Die Handelsgesellschaft des 1907 gegründeten Kaufhaus des Westens (KaDeWe) gehört der thailändischen Central Retail Corporation (CRC) und René Benkos Signa Gruppe. Die Immobilie gehört allein Signa-Gesellschaften. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
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Der Blender vom Dienst des KaDeWe Der Berliner Senat sollte den Pakt mit René Benko kündigen

Es war falsch, für die Kredite der KaDeWe-Group zu bürgen. René Benko braucht keine Gelder vom Berliner Senat. Ein Kommentar.

Die Berliner Landesregierung geht dem Eigner von Karstadt, Kaufhof und dem KaDeWe auf den Leim. Er kauft Schrottimmobilien in besten Lagen, lässt Dritte maßgeblich für die Sanierung zahlen, um die Häuser dann zu einem Vielfachen des Kaufpreises zu verkaufen: René Benkos Strategie ist weder neu noch illegal. Und doch verfallen lokale Politiker in seiner Heimatstadt Innsbruck, in Wien und mittlerweile auch in Berlin in Schockstarre. Ganz so, als könnte Benko etwas, was sonst niemand kann.

Was beeindruckt, ist nur die Größe der Zahlen, mit denen dieser 43 Jahre junge Selfmade-Milliardär und seine Signa-Holding jonglieren: Mehr als 172 deutsche Warenhäuser gekauft, 50 davon fast geräuschlos geschlossen, mehr als 40 000 Menschen Arbeit gegeben, vielen genommen, 460 Millionen Euro Corona-Staatshilfen eingestrichen.

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Nun will er ein 134 Meter hohes Haus am Alexanderplatz bauen. Und mehr. Benko denkt in für Europäer untypischen Dimensionen. So wie Tesla- und Space-X-Gründer Elon Musk oder die KP Chinas. Wer mag, kann ihn dafür bewundern. Doch was Benko tut, ist nichts anderes als Finanzakrobatik, es ist im besten Sinne des Wortes asozial.

Er hat sein Firmenreich in so viele Tochtergesellschaften zerlegt, dass jeder, der ein Organigramm zeichnen will, daran verzweifelt. Es dient mutmaßlich auch der Verschleierung und Steueroptimierung.

Er entzieht also den Städten und den mittlerweile 20 Staaten, in denen er sich niedergelassen hat, wichtige Einnahmen. Und er nutzt die Sorge der Politik vor Massenentlassungen aus, wenn er – wie im Spätsommer vergangenen Jahres – Jobgarantien nur ausspricht, sofern man ihm Baugenehmigungen für Hochhäuser mitten in Berlin in Aussicht stellt.

Finanzexperten äußern Zweifel an Signas Geschäftsmodell

Es war kurzsichtig vom Berliner Senat, das mitzumachen. Man sollte den Pakt kündigen. Und der KaDeWe-Group, an der Benkos Signa immerhin die Hälfte der Anteile sowie die gesamte Immobile am Tauentzien gehört, hätte der Senat keine Kreditbürgschaft gewähren dürfen.

Finanzexperten äußern zunehmend Zweifel an Signas Geschäftsmodell. Es funktioniert offenbar nur gut, solange alle Geschäftspartner die von ihm behaupteten Wertsteigerungen der veredelten Immobilien akzeptieren. Viel mehr Renditewachstum ist hier kaum zu erwarten. Zugleich steigt die Inflation im Euro-Raum erstmals wieder, im März waren es schon 1,3 Prozent.

Sobald die Corona-Krise abebbt, dürften Notenbanken weltweit ihre Zinswenden einleiten. Dann fließt Geld zurück in stabilere Anlageformen. Spätestens dann kommt es zum Schwur: Welcher von Benko Geblendete ist angesichts eines anhaltenden Onlinehandelsbooms dann noch bereit, höhere Preise als vor wenigen Jahren für Kaufhausimmobilien zu zahlen?
René Benkos Signa ist nur da gut, wo sie unter öffentlicher Beobachtungsteht, die sie so scheut: Zum Beispiel bei Karstadt am Hermannplatz. Die Pläne für das Gebäude, über Jahrzehnte ein wichtiges soziales Zentrum für Kreuzberg und Neukölln, sind unter dem Druck der Zivilgesellschaft gutgeworden. Ärzte, Kitas, Obdach für kleine, selbstständige Einzelhändlersoll es geben: Hier will Singa offenbar beweisen, dass die Gruppe nicht nur auf dem Papier Werte schaffen kann. Land Berlin und Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sollten in diesem konkreten Fall Signa vielleicht doch die Millionen verbauen lassen – bevor es zu spät ist.

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