Berlin direkter. ZDF-Moderatorin Bettina Schausten (links) und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Foto: dpa
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"Berlin direkt" im ZDF Merkel macht Quote

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5,25 Millionen Zuschauer verfolgen ZDF-Auftritt. Moderatorin Schausten betont sicherheitshalber Sendereinladung an die Kanzlerin. Und Anne Will findet keine Gäste

Die ZDF-Sendung „Berlin direkt“ samt Interview mit der geschäftsführenden Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Sonntagabend rekordverdächtige Einschaltquoten. Im Gespräch mit Bettina Schausten verteidigte die CDU-Vorsitzende die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen mit der SPD und die Ressortaufteilung gegen Kritik nicht zuletzt aus der eigenen Partei. Im Schnitt 5,25 Millionen Zuschauer hatten dafür eingeschaltet, der Marktanteil lag bei 16,4 Prozent.

Für die ZDF-Sendung sonntags nach den „heute“-Nachrichten war das nach Angaben des Senders in Mainz der beste Wert seit 18 Jahren. Nur im Januar 2000 gab es mit 5,74 Millionen Zuschauern (Marktanteil: 18,4 Prozent) noch mehr Interesse, wie eine ZDF-Sprecherin am Montag erläuterte. „Auch damals war übrigens Angela Merkel zu Gast, als CDU-Generalsekretärin zum Thema Spendensumpf.“

Bemerkenswert an „Berlin direkt“ vom 11. Februar war noch das Verhalten von Moderatorin Bettina Schausten. Zweimal bedankte sich die Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios bei der Kanzlerin, dass sie die Einladung des ZDF angenommen habe. Das war nicht so dahingesagt, sondern hatte einen handfesten Hintergrund. Die „Bild“-Zeitung hatte in ihrer Ausgabe vom Samstag, 10. Februar, behauptet, dass sich die Kanzlerin über Mitarbeiter selbst in die ZDF-Sendung eingeladen habe. Im selben Artikel wurde das ZDF-Hauptstadtstudio mit der Aussage zitiert, es habe das Bundeskanzleramt am „vergangenen Mittwoch, nach Ende der Koalitionsverhandlungen“, für ein Interview angefragt. Und weiter: „Das kam an diesem Tag nicht zustande. Heute morgen erhielten wir die Zusage für ,Berlin direkt’ am Sonntag.“

Anne Will findet keine Gesprächspartner

Und so kam es denn: Die Bundeskanzlerin wurde von Moderatorin Schausten hart befragt, die mit ihren „Danksagungen“ für die akzeptierte Einladung jeden Verdacht auslöschen wollte, das „Staatsmedium ZDF“ habe sich von der „Staatsmacht Merkel“ das Programm diktieren lassen. Das ZDF hat seine Staatsferne unterstrichen.

Ob sich die ARD geärgert hat? Das Erste hatte am Sonntag keine „Anne Will“ vorgesehen. Ein ARD-Sprecher sagte dem Tagesspiegel, es sei aber versucht worden, für das Themenfeld „Groko“ eine Talkshow auf die Beine zu stellen. Das sei daran gescheitert, dass die angefragten Gäste reihenweise abgesagt hätten. Wahrscheinlich hätte die Bundeskanzlerin diese Fernsehbühne gesucht. „Anne Will“ läuft immer nach dem „Tatort“. Der Weimarer Krimi „Der kalte Fritte“ hatte am Sonntag 9,89 MIllionen Zuschauer, da wären für Angela Merkel bei Anne Will noch ein paar mehr Zuschauer drin gewesen als bei „Berlin direkt“. Joachim Huber

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