Peter P. Pachl wurde 1953 in Bayreuth geboren. Foto: Berliner Symphoniker
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Zum Tod von Peter P. Pachl Das Rare ist das Wahre

Er war Musikwissenschaftler und Regisseur, Intendant, Kritiker und Impresario: Im Alter von 68 Jahren ist Peter P. Pachl unerwartet gestorben.

In dem mit schillernden Persönlichkeiten wahrlich reich gesegneten Wagner-Clan hatte es ihm Siegfried besonders angetan. Peter P. Pachl war fasziniert vom 1869 geborenen Sohn des Bayreuther Meisters, sowohl als Komponist, der auf Märchen statt auf Mythen setzte, um sich von seinem Vater Richard abzugrenzen, als auch als Privatmann. Seine Homosexualität konnte Siegfried im liberalen Berlin und in Italien ausleben, er wahrte aber den bürgerlichen Schein, heiratete Winifred Klindworth und leitete erfolgreich von 1906 bis zu seinem Tod 1930 die damals unsubventionierten Wagner-Festspiele.

Der 1953 geborene Peter P. Pachl kam ebenfalls aus Bayreuth, 1972 gründete der Kulturmanager, Musikwissenschaftler und Regisseur 1972 die „Internationale Siegfried Wagner Gesellschaft“, ab 1980 leitete er das auf Abseitiges spezialisierte „Pianopianissimo Musiktheater München“, Anfang der 1990er Jahre konnte er als Intendant des Thüringischen Landestheaters Rudolstadt so manche spätromantische Ausgrabung auf die Bühne bringen, darunter natürlich auch Werke Siegfried Wagners.

Den Berliner Symphonikern wollte er neue Horizonte eröffnen

Nach Stationen an Theatern in Nürnberg, Wiesbaden und Hagen wurde Peter P. Pachl im November 2017 von den Berliner Symphonikern zum Nachfolger des verstorbenen Intendanten Jochen Thärichen gewählt. Er öffnete sofort das Füllhorn seiner Ideen, setzte Werke von Ludwig Thuille, Christian Sinding, Clement Harris oder Günter Kochan aufs Programm, mit dem Ziel einer stilistischen Pluralität. Bei den Berliner Symphonikern, so sein Credo, sollen künftig die Neugierigen und die Entdeckungsfreudigen auf ihre Kosten kommen.

Leider aber brachten dann weder der Vorstand der Berliner Symphoniker noch die Musiker die nötige Geduld auf für die mutige, inhaltliche Neuorientierung. Am 1. Mai 2019 musste Pachl seinen Posten wieder räumen, eine von ihm geplante Hommage zum 150. Geburtstag Siegfried Wagners fand zwar noch statt, aber nicht mehr unter seiner Ägide.

Jetzt ist Peter P. Pachl, der auch als Musikrezensent bei Fachzeitschriften aktiv war, während der Proben zu Anton Urspruchs Oper „Die Heilige Cäcilia“ in Hattingen überraschend gestorben. Er wurde 68 Jahre alt.

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