Klanggewaltig. Das Vision String Quartet. Foto: Tim Kloecker
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Vision String Quartet im Radialsystem Gefühlvoll

Elias Pietsch
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Wie Musik und Bilder miteinander harmonieren: Das Vision String Quartet spielt Werke von Jürgen Frey und Dmitri Schostakowitsch im Radialsystem.

Auf der Bühne des Radialsystems befinden sich noch keine Musiker, als am Sonntagabend das Konzert des Vision String Quartet beginnt. Stattdessen stehen dort zwei große Leinwände, auf denen die Musiker beim Spielen zu beobachten sind. Langsam quellen schwebende Akkorde aus den Lautsprechern, immer wieder von Sekunden der Stille unterbrochen: das Streichquartett Nr. 2 des Schweizer Komponisten Jürg Frey, eine minimale Komposition, deren Klangtexturen eher an Vokalmusik als an Streicher denken lassen. Zu diesen Klängen betreten Jakob Encke, Daniel Stoll, Sander Stuart und Leonard Disselhorst die Bühne.

„Was bleibt?“ fragt das Vision String Quartet an diesem mit Radialsystem-Gründer Folkert Uhde entwickelten Konzertabend. Die Idee dahinter ist es, die Grenzen zwischen den einzelnen Kompositionen verschwimmen zu lassen und somit ein großes Ganzes zu schaffen. Freys Werk dient dabei als Ein- und Überleitung zu den drei anderen, live gespielten Stücken. Diese musikalische Reise wird zudem von verschiedenen Licht- und Videoinstallationen begleitet.

Eine beeindruckende Darbietung

Vor allem zu Anfang gelingt diese Verschmelzung von Musik und Visuellem sehr gut: Freys fragile Klangtexturen gehen nahtlos in Samuel Barbers Adagio for Strings über, die Stimmung wandelt sich von nahendem Unheil zur tiefen Traurigkeit des Adagio. Die vier jungen Musiker schaffen es hier, die Emotionalität des Stücks überzeugend zu vermitteln, ohne je in den Kitsch abzurutschen, immer nur mit so viel Vibrato wie nötig. Die visuelle Untermalung ist sparsam aber effektiv - lediglich ein wenig orangenes Licht, das proportional zur Intensität der Musik an- und abschwillt.

Beim darauffolgenden Streichquartett Nr. 8 von Dmitri Schostakowitsch wirkt die Bebilderung dann jedoch etwas beliebig: Fotos des Komponisten und einige Straßenszenen werden ohne erkennbare Verbindung zum musikalischen Geschehen an die Leinwände geworfen. Was hier an Leidenschaft fehlt, liefert dafür das Vision String Quartet mit seiner äußerst klanggewaltigen Interpretation des Stücks. Donnernde, an Maschinengewehrsalven erinnernde Staccati wechseln sich mit wunderschön warm und legato gespielten Melodiebögen ab.

Was also bleibt zum Schluss? Eine beeindruckende musikalische Darbietung, die durch die etwas enttäuschende visuelle Untermalung nicht geschmälert wird.

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