Porzellanbild mit Ansicht eines Berliner oder Potsdamer Zimmers der KPM, um 1840. Foto: Lempertz Berlin
© Lempertz Berlin

Versteigerung bei Lempertz Berlin Weißes Gold aus Preußen

Feines Porzellan: Das Berliner Auktionshaus Lempertz versteigert im Rahmen ihrer Preußen-Auktion den zweiten Teil der berühmten Twinight Collection.

Für ein Picknick eignet sich das goldene Service von KPM nur bedingt. Viel zu kostbar und fragil wirken die zwei Tassen und Kannen aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts mit ihren detaillierten Ansichten antiker Monumente wie auch römischer Villen. Dennoch hat KPM für die feinen Stücke eigens einen Koffer herstellen lassen, der bei Lempertz in Berlin mitversteigert wird – vielleicht, um das wertvolle Porzellan angemessen zu schützen und auf die Besonderheit der klassizistisch geformten Objekte aufmerksam zu machen.

Auf 30 000 bis 50 000 Euro schätzt das Auktionshaus jenes Service in Mikromosaikmalerei. Es zählt damit zu den Highlights der aktuellen Preußen-Auktion (6. April ab 11 Uhr, Poststraße 22) mit über 300 Losen; darunter der zweite Teil der berühmten Twinight Collection, die der New Yorker Sammler Richard Baron Cohen über Jahrzehnte zusammenbrachte.

Ergänzend versteigert Lempertz mehrere Gemälde

Vergangenes Jahr war es eine kleine Sensation: Lempertz hatte das Rennen gemacht und große Teile der – von Cohen nicht zuletzt im selben Haus ersteigerten – Schätze für seine Berliner Dependance gesichert. Twinight, das sind viele museale Spitzenstücke aus den Hochzeiten der Porzellanmanufaktur KPM im 19. Jahrhundert. Dazu gehören zwei fast halbmeterhohe Kratervasen mit signierten Berliner Ansichten von Johann Eusebius Anton Forst, dem herausragenden Porzellanmaler jener Zeit. 50 000 bis 70 000 Euro soll das Paar nun kosten und liegt damit noch über dem goldenen Service.

Fast ein Drittel der Objekte entstammt einer privaten Sammlung aus Niedersachsen. Ihr Schwerpunkt liegt nicht allein auf klassizistischer Formensprache. Lempertz bietet diesmal auch besondere Jugendstil-Vasen, wie jenes üppige Exemplar mit Marinemotiven aus der Königlichen Porzellanmanufaktur Kopenhagen an. Gefertigt wurde sie zwischen 1902 und 1914, ihr Preis liegt bei 40 000 bis 60 000 Euro. Doch es geht auch preiswerter. Auf 4000 bis 6000 Euro ist ein Teller aus dem „Service Marly d’or“ (Manufaktur Sèvres) geschätzt, der zarte Vogel auf seinem Spiegel stammt vom Malers Christophe-Ferdinand Caron. Zum selben Preis wird ein ganzes Déjeuner mit italienischen Ansichten der Kaiserlichen Manufaktur Wien aufgerufen.

Ergänzend versteigert Lempertz mehrere Gemälde wie die „Ansicht der Katharinenkirche in Brandenburg an der Havel“ von Eduard Gaertner (Taxe: 70.000 bis 90.000 Euro). Vom Porzellanmaler Gottfried Wilhelm Völcker stammen die „Weißen Lilien und Feierlilien von Passionsblume umrankt“. Völcker zählte zu den wenigen Künstlern, die zwischen dem weißen Gold und der Leinwand als Motivgrund wechselten und auf beiden Feldern anerkannt waren. Zu ihnen gesellt sich eine rheinische Sammlung mit über 50 Eisengussobjekten, zu denen neben 18 Medaillen auch Statuetten preußischer Regenten und anderer historischer Persönlichkeiten gehören. Hier steigen Bieter mitunter bei 300 Euro ein.

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