Hat schon wieder aufgegeben: Terry McCarthy, der seit September als Präsident der American Academy in Berlin amtierte. Foto: Courtesy of Terry McCarthy/American Academy in Berlin/obs
© Courtesy of Terry McCarthy/American Academy in Berlin/obs

Zwist in der American Academy Präsident McCarthy gibt nach wenigen Monaten auf

Die American Academy in Berlin soll die deutsch-amerikanischen Beziehungen stärken. Doch sie ist derzeit vor allem mit sich selbst beschäftigt.

Der Präsident der American Academy, Terry McCarthy, hat sein Amt niedergelegt und ist in die USA zurückgekehrt. Der mehrfach ausgezeichnete Journalist war erst im vergangenen September aus Los Angeles kommend an die Spitze der Kulturinstitution gerückt, die in den vergangenen Jahren einige Turbulenzen erlebt hat. Offenbar gab es Differenzen mit dem Kuratorium über die strategische Ausrichtung.

Unter anderem hat sich das Spannungsfeld zwischen Politik und geisteswissenschaftlicher Tiefe immer mal wieder als Herausforderung erwiesen. Die Trennung sei aber in gegenseitigem Einvernehmen erfolgt, sagte eine Sprecherin. Das Ende kam schnell, noch bevor der Vater von vier Kindern seine Familie nachholen konnte, was für den Sommer geplant war.

Als Interims-Präsident wird nun der deutschstämmige amerikanische Verfassungsrechtler Gerhard Casper zurückerwartet. Der frühere Präsident der Stanford University hatte im Alter von 76 Jahren im Sommer 2015 schon einmal als geschäftsführender Direktor und Präsident in Personalunion übernommen.

Damals wurde der gebürtige Hamburger Kaufmannssohn von Josef Joffe vorgestellt als jemand, der gut vernetzt sei bei amerikanischen Akademikern auf beiden Seiten des Atlantiks und mit einem Kuratorium zurechtkommen kann, „das immer alles besser weiß“. Caspar galt auch als begnadeter Fundraiser, der zwischen 1992 und dem Jahr 2000 mehr als 2,2 Milliarden Dollar für Stanford gesammelt hat. Er folgte dem ersten Direktor  Gary Smith, der mit seiner langen Amtszeit von 18 Jahren inzwischen fast als Phänomen da steht.

Im August 2016 übernahm Michael Steinberg von der Brown University das Amt des Präsidenten von Caspar. Er war schon 2014 im Gespräch gewesen, aber da standen ihm berufliche und private Gründe im Weg. Der 59-Jährige hatte ursprünglich einen Vertrag über fünf Jahre unterschrieben, verließ die Institution aber bereits knapp zwei Jahre später wieder.

Die Academy war ein Kind der Wiedervereinigung

Spiritus Rector der American Academy war der frühere US-Botschafter Richard Holbrooke. Nach dem Abzug der alliierten Truppen 1994 sollten neue Traditionen geschaffen werden, um die deutsch-amerikanische Freundschaft weiterhin mit Leben und neuen Impulsen zu füllen und auf eine neue Ebene zu heben. Unter anderem Henry Kissinger, Richard von Weizsäcker und Fritz Stern engagierten sich. Ursprünglich als Stipendienprogramm für junge Amerikaner gedacht, erwuchs daraus eine Institution, die einige der besten Köpfe Amerikas an den Wannsee holte.

Gerade in schwierigen politischen Zeiten sind mit der Institution große Hoffnungen verbunden, die deutsch-amerikanischen Beziehungen gegen den Wind zu pflegen und zu vertiefen. An den Mitarbeitern soll es nicht liegen. Sie seien, so die Sprecherin, hoch motiviert, die Institution wieder mit in ruhigeres Fahrwasser zu bringen.

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