Das alte Antennen-Radio hat Konkurrenz bekommen. Zu Kabel, Satellit und Digitalradio kommen mittlerweile Smart-Home-Systeme wie Alexa &Co. Foto: Patrick Pleul/dpa
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Vielfältiger Hörfunk Alexa, spiel bitte Radio!

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Neue Geräte, neue Vermarktung: Wie sich der Hörfunk in der Region Berlin-Brandenburg wandelt.

„Berlin hat den härtesten Radiomarkt in Europa“, sagt Stefan Hoppe von Energy Media. Für den Hörer in der Region Berlin-Brandenburg bedeutet dies eine große Vielfalt, allein bei den über 30 UKW-Wellen „gibt es für jede Zielgruppe den richtigen Sender“. Das gelte für die Hörer wie für Werbekunden, für die es bald ein neues Kombi-Werbepaket gibt. Von Anfang Januar 2019 an kann die Premium Kombi Berlin Plus gebucht werden. Mit dabei sind Radio B2, Energy Berlin, Radio Paradiso, Radio Cottbus, Radio Potsdam, Jazzradio und Power Radio.

Bis auf wenige Ausnahmen bei den Wellen des Deutschlandradios oder dem RBB-Kulturradio sind alle Berliner Radiosender mehr oder minder stark auf Werbeerlöse angewiesen. Um den Werbekunden attraktive Umfelder anbieten zu können, werden die Programme in unterschiedlichen Paketen für die lokale, regionale oder bundesweite Vermarktung angeboten. Aus Sicht der Medienanstalt Berlin-Brandenburg – sie vergibt die Frequenzen für die Privatradios – ist das neue Vermarktungspaket „gut für die Medienvielfalt und natürlich gut für die Hörerinnen und Hörer, da die Refinanzierbarkeit der kleineren Radioangebote durch die Radiovermarktungskombis längerfristig gewährleistet werden kann“.

"Wir kommen uns nicht ins Gehege"

Das neue Kombipaket von Energy, Radio B2 und Radio Paradiso konkurriert mit ähnlichen Angeboten von Vermarktern wie RTL Radio Vermarktung, RMS oder Top Radiovermarktung. Als Radio-Kombi, die auf den regionalen Werbemarkt zugeschnitten ist, soll das neue Angebot nationale Pakete wie das von der ARD-Tochter AS&S ergänzen. „Wir kommen uns da nicht ins Gehege“, sagt Stefan Hoppe von Energy Media, der für die Premium Kombi Berlin Plus verantwortlich ist. Die Animositäten zwischen der öffentlich-rechtlichen ARD und den Privatradios spielen im Werbegeschäft keine Rolle. „Die AS&S hat die nationalen Kunden im Visier, wir konzentrieren uns ganz auf die Region Berlin-Brandenburg. Am Ende, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, zählt bei der Vermarktung ohnehin der Umsatz“, sagt Hoppe.

Das neue Kombipaket ist auf keine speziellen Branchen fixiert, die Autobranche soll genauso angesprochen werden wie Möbelhändler, Banken oder Kleinstunternehmen. „Wir werden das Rad nicht neu erfinden“, da macht sich Hoppe nichts vor. Vielmehr setzen die Partner darauf, dass die Werbekunden mal etwas anderes probieren wollen. Mit einer Reichweite von 178000 Hörern in der Durchschnittstunde spielt die neue Kombi zudem in der Reichweiten-Oberliga, der so genannte Tausender-Kontakt-Preis von 3,81 Euro sei zudem „mit ganz spitzem Bleistift“ gerechnet, sagt Hoppe.

Der Sender Radio B2 hat sich bislang überwiegend selbst vermarktet und ist dabei gut gefahren. „Als wir die Idee für einen Schlagersender hatten, wurden wir anfangs belächelt. Aber wir waren von Anfang an profitabel“, sagt Radio-B2-Gründer Oliver Dunk. Die Vermarktung über die neue Radio-Kombi ist für ihn „die Kirsche auf der Torte“. Sie sei ein weiteres Instrument, um zusätzliche Erlöse zu generieren. Dabei spielen der günstige Preis und die gute Reichweite der Kombi eine große Rolle, zudem könnten mit Sendern wie Jazz Radio sowie Radio Potsdam und Radio Cottbus neue Zielgruppen erreicht werden.

Deutschland Schlagerland

Für den Schlager gilt: Entweder man liebt ihn oder lehnt ihn ab. Die Mehrheit der Deutschen ist dieser Musikrichtung positiv gegenüber eingestellt. Entsprechend breit aufgestellt ist Radio B2, das über UKW in Berlin und Brandenburg sowie in Teilen von Mecklenburg-Vorpommern zu empfangen ist. Hinzu kommt die Ausstrahlung Kabel, Satellit, Internet und das Digitalradio DAB+.

„Den Hörern ist es am Ende egal, worüber sie Radio hören“, sagt Dunk und ruft mit dem Befehl „Alexa, spiel Radio B2“ den Radiostream über den Amazon-Assistenten auf. „An Wochenenden steht Alexa bereits auf Platz zwei aller internetbasierten Endgeräte“, erzählt Dunk. Das hilft ebenso bei der Vermarktung wie die neue Radio-Kombi. Diese Erfahrung deckt sich mit den Erkenntnissen der Medienanstalt, wonach die digitale Nutzung von Audiodiensten in Berlin deutlich überm Bundesdurchschnitt liegt.

Wohin sich das Radio in der Region entwickelt, welche Bedeutung neue Auspielwege haben können, mit diesen Fragen beschäftigt sich am 27. November die Diskussionsveranstaltung „Berliner Mediendiskurse“, die von der MABB und der Senatskanzlei im Roten Rathaus veranstaltet wird. Titel der zweiten Runde: „Alexa, wo ist mein Küchenradio?“ Mit neuer Technik und besseren Vermarktungschancen auch für die kleineren Wellen wird die Radiovielfalt gesichert. Aus Sicht der Hörer wäre es jedoch mindestens ebenso wünschenswert, wenn es weniger nervige Werbespots geben würde.

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