Stilmix. Nils Landgren und Mitglieder der Jungen Norddeutschen Philharmonie wie des Stegreif-Orchesters. Foto: MUTESOUVENIR / KAI BIENERT
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Young Euro Classic Klassik trifft Jazz

Erstaunliche Mixturen: Der Jazz-Posaunist Nils Landgren bringt bei Young Euro Classic wieder verschiedene Musikstile zusammen.

Fast könnte man ihn die graue Eminenz des Festivals nennen, stünde dies nicht in Widerspruch zu seiner Person. Ewig junge Stimmungskanone; erfahrener Jazzer mit Lust auf Neues; Musikstile und Menschen in erstaunlichsten Mixturen zusammenbringend – das ist Nils Landgren, der „Mann mit der roten Posaune“. Zum fünften Durchgang seines Projekts „Classic meets Jazz“ bei Young Euro Classic hat er die Junge Norddeutsche Philharmonie und das Stegreif-Orchester mit einem bewährten Jazzteam zusammengespannt. Leonard Bernstein, der Seelenverwandte, wird zum baldigen 100. Geburtstag geehrt, doch in neuen, ganz eigenen Versionen. Für die vielseitigen Arrangements zeichnet der Jazzkomponist Vince Mendoza verantwortlich.

Wenn die Musiker, barfüßig, mit Geigen und Celli, blinkenden Hörnern, Trompeten, Oboen und Klarinetten die Konzerthausbühne betreten und raunende Quinten anstimmen, glaubt man sich zunächst in eine Selbsterfahrungsgruppe versetzt. Von morgendlichen Yogaübungen auf grüner Wiese berichtet zuvor launig Abendpate Dietmar Bär. Doch dann geht die Post ab: Aus meditativen Klängen schält sich Bernsteins fetzige Ouvertüre „America“ heraus. Schön, wie sich die Farben der Genres mischen: Mit weichen Zimbeln blendet sich Schlagzeuger Wolfgang Haffmann in den delikaten Flöten- und Harfensound ein, begegnet so dem Vibraphonisten Wieland Welzel („eigentlich“ Solopauker der Berliner Philharmoniker) an den großen Kesseln zu schaffen macht. Und schon wippt das Publikum im Takt, oder auch dagegen, wenn es synkopisch wird.

Bernstein als Musikvermittler

„Some other times“ beschwört Jazzsängerin Janis Siegel mit warmer, kraftvoller Stimme. Mit Landgrens charmantem Reibeisentenor findet sie ebenso zum sanften Duett zusammen, wie sie mit rasantem Scat-Gesang brilliert und der Posaune mit witzigen Trompeten-Imitationen Konkurrenz macht: „Lucky to Be Me“. „One Hand, one Heart“, „Lovely Town“, „Wrong Note Rag“ zeigen den unbekannteren Bernstein, geben Raum für Improvisationen für Jan Lundgren am Klavier wie für das Big-Band-Qualitäten zeigende Orchester. Den „naughty boy“ mimt Landgren in „Cool“; bei „Maria“ bürstet man rhythmisch keck gegen den Strich.

Bernstein als Musikvermittler zeigt sich in seiner Bewunderung für Kurt Weill und für Gustav Mahler. „Mahler’s Trombone“ ist ein Rearrangement des „Stegreif“-Kopfes Juri Marco, ätherisch flirrend, monumental gesteigert. Wieland Welzel kommt – am Klavier! – mit seinem aparten „Thank you“ zu Wort. Bewegend, wenn zum Schluss Bernsteins „Somewhere“ erklingt, Vision einer friedlichen Welt, in der für jeden Platz ist. An diesem Abend gibt es sie.

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