Tom Van der Borght Foto: TVDB
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Alle Veranstaltungen im Livestream Digitale Fashion Week startet in Berlin

Zum ersten Mal ist die Fashion Week in Berlin komplett digital. Jeder darf zugucken – aber keiner hingehen. Nach dem Weggang der Messen muss ein Neuanfang her.

Stell dir vor, es ist Fashion Week und keiner geht hin. Das wird ab Montag keine Befürchtung, sondern Gewissheit sein. Zum ersten Mal findet die Berliner Fashion Week komplett ohne Besucher statt, keine hektischen Einkäufer und Modejournalistinnen, keine aufgetakelten Möchtegerns in der ersten Reihe. Dieses Mal müssen Models ganz ohne das sanfte Licht filmender Handys und den abschließenden Applaus auskommen.

Der Lockdown macht es nötig, aber die Veranstalter und die Stadt Berlin haben entschieden, trotzdem nicht ganz auf das Event zu verzichten. Jeder darf einen Blick auf die Mode für den nächsten Winter werfen, alle Veranstaltungen werden live ohne Zugangsbeschränkung gestreamt.

„Die Öffnung neuer Formate für Endkonsumenten sehen wir als zeitgemäß und notwendig“, sagt Marcus Kurz von Nowadays, Veranstalter der Mercedes-Benz-Fashion-Week.

Und es geht dieses Mal wirklich um alles. Fast genau ein Jahr ist es her, dass in Berlin Mode analog gezeigt wurde. Seitdem ist viel passiert. Erst meldete die kommerziell ausgerichtete Messe Panorama Insolvenz an, dann verabschiedete sich die Premium zusammen mit der Messe für nachhaltige Mode, Neonyt, nach Frankfurt, um dort eine neue Fashion Week aufzubauen.

Die soll im Juli zum ersten Mal als „Frankfurt Fashion Week“ stattfinden. Dass damit in der Hauptstadt nicht alles vorbei ist, wollen verschiedene Veranstalter und vor allem die Stadt Berlin unter Beweis stellen. Die gab mehr als drei Millionen Euro für einen Neuanfang aus.

Mit seiner Kollektion eröffnet Tom Van der Borght die Berliner Fashion Week. Foto: TVDB Vergrößern
Mit seiner Kollektion eröffnet Tom Van der Borght die Berliner Fashion Week. © TVDB

Davon wird von Montag bis Mittwoch in der Stadt sehr viel weniger als sonst zu spüren sein. Fast alle Veranstaltungen werden im ehemaligen Kraftwerk in der Köpenicker Straße in Mitte gebündelt. Damit wenigstens digital alle merken, dass Fashion Week ist, beginnen die Präsentationen mit einer Farb- und Formenexplosion, die von unserem tristen Alltag nicht weiter entfernt sein könnte.

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Die Eröffnung macht der junge Belgier Tom Van Der Borght, der im vergangenen Jahr beim wichtigen französische Modefestival in Hyères gewann. Er macht Mode jenseits von Geschlechterrollen und sieht sich eher als Künstler, der Installation, Video, Mode und Zeichnungen zusammenbringt.

In dieser Saison gibt es nur zehn Modenschauen

Damit passt er zum gewollten Neuanfang der Fashion Week, die viel interdisziplinärer werden soll und weg will von der klassischen Ausrichtung auf den Handel mit Mode in Showrooms, auf Messen und Schauen. Davon gibt es in dieser Saison nur zehn. Nicht nur können jetzt alle teilhaben, es sollen auch viel mehr kreative Disziplinen wie Kunst, Musik, Performance eingebunden werden. Das zu zeigen, hat sich das Festival „Berlin, Berlin“ der Berliner Streetwearplattform Highsnobiety vorgenommen, die bisher internationaler ausgerichtet war.

Gründer David Fischer ist mit seinem englischsprachigen Onlinemagazin zum ersten Mal aktiver Teil der Fashion Week, ebenso das Streetwearlabel Acronym und das Designerkollektiv GmbH, aber auch der Künstler Olafur Eliasson mit seinem Solarprojekt Little Sun. Dazu kommt eine virtuelle Ausstellung. Dort kann man sich neun Skulpturen von in Berlin ansässigen Künstlern per virtueller Realität an bestimmten Orten anschauen, oder vom Sofa aus auch nur das Kunstwerk auf dem Smartphone.

Virtuell kann man Berliner Designerinnen in ihren Ateliers besuchen

Auch bei der Mercedes-Benz-Fashion-Week, bei der bisher immer der große Laufsteg im Mittelpunkt des Geschehens stand, soll es in Zukunft viele verschiedene Formate geben. So wird im Kraftwerk das ganze Gebäude für verschiedene Formate genutzt.

Darunter ist auch der Berliner Salon, der nach zwei Jahren unter der Leitung der ehemaligen Chefredakteurin der deutschen Vogue, Christiane Arp, wieder aufersteht. 35 deutsche Designerinnen und Designer wie Odeeh, René Storck und Saskia Dietz stellen ihre Entwürfe nicht persönlich vor, sie werden in einem virtuellen Rundgang gezeigt. Darunter sind auch viele Berliner Labels wie Lala Berlin, Esther Perbandt, Marina Hoermanseder und Kaviar Gauche. Um Mode aus Berlin geht es ebenfalls bei „Fashion Open Studio“. Virtuell kann man zwanzig Ateliers in der ganzen Stadt besuchen.

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Der Aufwand ist groß, damit überhaupt etwas stattfinden kann. Im Kraftwerk gibt es ein eigenes Testzentrum, in dem alle Beteiligten vorab getestet werden müssen. Dazu kommen zahlreiche andere Maßnahmen: Belüftungssysteme, eine spezielle Nachverfolgungssoftware und natürlich Mindestabstand, Mund- und Nasenmasken.

Und noch eine Premiere steht an. Es wird wohl zum ersten Mal mehr über Mode geredet als gezeigt. Zwischen den Präsentationen gibt es immer wieder Gesprächsrunden, zum Beispiel darüber, „wie viel Spaß Mode macht?“. Das fragen sich viele Menschen mit Blick auf ihre Jogginghosen, ausgeleierten Pullover und dicken Socken, die sie im Homeoffice tragen. Die Fashion Week gibt hoffentlich einen Ausblick auf bessere Zeiten.

Die Livestreams von Montag bis Mittwoch kann man sich auf www.mbfw.berlin anschauen. „Berlin Berlin“ beginnt am Freitag, 22. Januar, auf highsnobiety.com

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