Kontrovers. ZDF-Moderatorin Dunja Hayali (links) diskutierte in ihrem Talkmagazin mit AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen und Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag. Foto:
p

"Dunja Hayali" zu Chemnitz Was können Grüne und AfD außer polarisieren?

35 Kommentare

Das ZDF-Talkmagazin "Dunja Hayali" brachte Katrin Göring-Eckardt und Jörg Meuthen zusammen. Es wurde laut und polemisch.

Bringt das was? Was bringt es einem Talkmagazin, wenn AfD-Bundesprecher Jörg Meuthen und Katrin Görng-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, zum gemeinsamen Gespräch über die Ereignisse in Chemnitz eingeladen sind? Dunja Hayali hat es am Mittwochabend in ihrer ZDF-Sendung getan. Offensichtlich bringt das wenig bis gar nichts. Meuthen sagte, "die gesammelte Linke sympathisiert mit der Antifa und distanziert sich kein Stück von deren Gewalttaten".

Für Göring-Eckardt ist "es nicht akzeptabel, dass die AfD-Führung Rassisten und Nazis in ihren Reihen duldet". Die Grünen-Politikern bekam starken Beifall vom Studiopublikum, die ZDF-Facebook-Seite wurde nach Ende der Sendung von Sympathisanten und Anhängern der AfD geflutet, die Göring-Eckardt sowie Hayali verdammten und zugleich Meuthen hochleben ließen.

Die beiden Politiker bedienten ihre Lager, Hayali agierte als Moderatorin, sie stellte Fragen, sie kommentierte nicht, konfrontierte die Antipoden mit jeweiligen Äußerungen und Positionen. Für den Zuschauer in der Mitte wurde deutlich, dass die AfD offiziell Rassismus und Rassisten aus der Partei draußen halten will, trotzdem Pegida-Aktivisten bei Demonstrationen in ihren Reihen mehr als nur duldet. Meuthen konnte das nicht aufklären, so wenig wie Göring-Eckardt bei Hayalis kniffliger Frage, warum sie wolle, dass der Verfassungsschutz die AfD beobachten solle, nicht aber die Linken, nur schmallippig antwortete, sie sei kein Fan des Verfassungsschutzes.

Die Auseinandersetzung zeigte: Rechts und Links können Empörung ganz ausgezeichnet, am besten Empörung über das jeweils andere Lager. Die Deutungshoheit liegt nicht bei den politischen Rändern. Was Linke und Rechts augenscheinlich nicht leisten können/wollen, das sind Lösungen, die zum Thema der von Dunja Hayali neutral und sehr aufmerksam geleiteten Livesendung "Wie geht es weiter nach Chemnitz?" passen würden.

Hayali stellte sich den Wutbürgern

Es gehört zum Selbstverständnis der ZDF-Journalistin, nicht nur über ein Thema zu reden und reden zu lassen, sondern sich einzubringen. Also fuhr sie nach Chemnitz, zu den Hut- und Wutbürgern. Es hagelte Beleidigungen, Polemik, Vorwürfe über die falsche Berichterstattung der Medien, aber auch Sätze wie die Politik "müsse auf die Leute zugehen und sie nicht verteufeln. Sonst werden sie immer mehr." Eine Demonstrantin bedankte sich bei Hayali fürs "Zuhören". Alle, und das war der Mehrwert des Talkmagazins, müssen einander mehr zuhören - wenn sie denn zuhören wollen. Da taten sich schon Meuthen und Göring-Eckardt schwer.

"Dunja Hayali" wollte in ihrer knappen Sendezeit noch mehr, sie wollte zu viel. Ein Beitrag sollte vorführen, dass eine Stadt sich von ihrem (rechtsradikalen) Ruf auch lösen könne. Rostock wurde zum Beispiel genommen. Im Stadtteil Lichtenhagen eskalierte 1992 der Fremdenhass, als rechtsextreme Randalierer unter dem Beifall von tausenden Zuschauern ein Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter mit Molotowcocktails in Brand steckten. Der Film, der wohl Mut machen wollte, war zu knapp bemessen, er sammelte nur kurze Interviews ein.

Was Rostock tatsächlich "gedreht" hat - unklar. Der frühere Neonazi Ingo Hasselbach erklärte seine Motive für den Ausstieg. Der Musiker Samy Deluxe war von den Krawallen in Chemnitz überhaupt nicht überrascht. Der "Mitmensch mit Migrationshintergrund" macht seit fast zwei Jahrzehnten Rap gegen Rassismus. Er hat ihn selber erlebt. er erlebt ihn, er ist bei dem Thema stocknüchtern - er sieht keine Lösungen. Halt, eine weiß er doch: "Längere Talkshows".

Zur Startseite