Manfred Thierry Mugler bei der Eröffnung seiner Ausstellung. Foto: Martin Ouellet/AFP
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Zum Tod des Designers Manfred Thierry Mugler Maximalmode

Thierry Mugler liebte es, im Rampenlicht zu stehen, genau dafür war seine Mode gemacht.

Thierry Mugler machte keinen Unterschied zwischen Bühne und echtem Leben: breite Schultern, betonte Taillen, tiefe Ausschnitte, all das in Leder, Latex und viel Metall. So hatte es der 1948 in Straßburg geborene Designer am liebsten. Dass er sich mit 14 Jahren an der Opéra national du Rhin zum Balletttänzer ausbilden ließ und danach Kostümdesign studierte, passt zu seinem Vorsatz, aus dem Leben eine Inszenierung zu machen.


Das bewies er zum letzten Mal, als er die Rapperin Cardi B im September für die Eröffnung seiner Ausstellung „Thierry Mugler: Couturissime“ mit einer Robe aus Pailletten, rubinroten Kristallen, Straußenfedern und einer knapper Corsage ausstaffierte.
Die Ausstellung, zuerst 2019 in Montreal gezeigt, wollte Mugler keineswegs als Nachruf verstanden wissen. In dieser Woche wollte er neue Kooperationen verkünden. Schließlich machte er, nachdem er sein, von ihm 1974 gegründetes, Label 2000 verlassen hatte, noch einmal Karriere als Kostümdesigner. Dafür legte er sich mit Ende 50 ein neues Aussehen zu. Er pumpte seinen ehemals schmalen Körper durch Bodybuildung auf, unterzog sich einigen Schönheitsoperationen und nannte sich fortan Manfred.

Blick in die Ausstellung "Thierry Mugler: Couturissime." Foto: Martin Ouellet-Diotte/AFP Vergrößern
Blick in die Ausstellung "Thierry Mugler: Couturissime." © Martin Ouellet-Diotte/AFP

Das war nur konsequent, denn seine Verwandlung war mehr als ein Kampf gegen das Alter – es war, als wenn er auch noch mal ein anderer werden wollte. Nun ließ er jede Zurückhaltung fallen – er schwelgte für seine Kostüme, wie für den "Cirque de Soleil" und den Friedrichstadtpalast in dem, was Mugler immer schon ausmachte: Einer fast schon comichaften Erotik, die aus jeder Kurve das maximale herausholte.

Dabei stand er als junger Designer in Paris für den Übergang von der überfrachteten Haute Couture zur jungen Mode der Prêt-à-porter. Die 1980er waren sein Jahrzehnt. Mugler hatte die passenden Kostüme für die Selbstinszenierung der starken Frauen, die Anfang der neunziger Jahre in der Ära der Supermodels mündete.

Thierry Mugler nach seiner Modenschau März 1998 in Paris und vor seiner Verwandlung zu Manfred. Foto: Remy De La Mauviniere/dpa Vergrößern
Thierry Mugler nach seiner Modenschau März 1998 in Paris und vor seiner Verwandlung zu Manfred. © Remy De La Mauviniere/dpa

Der Designer war zum Rockstar geworden. Mit weit aufgeknöpftem Hemd stand Thierry Mugler ganz vorne im Rampenlicht. Gern dem des Studio 54, wo er mit Diana Ross tanzte und David Bowie für Bühnenshows ausstattete. Dann begann Ende der neunziger Jahre die Ära der minimalistischen Mode. Seine überschuldete Modelinie 2006 wurde ohne ihn wieder aufgenommen, die Zeit von Mugler war vorbei. Was blieb waren seine Düfte - in Frankreich überholte er mit mit dem Parfüm "Angel" in den 1990ern sogar Chanel No.5.

Doch seit die neuen Meisterinnen der Selbstinszenierung wie Lady Gaga, Kim Kardashian und eben Cardi B seine Kleider tragen, war Manfred Thierry Mugler wieder da, wo er am liebsten ist, ganz vorne im Rampenlicht. Am Sonntag starb er unerwartet mit 73 Jahren.

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