Die Donau bei Bad Abbach. Foto: imago
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Zurück zu den Wurzeln (7) Wo der Kaiser wohnt

Zu Hause sind alle Covid-Ecken ausgeleuchtet. Wir gehen in dieser Sommerserie an den Anfang zurück: Urlaub in der Kindheit und Jugend.

Es ist überhaupt kein Problem, in Regensburg tolle Urlaubstage zu verbringen. Man genießt das Donauufer, die Altstadt, die Biergärten, das italienische Flair. Aber erst wenn man zehn Kilometer gen Süden fährt, ist man dort, wo ich aufgewachsen bin: in Niedergebraching.

Dort kommen die Touristen, die sich in Regensburg den Dom anschauen, eher nicht vorbei, obwohl – es gibt ein Gasthaus, das für seine riesigen Portionen bekannt ist. An Wochenenden ist dort durchaus was los. Zumindest war das vor Covid-19 so.

Niedergebraching hat außer Natur wenig zu bieten. Es gibt keinen einzigen Laden; gab es noch nie. Ich habe das als Kind nicht vermisst. Wir wohnten direkt neben dem Gasthaus, der Kaugummiautomat war nicht weit. Zum Einkaufen fuhren wir nach Regensburg. Manchmal auch nach Bad Abbach.

Das ist eine Marktgemeinde in Niederbayern. Niedergebraching gehört hingegen noch zur Oberpfalz. Bad Abbach ist deshalb eine andere Welt.

Ich sage nur: Die Autokennzeichen der Abbacher bestehen aus drei Buchstaben, wir hingegen hatten ein elegantes „R“.

In Bad Abbach hat ein Kurpark eröffnet

Bad Abbach ist trotzdem eine Top-Destination, wenn man einen kleinen Ausflug machen will und keine Lust auf Regensburg hat. Als ich Kind war, bretterten wir öfter mit dem Fahrrad nach „Abbach“. Erst geht es am Ende meines Heimatdorfes einen Berg hinauf und dann einen steilen Feldweg wieder hinunter.

Der Feldweg ist sehr steinig, der holprigste Weg, den ich kenne. Ungebremst hinunterzufahren, ist riskant, andererseits rutschen beim Bremsen erst recht die Reifen weg. Die Einheimischen haben den Dreh raus, für alle anderen beginnt hier der Abenteuerurlaub.

Irgendwann hat in Bad Abbach ein Kurpark eröffnet. Es ist erholsam dort, man könnte auch sagen – langweilig. Ein Highlight ist die Schwefelquelle. Unter einer Überdachung im Kurgarten sind ein paar Becken angebracht, Wasser tröpfelt aus den Hähnen. Ich war zuletzt mit meinen Neffen dort. Es klappt eigentlich immer. Alle rufen „Ähhhhh“ und halten sich die Nase zu. Nichts stinkt besser.

Der Donauradweg ist sehr schön

Bad Abbach ist nicht nur ein Heilbad mit langer Tradition, es ist auch der Geburtsort von Heinrich II., römisch-deutscher Kaiser, zuvor Herzog von Bayern, König von Italien. Die steinerne Statue auf dem Marktplatz blickt Richtung Burgberg, dort kam Heinrich II. zur Welt. Eine Bronzetafel informiert: 973 in Abbach geboren, 1024 in Grona gestorben.

Wer mehr will, fährt von Bad Abbach nach Kelheim weiter. Der Donauradweg ist sehr schön. An der Kelheimer Schiffsanlegestelle begibt man sich an Bord eines Dampfers. Der fährt wenige Kilometer die Donau hinab, aber die haben es in sich: steile Felsformationen mit Namen wie „Napoleons Koffer“ oder „Peter und Paul“, Weltenburger Enge, Donaudurchbruch.

Ausstieg ist am Kloster Weltenburg. Der Biergarten ist riesig. Ich wette, man kann dort mit viel Abstand sitzen.

Bisher erschienen: Worms (2. 7.), Völklinger Hütte (9. 7.), Berlin-Konradshöhe (14. 7.), Leverkusen (17. 7.), Kassel (21. 7.), Berlin-Lichterfelde (26. 7.)

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