Wirbelt Zeitschrift und Verlag auf. Katharina Wackernagel als Verlegerin Aenne Burda in ihrem Büro in Offenburg. Foto: SWR/Hardy Brackmann
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TV-Film über Aenna Burda Vorzeige-Modell

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Raus aus der bleiernen Zeit: Ein Zweiteiler erzählt die Erfolgsgeschichte der Verlegergattin Aenne Burda - nicht ganz frei von Klischees.

Es ist die Zeit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Am 23. Mai 1949 tritt das Grundgesetz in Kraft. Es ist die Zeit, in der die Druckerei und der Verlag von Franz Burda in Offenburg bereits recht gut laufen. Die Familie – Ehemann Franz mit Gattin Anna und den drei Söhnen Franz, Frieder und Hubert – führt ein Leben der gehobenen Bürgerlichkeit, in dem alles seine Ordnung hat. Franz (Fritz Karl) leitet die Geschäfte, Anna (Katharina Wackernagel) kümmert sich, mit tatkräftiger Unterstützung von Hausdame Martha (Martina Eitner-Acheampong), um das Haus.

Eines Tages, als Franz aus dem Haus eilt und seine Geldbörse liegen lässt, fährt Anna in die Druckerei, um sie ihrem Mann zu bringen. Er ist nicht da, die Mitarbeiter zucken die Achseln. Es ist ein offenes Geheimnis, wo Franz Burda, wenn er mal wieder zu lange in der Firma ist, sich aufhält. Und es ist reiner Zufall, dass Anna auf der Rückfahrt einen Umweg nehmen muss, als sie plötzlich Franz’ Wagen erblickt. Sie steigt aus, blickt hoch in den ersten Stock des ihr fremden Hauses, und muss mitansehen, wie ihr Mann einen Jungen auf den Armen hält, der ihn „Papa“ nennt. Daraufhin tritt eine Frau hinzu. Anna Burda muss sprachlos mitansehen, wie ihr Mann seine zweite Familie besucht, nur wenige Kilometer vom eigenen Zuhause entfernt.

Anna konfrontiert ihren Mann mit ihrem Wissen und wird sich fortan zusehends von ihm distanzieren. Denn da ist noch etwas: Anna Burda liebt die schönen Dinge des Lebens, auch die Mode. Lange schon träumt sie davon, eine eigene Modezeitschrift herauszugeben, eine Zeitschrift mit Modellen, die die Frauen, die sich aus all dem Grau und all der Tristesse befreien wollen, nachschneidern können. Franz ist dagegen. Der Mann bringt das Geld nach Hause, die Frau bleibt daheim und kümmert sich um die Kinder.

Franz untersagt Anna die Zeitschrift. Erneut ist es ein Zufall, dass Anna erfahren muss, dass es just eine solche Zeitschrift bereits gibt: ausgerechnet Franz’ heimliche Geliebte, seine Sekretärin Evelyn Holler (Cornelia Gröschel) leitet eine solche Zeitschrift, Franz finanziert sie. Es ist ein doppelter Betrug. Anna geht in die Offensive. Es wird nicht ihre letzte bleiben – sie ändert ihren Vornamen und stellt Franz vor die Wahl: Scheidung oder aber, er übergibt die Zeitschrift an sie.

Nach der Übernahme von Zeitschrift und Verlag wirbelt Aenne Burda diesen mit neuen, frischen Ideen auf, führt Frauengrößen ein und lässt schließlich den Verlag ganz auf sich überschreiben, um zu guter Letzt vom Notar zu erfahren, dass ihr Mann ihr die Überschuldung verheimlicht hat.

Diese Frau Aenne Burda (1909 – 2005), eigensinnig und kantig auch, geht fortan ihren eigenen Weg im Nachkriegs-Deutschland.

Der historische ARD-Zweiteiler „Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau“ wurde von Franziska Meletzky nach einem Drehbuch von Regine Bielefeldt, an dem die Regisseurin mitgearbeitet hat, für den Bildschirm umgesetzt. Der Film nimmt sich dabei, bedingt durch die Zeit und das Milieu, in denen er angesiedelt ist, durchaus konventionell aus und überrascht keineswegs mit bildgestalterischen oder sonstigen auffallenden Stilmitteln.

Die Bilder strahlen vielmehr etwas Kaltes, Distanziertes aus, so, als bewegten sich die Figuren hinter unsichtbaren Scheiben, obwohl die Farben oft warm und heimelig angelegt sind und alles den so typischen Muff und Mief der spießigen, biederen 1950er Jahre atmet. Es ist die bleierne Zeit.

Der Film konzentriert sich auf die Protagonistin, auf die Frau, die aus Anna schließlich Aenne macht, sich aus den Fesseln der Norm befreit und in die Unabhängigkeit geht, nicht ohne dabei hier und da anzuecken und Widerstand auszulösen. Schauspielerin Katharina Wackernagel, durch ihr zeitlos klassisches Gesicht nicht nur für zeitgenössische, sondern auch für historische Rollen geradezu prädestiniert, trägt diesen Film, der nicht völlig frei ist von Klischees und Plattitüden, ganz: wie sie etwa vor dem Haus steht und mitansehen muss, dass ihr Mann seit Jahren ein Doppelleben führt, wie sie nach Hause fährt, wo ein Abendessen gegeben wird, ihr Mann mit Verspätung eintrifft, sie jetzt erst gewahr wird, dass auch ihre Freundinnen längst von allem wissen, nur einzig sie allein nicht. Sie sitzt da, lächelt, beißt innerlich die Zähne zusammen, ihr stehen, kaum merklich, die Tränen in den Augen. Der Schmerz überrollt sie.

Auch das ist wunderbar herausgearbeitet und dargestellt: Wackernagels Aenne Burda ist letztlich eine frühe moderne, emanzipierte Frau.

„Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau“, ARD, Mittwoch, und 12. Dezember, jeweils 20 Uhr 15

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