Am Mittwoch startet Carsten Maschmeyers Gründershow „Start Up!“ bei Sat 1. Foto: Andre Kowalski/Sat1
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Wer wird Gründer-Millionär? Carsten Maschmeyer schon wieder mit Start-up-Show

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Mit seiner neuen Sat-1-Show macht sich Selfmademan Carsten Maschmeyer selber Konkurrenz. Dabei gibt es durchaus Unterschiede zur "Höhle der Löwen".

Das große Zittern kommt spätestens, wenn Carsten Maschmeyer zum „Resümee-Gespräch“ bittet. Dann teilt der Star der neuen Sat-1-Show „Start Up! – Wer wird Deutschlands erfolgreichster Gründer?“ jedem Kandidaten im Einzelgespräch mit, ob er noch weiter im Rennen ist. Nur wer eine Runde weiterkommt, behält die Chance, am Ende zusammen mit dem Selfmademan Maschmeyer eine Firma mit einem Startkapital von einer Million Euro zu gründen.

Es sei ihm von Woche zu Woche schwerer gefallen, jemanden nach Hause zu schicken, erzählte Maschmeyer in der vergangenen Woche, als Sat 1 die neue Show vor Journalisten in Berlin vorstellte. Es ist ein anderer Maschmeyer als jener, der lange Zeit mit der Finanzberatungsfirma AWD gleichgesetzt wurde, aber dazu später mehr.

Aus 2000 Bewerbern wurden 35 vorausgewählt, von denen 14 Kandidaten in die Hauptrunde kamen. Für sie steht viel auf dem Spiel, wenn an diesem Mittwoch die erste Staffel des neuen Sat-1-Formats beginnt. Allerdings gilt dies genauso für den Sender, der mit „Start Up!“ gegen die Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ antritt, bei der der 58-Jährige ebenfalls in der Jury sitzt.

Personen wichtiger als Produkte

Der Traum von der Selbstständigkeit und vom eigenen Unternehmen, das macht den Reiz der Gründershows aus, meint Kaspar Pflüger. Dieser Traum ist nach Einschätzung des Sat-1-Geschäftsführers groß genug für mehr als eine Gründershow. Tatsächlich sind die beiden Formate so unterschiedlich, dass sich Sat 1 und Vox nicht ins Gehege kommen müssen. In der Sat-1-Neugründung stehen die Personen im Mittelpunkt, nicht deren Produktideen. Und anders als in „Die Höhle der Löwen“ – die im Spätsommer in die fünfte Staffel geht – handelt es sich immer um die gleichen Kandidaten.

Anders gesagt: „Start Up!“ lebt vor allem von den Persönlichkeiten der Gründer, von deren Zusammenspiel, aber auch von den Spannungen in der Gruppe, die der Sender auf eine Reise mitgenommen hat. Einer Reise, die in einem alten Medizinhörsaal in Berlin bei einem ersten Pitch beginnt und im Gründer-Mekka des Silicon Valley in Kalifornien zur Entscheidung kommt.

Für die Kandidaten bedeutet „Start Up!“ nicht nur Konkurrenz. Wer sich auf die Sendung einlässt, kann viel lernen, selbst wenn er oder sie nicht als Sieger aus diesem Wettbewerb hervorgeht. „Teamwork makes the Dream work“, sagt Maschmeyer. Während der acht Wochen können sich die Kandidaten von Werbeprofis und Industrieexperten, von Patentanwälten und Wirtschaftsprüfern beraten lassen.

Doch was macht einen erfolgreichen Gründer aus? „Er muss kreativ, kommunikativ und mutig sein“, sagt Maschmeyer. Die Jungunternehmer müssen von ihren Ideen zu hundert Prozent überzeugt sein und für sie „mit Herzblut und Begeisterung“ eintreten. „Man muss spüren, dass mit den Erfindungen ein Superlativ möglich ist und ein Nutzen gestiftet wird, den es vorher nicht gab.“

Gleich zu Anfang lernen die Kandidaten eine zentrale Lektion: Ein junger Unternehmer ist nur dann erfolgreich, wenn er andere motivieren kann. Wenn in einer Firma nicht alle an einem Strang ziehen, scheitert die beste Geschäftsidee. In der ersten Aufgabe werden zwei Teams gebildet. Sie sollen eine Bustour organisieren und damit möglichst viel Gewinn erzielen. Die eine Gruppe verfünffacht das eingesetzte Kapital, die andere erzielt nur ein bescheidenes Plus, weil es Spannungen im Team gibt. Die Probleme kommen keineswegs unerwartet, sie sind vielmehr dem Unterhaltungsanspruch des Formats geschuldet.

Bereits bei der Auswahl der Kandidaten wusste die Jury: Einer der Kandidaten wird die Gruppe kräftig aufmischen. Aber so funktioniert Fernsehen. Spannungen gehören ebenso dazu wie das Drama beim „Resümee-Gespräch“. Die Kandidaten müssen ihre Ideen an Passanten ausprobieren oder ihre Motivationsfähigkeiten an Sportmannschaften erproben, das sorgt zusätzlich für Dynamik.

Auf Carsten Maschmeyer zugeschnitten

Die Sendung ist auf Carsten Maschmeyer zugeschnitten. Seine Mitjuroren bringen zwar ebenfalls Gründer-Erfahrungen mit, beraten Maschmeyer aber vor allem bei seinen Entscheidungen. Klaus Schieble gehört seit Jahren zum Führungszirkel der Maschmeyer Group. In den zurückliegenden sieben Jahren hat die Firma in 35 Start-ups investiert, nur drei Investments waren Fehlschläge. Für Schieble zählt bei den „Start Up!“-Kandidaten besonders: Persönlichkeit, Persönlichkeit, Persönlichkeit.

Jurorin Lea Lange kennt die Situation eines Gründers aus eigener Anschauung. Ihre Lifestyle-Marke Juniqe.de gibt es erst seit gut vier Jahren. Der Onlineshop für bezahlbare Kunst, Wohnaccessoires und Schreibwaren beschäftigt inzwischen rund hundert Mitarbeiter. Für Lea Lange besteht das Geheimnis des Erfolgs auch darin, sich als Gründer stetig weiterzuentwickeln und mit den Aufgaben zu wachsen.

Vierter im Bunde ist Matthew Mockridge. Er steht den Kandidaten als Coach zur Seite. Seine „Teachings“ sollen ihnen dabei helfen, Auftreten und Körpersprache zu verbessern. Mockridge ist ebenfalls Gründer, er hat ein Event-Start-up aufgebaut. Seine Devise: Gründer sein bedeutet, vom Dach zu springen und unterwegs ein Flugzeug zu bauen. Die Kandidaten wissen mitunter jedoch noch nicht einmal, was sie eigentlich bauen wollen. Sie haben weder ein fertiges Produkt noch einen Businessplan, einige können nicht einmal einen Prototyp vorweisen. Für normale Venture-Capital-Investoren wären ihre Ideen zu unausgereift.

Und um welche Gründerideen geht es? Zum Beispiel um eine Strumpfhose, die an den Oberarmen getragen wird, um sie straffer aussehen zu lassen. Oder eine Smartphone-App, die einem zeigt, was man mit einem Haufen Lego-Steinen bauen kann. Und ein bequemer Büstenhalter, der nicht drückt, sowie ein Produkt namens Heino, mit dem das Hemd beim Tanzen in der Hose bleibt.

Maschmeyer ist einer der erfolgreichsten Selfmademen in Deutschland, zugleich aber auch auch eine polarisierende Persönlichkeit. In der Sat-1-Sendung gibt Maschmeyer den väterlichen Mentor. Er ist ein aufmerksamer Zuhörer, der die Kandidaten aufmuntert, nicht einschüchtert, ein Anti-Bohlen. Maschmeyer präsentiert sich als Investor, der seine Überlegungen hinter eisigem Pokerface verbergen kann. Aber auch als jemand, dessen Augen zu leuchten beginnen, wenn ihn eine Idee fasziniert. Anders als seine Ehefrau will er das Fernsehgeschäft dennoch nicht zum Hauptberuf machen. Apropos Veronica Ferres. Sie ist bereits am Dienstag in der Komödie „Liebe auf den ersten Trick“ bei Sat 1 zu sehen.

„Start Up! – Wer wird Deutschlands bester Gründer?“, Sat 1, acht Folgen, mittwochs ab 20 Uhr 15

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