Die Aktivisten vom «Zentrum für Politische Schönheit», Cesy Leonard, Stefan Pelzer und Philipp Ruch, äußern sich bei einer Pressekonferenz zur Aktion «Wir haben etwas zur Aufklärung von Chemnitz beizutragen». Das «Zentrum für Politische Schönheit» hat nach eigenen Angaben 3 Millionen Bilder von über 7.000 Verdächtigen ausgewertet, um Rechtsextreme zu identifizieren. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
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Zentrum für politische Schönheit & die "Soko Chemnitz" Aktionskünstler wollten Rechte foppen

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Das Zentrum für Politische Schönheit hat die mehr als 1500 Fotos wieder von ihrer "Soko Chemnitz"-Website genommen.

Jetzt ist auf einmal Schluss. Oder doch nicht? Das „Zentrum für Politische Schönheit“ (ZPS) hat die mehr als 1500 Fotos von seiner Website „Soko Chemnitz“ genommen, auf der zur Denunziation rechtsextremer Akteure während der Ausschreitungen und Demonstrationen im Spätsommer in Chemnitz aufgerufen wurde. Mit der Absicht, die Rechten bei ihren Arbeitgebern anzuschwärzen. Am Montag hatten die Aktionskünstler mit rußverschmierten Gesichtern in Berlin die Kampagne präsentiert, auch „Sofort-Bargeld“ geboten. Doch nun soll alles anders gemeint gewesen sein. Die Rechten hätten in eine Falle gelockt werden sollen, sagte ZPS-Sprecherin Tilda Rosenfeld am Donnerstag. Dass die Denunziation in der Öffentlichkeit umstritten war, sei kein Grund gewesen, warum das ZPS die Website nun „upgedatet“ habe. Vielmehr seien die Rechten auf einen „Honey Pot“ hereingefallen.

Die Fotos waren angeblich der Honigtopf, um Neonazis anzulocken und zum Outing zu verleiten. „Viele von Euch braunen Mobber“, höhnen die Künstler auf der Website „Soko Chemnitz“, hätten die Suchfunktion genutzt „und oftmals zuerst den eigenen Namen gesucht“. So hätten die Rechten „uns mehr mitgeteilt, als öffentlich zugängliche Quellen je verraten hätten“. Das ZPS behauptet, die Website sei nur mit diesem Ziel gebaut worden: „Ihr liefert uns Euer gesamtes Netzwerk selbst aus und zwar ohne es zu merken“.

Tilda Rosenfeld behauptet, das habe funktioniert. Die so gewonnenen Daten würden aufbereitet und den Sicherheitsbehörden angeboten. So gehe die Kampagne weiter. Und Denunziation habe es auch gegeben. Das ZPS habe zu den Fotos, auf denen die Rechten abgebildet waren, Hunderte Hinweise erhalten. „Das Belohnungsgeld scheint ein guter Anreiz gewesen zu sein, seinen Nazi-Kumpel zu verpetzen“, meint Rosenfeld.

Denunzieren kam allerdings gerade bei einem antirassistischen Unternehmer schlecht an. Der Israeli Gat Ramon, Geschäftsführer der Cabka Group, zeigte sich zwar in einem Offenen Brief ans ZPS dankbar, mit der Aktion herausgefordert zu sein, Haltung zu zeigen. Doch er lehnte die Denunziation eines mutmaßlich rechtsextremen Mitarbeiters in seiner Firma als „Hetze“ ab.

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