Ikone der Architektur. Die 2010 verstorbene irakisch-britische Künstlerin Zaha Hadid vor dem von ihr erbauten „Museum des 21. Jahrhunderts“ in Rom. Foto: Guido Montani/dpa
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Vom Zweiten Weltkrieg bis zu Zaha Hadid Wie Frauen zu Architektinnen wurden

Es dauerte lange, bis Architektur ein Beruf für Frauen wurde. Ein opulenter Bildband versammelt und würdigt ihre Geschichte in 182 Werken.

Es brauchte lange, bis „Architektin“ ein Beruf für Frauen wurde, im Grunde bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg. Heutzutage ist ein Name wie der der allzu früh verstorbenen Zaha Hadid in aller Munde, mischen Liz Diller oder Annabelle Selldorf jeweils auf ihre Art New York auf.

Was Frauen entworfen haben und dann auch bauen konnten, hat die englische Architekturhistorikerin Jane Hall zusammengetragen und zu einem eindrucksvollen Bildband vereint. 182 Bauten hat Hall ausgewählt, von fast ebenso vielen Architektinnen, und stellt sie auf jeweils einer Seite mit Farbfoto – wo vorhanden – und biografischer Notiz vor.

Ob man in den Bauten nun einen feministischen Ansatz erblicken mag, bleibt dem Betrachter überlassen; zumal es Beispiele gibt von Bauten, die in einem größeren Büro entstanden sind, wie Diller Scofidio + Renfro oder bereits in den 1950er Jahren Alison and Peter Smithson.

Die Vorstellung, Frauen hätten ein besseres Händchen für Innenarchitektur – noch Lily Reich verschwand so hinter dem großen Mies van der Rohe –, ist mittlerweile überholt. Betrachtet man die technizistischen Bauten, die erst mit den von der 2016 verstorbenen Zaha Hadid populär gemachten Computerprogrammen ihre rasanten Formen annehmen konnten, so ist ein gender-spezifischer Unterschied erst recht nicht mehr auszumachen.

Der Band ist twas London-lastig

Der Blick von Jane Hall ist wahrhaft global, sodass auch Architektinnen wie Mariam Kamara mit ihrem Kulturkomplex in Niger oder Marina Tabassum mit einer Moschee in Dhaka/Bangladesch vertreten sind.

Oder aber Spela Videcnik, die das Fußballstadion im weißrussischen Borisov gebaut hat. In Osteuropa dürften noch mehr unentdeckte Schätze warten. Wer kennt das Museum für zeitgenössische Kunst in Belgrad, das Ivanka Raspopovic 1965 schuf? Die geschlechtsneutrale Ausbildung im Osten war’s, die Frauen den Weg in den Beruf eröffnete.

Zumindest was die Lehre angeht, ist das Buch etwas London-lastig – Architektinnen aus aller Welt haben in der Metropole studiert. Berlin kommt lediglich einmal vor, mit dem GSW-Hochhaus von Louisa Hutton (und Matthias Sauerbruch).

Frauen haben an Unis an Terrain gewonnen

Auch ein herber Verlust ist zu beklagen: der Abriss des American Folk Art Museum von Billie Tsien (und Tod Williams) in New York, erst 2001 eröffnet und nun schon wieder verschwunden, weil das benachbarte MoMA Haus und Grundstück geschluckt hat.

Natürlich fehlt Lina Bo Bardi nicht, die Brasilianerin, die mit dem aufgestelzten Kunstmuseum von Sao Paulo in jüngerer Zeit zu einer Ikone der weiblichen Architektur hochgejazzt worden ist. Sicher auch, weil sie zu ihrer Zeit in den 1950er, 1960er Jahren eine Ausnahme war. Mittlerweile haben Frauen vor allem an den Universitäten Terrain gewonnen, wie Jane Hall in ihrer knappen und konzisen Einleitung darlegt. Danach heißt es: Buch aufblättern, Bilder anschauen und – staunen.

Jane Hall: Breaking Ground. Architecture by Women. Phaidon Press, London 2019. 224 S., durchgehend farbig ill., 39,95€.

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