Manche mögen’s heiß Wo Berlin am schärfsten isst

Diese Restaurants haben neu eröffnet oder sich neu erfunden, kochen peruanisch, thailändisch, chinesisch oder französisch. Was sie eint? Ihr Mut zur Schärfe.

Sie haben gerade eröffnet oder sich erst kürzlich neu erfunden. Sie kochen peruanisch, asiatisch, oder klassisch französisch mit pfiffigem Dreh. Auf allen Niveaus, von der Imbissliga bis zur Spitzenküche bieten sie Außergewöhnliches. Was sie eint, ist ihr Mut zur Schärfe: Mal feinjustiert, mal mit einer Extraportion Chilipower. Unsere jüngsten Restaurantentdeckungen für einen feurigen Start in den Frühling.

TUPAC

Das Ceviche im noch jungen peruanischen Restaurant, das endlich die Leerstelle in Riehmers Hofgarten schließt, ist traditionell angelegt, die Schärfe ist präsent, aber gut in die säuerlichen „Tigermilch“ eingebunden, in der frischestes Adlerfischfilet garzieht. Der Chef in der offenen Küche, Ariel Peralta, hat zuvor im „Central“ in Lima und im „Chicha“ in Neukölln gearbeitet. Im „Tupac“, dessen Name sich auf einen peruanischen Freiheitskämpfer und nicht auf einen toten Rapper bezieht, macht er es einem leicht, seine Spezialitäten aus dem Andenraum zu mögen.

Die Produktqualität ist herausragend, die Zubereitung geradlinig-modern aber ohne Verkünstelungen – und mit intelligentem Dreh: Peralta verwendet auch Partien, die selten auf dem Teller landen. Zu Garnelen mit Chimichurri serviert er deren köstlich kross-frittierten Beinapparat. Der Kopf vom Adlerfisch – „Das Beste sind Wangen und Nacken“, sagt er – kommt als knusprig feiner „Devil Punk Fish“ auf den Teller. Und die Schärfe? Peralta weiß, dass wenige Gäste sie wirklich wie im Original vertragen würden. Er hat aber immer diverse Chilisorten in petto, mit denen er auf Wunsch die nach oben offene Schärfeskala ausreizen kann.

KREUZBERG, Hagelberger Str. 9, Do–Sa 18–23 Uhr

NANUM

Tagsüber Café mit gutem Lunchangebot, abends dann Restaurant mit koreanisch fokussierter Dinnerkarte und gelegentlichen Menü-Veranstaltungen. Die üblichen Korea-Klassiker werden elegant umschifft, Bibimbap gibt es zum Beispiel meist nur zum Lunch, dafür steht abends weniger Bekanntes auf dem Programm: „Meer im Puffer“, ein Fischkuchen mit pikanter koreanischer Senfsauce und Ei, oder „Kalte Feuernudeln“ mit Salat und Lachsstreifen.

Herausragend aber ist die tüchtig scharfe „Geliebte der Tiefsee“: feurige Fischsuppe mit großzügiger Einlage, darunter auch Streifen vom Schweinefilet mit Nudeln, Kimchi und eingelegtem Rettich. Gastgeberin Jinok Kim ist eigentlich Keramikerin. Aus ihrer Werkstatt im ersten Stock stammt das außergewöhnlich schöne Geschirr des „Nanum“. Als leidenschaftliche Köchin gelingt ihr nun gleich gegenüber dem Jüdischen Museum der Spagat aus Tellerkunst und Kunst auf dem Teller.

KREUZBERG, Lindenstr. 90, Café: Di–Fr 12–18 Uhr, Sa 15–18 Uhr, Dinner: Do–Sa ab 18 Uhr

Das Panda Noodle serviert am Lausitzer Platz hausgemachte Szechuan-Nudeln. Foto: Kai Röger Vergrößern
Das Panda Noodle serviert am Lausitzer Platz hausgemachte Szechuan-Nudeln. © Foto: Kai Röger

THE PANDA NOODLE

Hier geht’s rund. In dem Imbiss am Lausitzer Platz blinken Neonröhren. Dazwischen hängen grelle asiatische Filmplakate und glitzernde Girlanden. Aber das ganz große Spektakel steigt in den Schüsseln. Besonders bei den Szechuan-Nudeln. Die sind hausgemacht und haben eine angenehm kaugummieske Konsistenz. In sie zu beißen, ist eine Wonne.

Zumal das schon das Vorletzte ist, was man sensorisch für eine Weile mitkriegt, denn die sämige Sauce ist so scharf, dass bald die typische Taubheit, die der chinesische Pfeffer auslöst, die Zunge lahmlegt. Ein wenig Hackfleisch komplettiert das fettig-feiste Vergnügen, die grob geschnitten Gurkenstücke geben die Illusion von Frische. Eine Portion kurz vor der Mutprobe, und sie macht graue Tage bunt. Denn die Schmerzreaktion, die der in den scharfen Lebensmitteln reichlich vorhandene Stoff Capsaicin auslöst, schüttet auch Glückshormone aus. Wer einfach nur essen will: Es gibt auch Ramen und Currys.

KREUZBERG, Lausitzer Platz 12a, Mo–Fr 12–21 Uhr, Sa 13–22 Uhr

Heißt Soljanka, ist aber eigentlich ein feines Tatar mit Rahm- und Gurkensphären plus angegossenem Rote-Bete-Fond. Foto: Kai Röger Vergrößern
Heißt Soljanka, ist aber eigentlich ein feines Tatar mit Rahm- und Gurkensphären plus angegossenem Rote-Bete-Fond . © Kai Röger

SLATE

Als Nachfolger der Weinbar „Schwein“ Anfang 2018 in der Casual-Dining-Liga gestartet, hat das Team um Gastgeber Nicolas Schmidt nun kürzlich eine bemerkenswerte Wende vollzogen: Die Küche versucht sich nicht mehr an Gerichten zum Teilen, sondern setzt auf französische Klassik mit modernem Twist, der, wie bei unserem letzten Besuch, auch mal aus Indien kommen kann. Prägnante Schärfe spielt eine Rolle in vielen der zwölf Gerichte, die man zwar à la carte, sinnvoller aber in einem Menü mit Weinbegleitung bestellen kann.

Herausragend noch immer der „Slate“-Klassiker Soljanka (Foto oben), die eigentlich ein feines Tatar mit Rahm- und Gurkensphären plus angegossenem Rote-Bete-Fond ist. Jetzt präsentiert sie sich schärfer und akzentuierter als am Anfang. Was perfekt in die Linie von gebratenem Tafelspitz mit Curry, Tamarine und Cashewcreme oder Wolfsbarsch mit Duftreis-Schaum, Erbsen und Sake-Masala-Beurre-blanc passt. Keine Neueröffnung, aber hier lohnt die Neuentdeckung.

MITTE, Elisabethkirchstr. 2, Mitte, Di–Sa ab 18 Uhr

In die Papadam sind im Bahadur grüne Chilis eingebacken. Foto: Kai Röger Vergrößern
In die Papadam sind im Bahadur grüne Chilis eingebacken. © Foto: Kai Röger

BAHADUR

Die nordindische Küche ist nicht die schärfste Regionalküche Indiens. Das heißt aber noch lange nicht, dass man im „Bahadur“ in Wilmersdorf nicht eine ordentliche Dosis Schärfe auf den Teller bekäme. Schon in die knusprigen Papadam sind grüne Chilis eingebacken, der die süßlich saure Tamarindensauce ein wenig Gnade verleiht. Kein Pardon dagegen kennt das Lamm-Curry Hari Mirch ka Gosht.

Hier schwimmen die gebratenen grünen Chilischoten auf einer fruchtigen Sauce mit Paprika, Ingwer und Koriander. Eines jener Gerichte, für die man früher nach London fliegen musste. Der Star des Ladens ist der Tandoori-Ofen. Gerichte wie Chicken Malai Tikka werden über offenem Feuer im Lehmofen gegrillt. Die bekommen mit Madras-Sauce noch mehr Bumms. Die Sauce besteht aus Senfkörnern, Curryblättern und Kokosmilch, das ist dann auch ziemlich südindisch.

WILMERSDORF, Sigmaringer Str. 36, Di–So 12–23 Uhr

Streetfood der Wohlfühlklasse im NGOKIMPAK. Foto: Kai Röger Vergrößern
Streetfood der Wohlfühlklasse im NGOKIMPAK. © Kai Röger

NGOKIMPAK

Im Nachfolger des „Toki“ lässt The Duc Ngo nun alle veganen Vorsätze hinter sich und setzt auf koreanisch inspiriertes Streetfood der Wohlfühlklasse: gut gemachte Tapas und Bowls, herausragend gute Buns gefüllt mit Backfisch, Chashu oder mariniertem Soja mit süßer Walnuss-Sesam-Paste und ebenso gute mit Honig glacierte Schweinerippchen.

Dazu bietet Duc hier japanische und koreanische Nudelsuppen in reicher Auswahl, aber mit etwas weniger Ambition als in seinen reinen Ramen-Läden: Zum Teil stammen die Nudelsuppen aus selbst importierten Päckchen, die um einen besonderen Dreh bereichert werden, wie die „Nuclear Fire Ramyun“, eine auf Chili und wenig Brühe reduzierte koreanische Nudelsuppe, die angeblich die schärfste ihrer Art sein soll. Muss man nicht ganz ernst nehmen, hier isst man in einer „Fun Asian Eatery“, und der Spaß stellt sich bei den vielen kleinen Happen von selbst ein.

CHARLOTTENBURG, Schlüterstr. 22–23, täglich 12–23 Uhr

Im „Khao Taan“ geht nur Menü. Kostenpunkt: 35 Euro. Foto: Kai Röger Vergrößern
Im „Khao Taan“ geht nur Menü. Kostenpunkt: 35 Euro. © Kai Röger

KHAO TAAN

Vielleicht gut zu wissen: In dem aus einer ganzen Reihe von Gründen sehr empfehlenswerten und gerade eröffneten „Khao Taan“ können sie auch leise Töne. Der gedämpfte Zander mit Chicoree und Sellerieblättern war ein großes wie relativ mildes Vergnügen, auch das Lamm-Massaman-Curry. Sonst steht hinter dem Wunsch des chinesisch-thailändischen Betreibers Gaan, seine Heimatküche in Berlin authentisch, also so, wie seine Oma Taan sie kochte, zu präsentieren, auch ein unbedingtes Bekenntnis zur Schärfe.

Ein Feuerwerk ist etwa das Relish aus jungem grünen Chili, das mit gehackter Makrele einen vollmundigen Begleiter hat und mit Gurken, Zuckerschoten und Bohnen und Fenchelkraut ein paar frische Noten bekommt (Foto). Auch noch wichtig: Im „Khao Taan“ geht nur Menü. Das kostet 35 Euro und bietet pro Gang immer zwei Optionen. Kleine, aber gut zusammengestellte Auswahl an Natural Wines.

FRIEDRICHSHAIN, Gryphiusstr. 10, Di–So 18–23 Uhr, Fr, Sa 18–23 Uhr

„Sichuan Rindfleischnudeln“: sehr scharf, sehr ölig, sehr gut! Foto: Kai Röger Vergrößern
„Sichuan Rindfleischnudeln“: sehr scharf, sehr ölig, sehr gut! © Kai Röger

LIU CHUAN CHUAN XIANG & NUDELHAUS

Zugegeben, wir haben unterschätzt, wie schnell sich die kleine Lunchadresse zu einem Hotspot für internationale Foodies entwickeln würde. Wer jetzt mittags die Suppen und Gerichte aus selbst gemachten Nudeln nach Szechuan-Art probieren will, muss sich in eine Schlange einreihen, um dann in wenig ansprechendem Ambiente und in hoher (Schlürf-)Geräuschkulisse einfach im Bausatzverfahren zusammenstellbare Nudelgerichte am Tresen zu bestellen.

Aber was soll man sagen: Es lohnt sich. Zumindest für den, der Schärfe und Authentizität mag. Man wählt die Nudeln aus (es gibt sie in dick, dünn, aber auch kalt oder aus Süßkartoffeln gemacht) und dazu eine Haupt- und Nebensauce. Beim ersten Mal blickt man nicht durch, einfacher wird’s mit den Komplettgerichten wie „Sichuan Rindfleischnudeln“ (Foto): sehr scharf, sehr ölig, sehr gut!

MITTE, Kronenstraße 72, täglich 11.30–15 Uhr, Fr–So auch 16.30–22 Uhr

Dieser Beitrag ist auf den kulinarischen Seiten "Mehr Genuss" im Tagesspiegel erschienen – jeden Sonnabend in der Zeitung. Hier geht es zum E-Paper-Abo. Weitere Genuss-Themen finden Sie online auf unserer Themenseite.

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