Klaas Heufer-Umlauf und sein Gast Anne Will. Screenshot: Tsp
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Soloshow-Premiere für Klaas Heufer-Umlauf "Late Night Berlin" mit Luft nach oben

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Premiere für Klaas Heufer-Umlauf und seine neue Late-Night-Show auf Pro7: Die Ideen waren interessant, aber bei anderen zünden sie noch besser.

Es war schon fast Mitternacht, beim Sender Pro7, Zeit für die alles entscheidende Frage: Ob sie denn schlauer aus ihren Talksendungen rausgehe, als sie reinkomme, wollte Klaas Heufer-Umlauf zum Ende seiner Late-Night-Premiere vom Gast Anne Will wissen. Tja, die Frage hätte sich auch der Moderator selber stellen können. Oder die Zuschauer, die 200 im Studio und die 750 000 am Bildschirm.

Die Frage für die Kritiker an diesem späten Montagabend nach gut 60 Minuten aktuellem politischen Stand-up, Sidekick-Gequatsche, Umfrage-Einspielern, Witzen à la "16 Jahre Merkel, das sind 32 DMark" und Gesangseinlage (mit Casper) lautete ja: Alles schon mal gesehen, ob es denn wirklich noch einen Late-Night-Show-Versuch im deutschen Fernsehen brauche. "Late Night Berlin", und dann auch noch bei Pro7, wo bis vor drei Jahren Stefan Raab diesen Late-Night-Job souverän abräumte. Ein großer Schatten.

Im Tagesspiegel-Interview hatte Heufer-Umlauf vorher die Erwartungen selbst etwas heruntergedimmt und gesagt, aus dem Prädikat „junges Talent“ wachse er gerade raus, er sei jetzt die Übergangsjacke der Late-Night-Unterhaltung. "Nur befürchte ich, dass kein Mensch in Deutschland auf eine Show im Nachtprogramm wartet. Man redet von Königsdisziplin, aber eigentlich gilt das hierzulande nicht."

Seinen Sidekick hat er auch

Um im Bild zu bleiben, das war natürlich Understatement, in diese Late-Night-König-Jacke kann der 34-Jährige durchaus hineinwachsen. Fragt sich bloß, wo? Bei welchem Sender? Wo könnte man noch schlauer rauskommen, wenn man das will? Die Selbst-Referenzialiät, die Ironie eines Harald Schmidt, an der ein Thomas Gottschalk stets scheitert, hat Heufer-Umlauf im Blut. Den guten Anzug mit Krawatte auch, eine gewisse Distanz zum Geschehen.

Irgendwie wirkt das bei Pro7 in Gänze deplatziert, wenn es auch, klar, im Einzelnen funktionierte. Es gibt 20, 30 Jahre deutsche TV-Late-Night-Geschichte, und es wird wahrscheinlich noch mal 20 weitere Jahre geben. Heufer-Umlauf bediente sich. Seinen Haussender nahm er keck ins Visier. Seinen Sidekick hat Heufer-Umlauf auch schon: Redaktionsleiter Jacob Lundt machte sozusagen, rechts am Katzentisch sitzend, den Manuel Andrack. Wenn den beiden mal ein Gag zu versanden drohte, zupfte Heufer-Umlaufs eigene Band Gloria in dem anheimelnd in Brauntönen gehaltenen Studio in Potsdam-Babelsberg an den Saiten. Man kennt sich, das hilft, wo Joko Winterscheidt nicht mehr an seiner Seite ist.

So weit, so schwungvoll, so late-night. Die Themen? Tatsächlich versuchsweise die Show, die über Deutschland und die Welt spricht und lacht, nicht nur in dem zehnminütigen Eingangs-Stand-up vorne an der Rampe, nah am Studiopublikum. Groko, Breitband, Digitales, die neuen Minister, Seehofers Heimatwahn, Trump und Nordkorea, Pflegenotstand.

Sichtlich wohler fühlt sich der Moderator mit dem Stoff hinten am Tisch. Okay, nicht jeder Witz ein Treffer. Etwas bemüht die Einspieler und Einlagen drumherum: ein Gag zum allzeit Comedy-Gag-Opfer Detlef Soost, eine "Gag-Vorschau" für die Themen dieser Woche (Merkel, Regierung, Papst Franziskus, Buchmesse) und eine zweiteilige "Laberinth der Macht"-Doku, in der die Show dem "deutschen Volk" die Regie überließ, was das Zustandekommen der Groko betrifft. Heinz Strunk gab dabei den Präsidenten Steinmeier, Heufer-Umlauf den Martin Schulz.

Ist das die Show, die ein Klaas Heufer-Umlauf zu machen imstande ist? Das sind interessante Ideen, aber irgendwie zündet das bei Jan Böhmermann noch besser (der überraschenderweise in einer Werbepause im Spot eines Autovermieters auftauchte). Wobei, der hat auch ZDFneo-Publikum und nicht das von Pro7. Da hat man immer diesen vernichtenden Unterschichtenfernsehen-Satz vom ehemaligen ProSiebenSat1-Chef Thomas Ebeling im Ohr.

Das weiß natürlich auch ein Klaas Heufer-Umlauf. Gags über Detlef Soost wuppen beim Pro7-Publikum halt immer mehr als die über eine neue Digitalministerin. Diese Balance muss der Moderator hinkriegen. Kurzum: Es wird noch ein paar Shows brauchen, bis der Name "Late Night Berlin" einen sicheren Einschaltimpuls liefert, bei der ehemaligen Bällchensenderfamilie. 750 000 Zuschauer hatte Heufer-Umlauf bei seiner Late-Night-Premiere. Der Marktanteil betrug 5,3 Prozent, in der Zielgruppe zwischen 14 und 49 Jahren 12,1 Prozent. Das ist okay, aber auch nicht berauschend.

Vielleicht wird Klaas Heufer-Umlauf doch irgendwann mal Kollege von Anne Will in der ARD. Da geht man in der Regel schlauer aus Sendungen raus. Es muss ja nicht der ARD-Vorabend sein.

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