Wer schreibt, der bleibt. Diese alte Regel gilt vor allem auch für die freien Journalisten in Deutschland. Foto: Thilo Rückeis
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Studie zu freien Journalisten Prekäre Lage

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Überwiegend männlich, eher links, hochgebildet: die freiberuflichen Journalisten in Deutschland.

Für Leser und Zuschauer sind sie praktisch unsichtbar: Die geschätzt 9600 hauptberuflich freien Journalisten in Deutschland. Wer den Zeitungsartikel schreibt, den Fernsehbeitrag dreht oder den Online-Artikel postet, steht allenfalls in der Autorenzeile. Dabei machen die „Freien“ etwa ein Viertel der 41.250 hauptberuflichen Journalisten in Deutschland aus.

In der Forschung galten sie lange als „Black Box“. Nun haben sich Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München in einer Studie mit freien Journalisten in Deutschland beschäftigt, die in der ersten Ausgabe der neuen Online-Fachzeitschrift „Journalistik“ erschien. Derzufolge ist der typische Freelancer überwiegend männlich (58,5 Prozent) und steht politisch eher links der Mitte. 82 Prozent der Freien haben einen Hochschulabschluss, bei Festangestellten sind es rund 74 Prozent.

Die Interviews mit 775 freien und festangestellten Journalisten ergaben unter anderem, dass Erstere hauptsächlich für Rundfunk, Zeitschriften und Online-Medien arbeiten. Über die Hälfte ist für mehr als drei Medien tätig – was angesichts geringer Honorare und drohender Scheinselbstständigkeit wenig überrascht. „Trotz paralleler Tätigkeit für meist mehrere Medien ist ihr Einkommen eher gering“, schreiben die Autoren. Ein Drittel (32,6 Prozent) geht einer nicht-journalistischen Nebentätigkeit nach, mehr als sechs Prozentpunkte mehr als noch vor 20 Jahren. „Zusammen mit überschaubaren Netto-Gehältern, die sie im Journalismus erzielen, wirft dies erneut die Frage einer zunehmenden Prekarisierung im Journalismus auf“, bemerken die Forscher.

Hochzufrieden mit der Arbeit

Laut der Erhebung verdienen rund 28 Prozent der Freien unter 1800 Euro monatlich, bei Festangestellten sind es 15 Prozent. Vor allem bei Lokalmedien ist der Geringverdiener-Anteil unter Freelancern mit rund 52 Prozent deutlich höher als in nationalen Medien (rund 20 Prozent). Den sogenannten Gender Pay Gap, also die unterschiedliche Bezahlung nach Geschlecht gibt es auch im Journalismus: Rund 35 Prozent der weiblichen Freelancer sind Geringverdiener, bei ihren männlichen Kollegen sind es etwa 23 Prozent.

Trotz schlechter Verdienstmöglichkeiten seien Freie aufgrund beruflicher Freiheit „oftmals hochzufrieden mit ihrer Arbeit“. Rund 68 Prozent der Befragten empfinden viel oder sogar volle Autonomie bei der Auswahl von Geschichten, rund 73 Prozent hinsichtlich der Entscheidung, welche Aspekte sie in ihren Geschichten betonen. Diese Autonomie empfinden Festangestellte um jeweils zehn Prozentpunkte mehr. Die von Freien geringer wahrgenommene Autonomie könne dem Umstand geschuldet sein, vermuten die Autoren, „dass sich die Freien den Bedürfnissen der Auftraggeber anpassen müssen“, da die „Medienhäuser als Käufer ihrer journalistischen Produkte befriedigt werden müssen“.

„Bestechende Ähnlichkeit“ würden beide Gruppen, neben ihrer politischen Einstellung, in ihrem Selbstverständnis aufweisen: Die Unterhaltungs- und Ratgeberrolle wird von rund einem Drittel der Freien als wichtig empfunden, bei den Festangestellten von mehr als der Hälfte. Dies sei, so die Autoren, „durchaus beachtlich, bedenkt man, dass sich die Relevanz der Unterhaltungs- und Ratgeberrolle in der Wahrnehmung deutscher Journalist*innen insgesamt seit 1993 durchweg erhöht hat.“" Für beide Gruppen ist auch die neutrale Vermittlerrolle von großer Bedeutung, darunter die Aussagen „Dinge so berichten, wie sie sind“, „das aktuelle Geschehen einordnen und analysieren“ und „ein unparteiischer Beobachter sein“.

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