KZ-Überlebende können nicht verglichen werden

Koran-Verteilaktion am Potsdamer Platz vor zwei Jahren - initiiert von radikalen Salafisten. Foto: dpa
Antisemitismus und Rassismus in Deutschland Muslime sind nicht die neuen Juden

Das typische Opfer von gestern war ein Jude, der das KZ überlebte. Oder einer, dem rechtzeitig die Flucht gelang, nachdem sein Besitz „arisiert“ worden war. Nach 1945 kam er nach Deutschland zurück und durfte seitdem bei Gedenkveranstaltungen in der ersten Reihe sitzen und in den Schulen über seine Erlebnisse berichten.

Heutzutage ist ein ganz anderer Opfer-Typus im Trend. Ein junger Mann zum Beispiel, der aus einer „bildungsfernen Schicht“ stammt, wenig Interesse für die Schule hatte und daher von den Lehrern nicht gemocht wurde. Zu Hause wurde er geschlagen, so beging er schon als Jugendlicher selbst mehrere Gewaltdelikte und landete im Knast. Seit er wieder draußen ist, wird der Arme mit allerlei Vorurteilen konfrontiert. Oder ein anderer, der in eine schlechte Gang geriet, sich dort dem radikalen Islam zuwandte und als Dschihadist in ferne Länder zog. Zurück in Deutschland wird er ebenfalls nicht mit offenen Armen empfangen, sondern bürokratischen Schikanen ausgesetzt.

Jetzt sind wir beim Thema Islam angekommen. Aufgrund der Tatsache, dass die islamischen Gotteskrieger in Syrien und im Irak die Andersgläubigen aller Art – die sie „Ungläubige“ nennen, weil es für sie nur einen Glauben gibt, – gegenwärtig systematisch massakrieren und dabei Brutalitäten begehen, die man sich noch kurz zuvor nicht vorstellen konnte, bildete sich bei manchen unaufgeklärten Zeitgenossen ein negatives Bild vom Islam.

Manche gehen noch weiter und erinnern sich an die Anschläge vom 11. September, an Bali, London und Madrid und an unzählige weitere Terrorakte der letzten Jahrzehnte, die von muslimischen Fanatikern begangen wurden. Die Scharia-Zonen in Großbritannien und die neugesichtete Scharia-Polizei in Wuppertal tragen nicht unbedingt zur Beruhigung bei.

Da erscheint plötzlich auch das Kopftuch nicht mehr als harmloses Kleidungsstück, sondern als Zeichen einer Bedrohung. Da möchte mancher nicht so gern vom Muezzinruf in der Nachbarschaft geweckt werden – es sei doch nicht auszuschließen, dass bald darauf humorlose bärtige Gestalten auftauchen, die ihn vor die Alternative stellten: Konversion zum Islam oder Vertreibung innerhalb von 24 Stunden. Das Wort „Islamophobie“ macht die Runde.

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