte eine Vase.

Alles fing an, weil Simone Lüling neidisch auf ihre Tochter war

So spielerisch waren auch die Anfänge von Eloa. Alles begann damit, dass Simone Lüling neidisch auf ihre kleine Tochter war, als sie von einem Kita-Ausflug eine Glaskugel mitbrachte. Die hatte sie im Museumsdorf der Baruther Glashütte in Brandenburg selbst geblasen. Und da ihre Mutter schon lange Glas als Werkstoff interessant fand, brauchte es nur noch einen Freund, der auf der Suche nach schönen Leuchten war, und schon hatte Simone Lüling ihren ersten Termin in der Glashütte Baruth. Früher wurden dort die Straßenlaternen für ganz Berlin hergestellt, heute produziert ein Mitarbeiter nur noch Glas für den Museumshop. „Weil es kein richtiger Betrieb mehr ist, konnte ich viel ausprobieren“, sagt Lüling. So entstanden ihre ersten Leuchten. Aber schnell wurden die Öfen zu klein, die Aufträge zu professionell. Die Glashütte in Tschechien, mit der sie jetzt schon vier Jahre zusammenarbeitet, ist eine der wenigen, die die freie Form zur Kunst erhoben hat.

Normalerweise wird die flüssige Glasmasse in eine Form geblasen. Bei ihren großen Leuchten entstehen sie aus einem acht Kilo schweren, massiven Ball, in den so lange frei in der Luft geblasen wird, bis eine hohle Kugel entsteht, bei der es eben nicht darum geht, dass sie besonders gleichmäßig und glatt sind.


Es wäre ein Leichtes gewesen, für die organisch entstandenen Kugeln Holzformen herzustellen, um die Leuchten reproduzieren zu können. Genau das wollte Simone Lüling auf keinen Fall. Sie wollte das Gegenteil von massenkompatibel: „Die Schönheit und der Luxus des Projekts ist die freie Form.“

Die Glasblaserei im Böhmerwald. Foto: Leon Kopplow Vergrößern
Die Glasblaserei im Böhmerwald. © Leon Kopplow


So fährt sie einmal im Monat für ein paar Tage in den Böhmerwald, um dabei zu sein, wenn ein bestimmter Bläser für Eloa Glaskugeln bläst und dabei neue Formen entstehen. Damit sie im richtigen Moment rufen kann: „Stopp, so will ich es noch einmal haben – nur anders.“ Genau das macht den Reiz aus. „Es ist wie ein inszeniertes Ballett, wir sind sehr eingespielt.“


Einmal, als sie für ein paar Minuten die Werkstatt verließ, entstand eine besonders schöne Form. Nie wieder gelang es dem Bläser, sie so herzustellen. Simone Lüling hat sich darüber nur kurz geärgert. Sie mag Fehler, die zufällig entstehen, wie die eingeschlossenen Punkte im Glas. Auch die sind kaum reproduzierbar. Deshalb ist jede Leuchte ein Einzelstück. Ein solcher Aufwand hat seinen Preis, die kleinste Leuchte „Starglow“ kostet rund 1000 Euro.

Die erste Schale Supernova von Eloa ist aus einer kaputten Leuchte entstanden. Foto: Martin Müller Vergrößern
Die erste Schale Supernova von Eloa ist aus einer kaputten Leuchte entstanden. © Martin Müller


Die Designerin klappt das Musterbuch auf. Darin sind die verschiedenen Glasfarben, Kabel und Materialien für Baldachins verstaut, aus denen man sich seine Lampe zusammensetzen kann. Rechnet man jetzt noch die verschiedenen Formen zusammen, unter denen man wählen kann, wird es schnell sehr individuell. Und damit ist es nicht getan: Oft geht es nicht nur um eine Lampe, die im Raum hängt, sondern darum, wie man verschiedene Größen und Farben miteinander kombiniert. Das ist ein Grund, warum die Leuchten bei Innenarchitekten so beliebt sind, sie hängen in Restaurants, Büros, Hotels und Boutiquen von Dubai bis New York. Für private Kunden kann es eine echte Herausforderung werden, die richtige Wahl zu treffen. Aber dafür kann man mit den Glaskugeln ein eigenes Universum in seinem Zuhause entstehen lassen.

In der Ausstellung „Spektrum“ sind die Leuchten von Eloa zusammen mit den Bildern der Künstlerin Johanna Jaeger zu sehen. Studio 4 Berlin, Krumme Str. 35-36, Charlottenburg. Bis 9. April, Fr. 12-18 Uhr, Sa. 11 bis 16 Uhr.

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