Mode Halali!

Gefiederte Taschen, pelzige Jacken, graue Mäuse: Die Herbstmode ist zum Abschuss frei gegeben. Eine kleine Liste für die Jagd.

RAUSCHZEIT



Wenn die Tage kurz und dunkel werden, mutieren die Menschen reihenweise zu Glitzerjunkies. Ja, sie scheinen geradezu süchtig nach allem, was blinkt, funkelt, blitzt – so lang es nur einen Lichtstrahl ins Braungrau des Alltags wirft. Also haben die Designer in diesem Herbst fleißig Nieten und Pailletten aufgesetzt, Gold-, Bronze- und Silberlamé zu Kleidern und Hosen vernäht und den Trend Metallic-Look genannt. Macht was her und hebt die Stimmung. Aber Vorsicht: Ein bisschen zu viel der Glitzerei, und schon sieht man wahlweise aus wie Raumschiffpersonal (D&G), Robocop (Thome Brown) oder Kreuzritter (Burberry Prosrum).

HORRIDO!

Im Sommer machte die A-Linie aus statthaften Damen reihenweise Twiggy-Kopien – mehr oder weniger gelungen. Jetzt gibt’s endlich Kleidchen-Konkurrenz: Oui, das Etui-Kleid ist zurück. Linientreu und trotzdem weiblich rettet es in diesem Herbst all jene, die in Babydoll und Leggings schwanger und wurstverwandt aussehen. Danke.

GEWÖLLE

Kindheitstrauma: kratzige Wollmütze mit Halsschlauch und Guckloch. Unmöglich, sich eigenhändig zu befreien. Panik und Heulkrampf sind die Folge. Wer von dem Kopfkratzeding bis zum fünften Lebensjahr nicht genug hatte, kann in diesem Herbst alles nachholen: Cagoules heißen die modischen kleinen Mützchen mit Kinnstütze und Halswärmer. Besonders beliebt sind sie im Hause Marni, bei Céline oder Yves Saint Laurent. Großer Fortschritt: Sie sind nicht aus Wolle, sondern aus Jersey oder Leder. Und sie sind verstörend chic.

HOCHSITZ

Hüfthose? Sieht gut aus an Kate Moss und Menschen, die das Glück haben, extralange Beine zu besitzen. Alle anderen macht sie optisch einen halben Meter kürzer. Außerdem: Das Maurergrinsen. Kann man sich endlich mal wieder hinsetzen, ohne der Welt seine Unterwäsche zu zeigen? Man kann! Die Hüfthose ist am Ende. Aus. Vorbei. Altkleidersammlung. Stattdessen gibt’s jetzt endlich wieder Taille. Hosen und Röcke rutschen auf Bauchnabelhöhe und zeigen, dass Frauenkörper doch Kurven haben – und ultralange Beine natürlich. Einige Röhren geistern zwar immer noch durch die Läden, aber selbst die gehen jetzt bis zur Taille. Die schönsten Modelle sind weit, haben eine Bügelfalte und heißen Flare Pants. Am besten trägt sich das verlängerte Beinkleid mit zarten Blusen und engen Tops. Sie sollten kurz geschnitten sein oder einfach gleich in die Hose gesteckt werden.

SCHWARZKITTEL

Von wegen! In dieser Saison regiert zur Abwechslung mal Grau die herbstliche Farbpalette: grauer November, grauer Himmel, graue Stimmung, nahe liegend. Strumpfhosen, Pullover, Kleider, Mützen – alles grau. Vorteil: Es ist eine Nichtfarbe und lässt sich mit eigentlich allem kombinieren. Knallfarben beleben den Look, Weiß lässt es sportlich wirken, Schwarz elegant. Auch Schickimicki wie Silber, Strass, Pailletten und Lack sehen dazu toll aus. Nachteil: Man verschwindet leicht im Nebel.

FRISCHLING

Trägt man jetzt so: der Kelchkragen. Er ist eine Mischung aus gouvernantenhaftem Stehkragen und U-Boot-Ausschnitt. Perfekt, um einen Schwanenhals zu präsentieren. Oder um ihn, falls kein Schwanenhals vorhanden, mit einem Wollschal auszustopfen.

GRENZNEID

Ja, die Ärmel Ihrer neuen Winterjacke sind zu kurz. Nein, holen Sie nicht den Verkäufer, das ist kein Schnittfehler, das ist schick. An Jacken, Mänteln und Kleidern gehen die Ärmel in diesem Herbst gerade mal bis zu den Ellenbogen, mit Glück bis knapp oberhalb des Handgelenks. Bei Kälte unpraktisch. Aber die Designer haben mitgedacht: Superlange Damenhandschuhe sollen die unangenehme Wärmelücke schließen.

BEHANG

Im Winter sollte man Einiges einpacken, bevor man das Haus verlässt. Es könnte regnen: Schirm. Es könnte schneien: Mütze. Es könnte frieren: Schlittschuhe. Ja, es könnte einem, obwohl die Frühlingsgefühle schon Ewigkeiten zurückliegen, der Traummann über den Weg laufen: Zahnbürste. Also her mit den großen Taschen! In dieser Saison geht man nur noch mit einem Seesack auf die Straße. Schlicht in Schwarz, aus Lackleder oder Krokoimitat. Hauptsache XXL. Das gilt übrigens auch für alle anderen Herbst-Winter-Accessoires: Gürtel extra breit, Strickmützen extra dick, Handschuhe extra lang. Das soll wohl gegen die extra kurzen Tage helfen.

BRUNFTMÄHNE

Ja, schade. Kein Flattern, kein Zwitschern, kein Sommer mehr. Alles fliegt gen Süden, wir bleiben hier. Was für ein Glück, dass sich modebewusste Vogelfreunde in diesem Herbst ein eigenes Gefieder zulegen dürfen. Federn: An Rocksäumen, Kragen, Kleidern, Taschen. Auch Fransen, Kordeln und Bänder werden angenäht, wo immer ein freies Fleckchen Stoff hervorlugt. „Zottel Deluxe“, heißt das in einer bekannten Modezeitschrift. Mit Glück sieht man dann aus wie der sterbende Schwan (Bill Blas), mit Pech wie eine Krähe (Givenchy).

EDELMARDER

„I’d rather go naked.“ Schon klar. Aber wäre das nicht ein bisschen drastisch bei Regen und Schnee? Also Kunstpelz über und trotzdem schick aussehen! Mittlerweile sieht man kaum mehr einen Unterschied zum echten Bieber oder Fuchs: Die felligen Kragen, Muffs und Jacken der Saison sind flauschig, voluminös – und kein einziger Mader musste dran glauben. Um die Trägerinnen trotzdem vor etwaigen Verwechslungen und Farbbeutelschmeißerei zu schützen, schicken die Designer ihre künstlichen Pelzkreationen einfach gleich in Knalllila, Grün und Pink auf die Straße.

FANFARE

In diesem Herbst sind mal wieder die 40er an der Retro-Reihe, da kann man nichts falsch machen: Marlene-Hosen, Seidenblusen, Lederhandschuhe, kurze Jacken, Muffs und Stolen – und schon legt man sich mit der verführerischen Eleganz einer Rita Hayworth aufs Piano. Wichtig: rote Lippen, dunkle Augenbrauen, Lockenstab und der Blick: divenhaft gelangweilt.

PIRSCH

Ein Großstadtdschungel ohne Raubtiere ist witzlos. Also halten es die Designer wie in jedem Herbst und schicken ihre Leoparden-, Tiger- und Gepardenmuster um die Häuser. Neu daran: Nichts.

WILDWECHSEL

Jetzt ein wirklich neues Muster: Dreiecke, Kuben und Rauten treffen ungebremst auf abstrakte Linien à la Pucci. Sieht aus wie eine Mischung aus 70er-Jahre-Vorhang und -Tapete, trotzdem schön! Dazu lieber keinen Schmuck tragen, das wäre zu viel. Das gute alte Karo hingegen behält seine Form und zieht seine Linien über Mäntel und Bustiers, über Röcke und Kleider, ach, eigentlich über alles. Achtung: große Muster tragen auf.

WAIDMANNSHEIL!

Weste, Vatermörder, Bügelfalte: Die Designer setzten in diesem Jahr auf Herrenkleider für Frauen. Aber bitte nicht Achtziger-androgyn wie Grace Jones, das ist zum Glück vorbei. Nein, rauchig-elegant wie Marlene Dietrich soll sie sein, die Herbstfrau. Wichtig: Dazu feminines Make-up und Accessoires. Echte Männer bleiben übrigens angezogen – wie in jedem Winter.

RIEMENARBEIT

Ankle Boots, diese kleinen Stiefelchen, die bis zum Knöchel reichen, waren schon im letzten Winter unausweichlich. Und irgendwie scheint es, als seien sie einfach in den Schuhregalen stehen geblieben – als perfekter Kompromiss zwischen Pumps und Stiefelette. Sie passen zu schmal geschnittenen Hosen und Röcken und kommen püppchenhaft daher. Außerdem gibt es Peep Toes und Wedges. Dazu: gerippte zehenfreie Kniestrümpfe oder Wollsocken.

PRELLSCHUTZ

Wer heutzutage noch mit Wollknäuel und Stricknadeln umgehen kann, ist zwar eine Art Hauswirtschaftsfossil, darf sich aber glücklich schätzen: Denn Strick ist wieder schick. In diesem Herbst besonders, wenn die Maschen so groß sind, dass ein Finger durchpasst und die Wolle so dick, dass man nicht merkt, wenn einem auf die Schulter geklopft wird. Soft Volume, nennen das die Designer. Aber Vorsicht: Niemals Weites mit Weitem kombinieren. Voluminöse Norwegerpullis gefallen besonders mit Röhren oder Strumpfhose, auch die gigantischen Schals und Wollmützen wirken am besten mit Schmal-Geschnittenem. Strick hält warm und fängt Blicke. Also schnell Wolle kaufen. Oder bei der Volkshochschule anmelden.

Das Jagdvokabular stammt aus dem Online-Lexikon der Waidmannssprache.

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