Hat der CIA die Mahnwachen unterwandert?

Schulterschluss. Seit drei Jahren gibt es die Montagsmahnwachen in Berlin. Foto: DAVIDS/Florian Boillot
Mahnwachen in Berlin Wie Verschwörungstheoretiker ticken

Das Phänomen der Verschwörungstheorien und ihrer Verbreitung ist inzwischen gut erforscht. Die gängigste Erklärung unter Psychologen besagt: Wer sich vom Sozialleben ausgeschlossen fühlt, versucht umso verzweifelter, einen Sinn im Leben finden - und diese Sinnsuche verstärkt den Glauben an Verschwörungstheorien. US-Forscher der Universität Princeton sagen, das beste Gegenmittel sei, die Betroffenen nicht weiter an den Rand zu drängen. Sondern zu versuchen, sie wieder ins gesellschaftliche Leben einzubinden. Die Angesprochenen toben und unterstellen den Forschern, diese riefen zur Gehirnwäsche auf.

Im Juni werden viele von ihnen auf einem alten Flughafengelände im brandenburgischen Niedergörsdorf zusammenkommen. Die Chemtrail-Gegner, die Esos, die Rechtsausleger, Ken Jebsen und Redakteure von „RT Deutsch“. Sie wollen das dreitägige „Friedensfestival“ Pax Terra Musica feiern. Veranstalter ist ein Aktivist vom Pariser Platz.

"Schwerer Fehler, diesen Unsinn zu veröffentlichen"

Auf dem Infotisch der Mahnwache liegt auch das Magazin „Free21“ aus. Es ist vom Dänen Tommy Hansen gegründet worden, der vor zwei Jahren nach Berlin zog, weil man nirgendwo sonst so frei denken könne. Mittlerweile arbeiten bis zu 40 Freiwillige an dem Projekt mit. Im Heft sind mehrere Texte des Verschwörungstheoretikers Dean Henderson erschienen - eines Mannes, der glaubt, der Massenmörder Anders Breivik habe 2011 im Auftrag Israels gehandelt. Norwegen sei den Juden nämlich zu palästinenserfreundlich. In „Free21“ behauptete Henderson ernsthaft, die größten Unglücke der Menschheitsgeschichte gingen auf Intrigen der jüdischen Familie Rothschild zurück.

Chefredakteur Hansen sagt am Telefon, es sei ein schwerer Fehler gewesen, diesen Unsinn zu veröffentlichen. Das würde er heute nicht mehr tun. „Es war unprofessionell.“ Überhaupt passe er inzwischen auf, welche Autoren in „Free21“ publizieren. „Bei uns gibt es keine Berichte über Aliens oder Freimaurer.“ So einiges, was auf den Mahnwachen behauptet werde, sei leider falsch. Er selbst habe jahrelang versucht, anderen Friedensbewegten „die Idiotie der Chemtrails auszureden“. Ohne Erfolg.

Im Gespräch wirkt Tommy Hansen recht vernünftig. Dann sagt er: Es könne sein, dass die Chemtrail-Jünger und andere Fanatiker vom CIA geschickt würden. Um so die neue Friedensbewegung zu diskreditieren und „von den ernsthaften Themen abzulenken“. Er behaupte nicht, dies sei auf jeden Fall so. Er sage nur: Vielleicht ist es so.

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