Dennis Edwards bei einem Konzert. Foto: imago/ZUMA Press
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Zum Tod von Dennis Edwards Der Knurrer

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Dennis Edwards' Stimme war rau, unverwechselbar. Mit Songs wie „Papa Was a Rollin’ Stone“ schrieb der Leadsänger der Temptations Musikgeschichte. Ein Nachruf.

Ende der sechziger Jahre wurde auch der Soul psychedelisch. Auf dem epochalen Temptations-Album „Cloud Nine“, das 1969 herauskam, mischen sich dunkel wabernde Wah-Wah-Gitarren mit sphärischem Georgel und furiosen Wechselgesängen. Der Titelsong handelt vom Aufwachsen in einem schwarzen Ghetto, vom Überleben in der „Dog eat dog“-Welt.

Der Leadsänger Dennis Edwards war kurz zuvor zu den Temptations gestoßen, seine härtere, etwas rauere Stimme passte besser zum neuen, an Sly & the Family Stone orientierten Stil der Band als die seines Vorgängers David Ruffin. „Cloud Nine“ wurde als erster Motown-Song mit einem Grammy ausgezeichnet. Weitere Preise folgten für „Papa Was a Rollin’ Stone“, „I Can’t Get Next to You“ und „Just My Imagination“.

Dennis Edwards, 1943 in Alabama geboren, kam mit zehn Jahren nach Detroit. Sein Vater war Pastor, das Singen lernte der Sohn im Chor von dessen Kirchengemeinde. 1961 gründete Edwards seine erste Soulband, 1966 bekam er einen Vertrag beim Motown-Label. „Marvin Gaye war ein Freund von mir, und er pflegte zu sagen: Mann, ich wünschte, ich könnte wie du singen, so mit meiner Stimme knurren“, erzählte er in einem Interview. „Ich entgegnete: Machst du Witze? Ich möchte wie du singen. Jeder möchte so singen wie du.“

Als sich die Temptations 1977 mit Motown-Gründer Berry Gordy überwarfen und zur Plattenfirma Atlantic wechselten, stieg der Leadsänger aus. Edwards veröffentlichte drei Soloalben, mit dem kühlen Disco-Duett „Don’t Look Any Further“ gelang ihm zusammen mit der späteren Michael-Jackson-Begleiterin Siedah Garrett 1984 noch einmal ein Nummer-2-Hit in den amerikanischen R&B-Charts. Am Donnerstag ist Dennis Edwards in Chicago gestorben. Er wurde 74 Jahre alt.

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