Die russische, in Österreich lebende Star-Sopranistin Anna Netrebko. Foto: AFP/Georg Hochmutz
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Ukraine-Krieg und Kultur-Boykott Anna Netrebko verurteilt den Ukraine-Krieg jetzt ausdrücklich

Sie wollte sich nicht gegen Putin erklären und cancelte viele Auftritte. Nun sagt die Operndiva deutlichere Worte gegen den Krieg und betont allgemein ihre Distanz zu Putin.


Die Star-Sopranistin Anna Netrebko verurteilt den Ukraine-Krieg ausdrücklich und beteuert, sie habe den russischen Präsidenten Wladimir Putin nur einige Mal getroffen. Eine entsprechende Erklärung ließ die russische, in Österreich lebende Sängerin am Mittwoch über ihren deutschen Anwalt Christian Schertz verbreiten, in "Ansehung der zahlreichen Medienberichte der letzten Tage", wie es in der Mitteilung heißt.

Netrebko war kritisiert worden für ihre uneindeutige Haltung gegenüber dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Kurz nach Kriegsbeginn hatte sie gesagt, sie sei keine politische Person, sie sei gegen diesen Krieg und sie liebe ihre Heimat. Eindeutiger wollte sie sich auch auf entsprechende Bitten etwa der Berliner Staatsoper hin nicht äußern und gab stattdessen bekannt, dass sie in nächster Zeit nicht öffentlich auftreten wolle.

Wörtlich lässt Netrebko nun ausrichten: "Ich verurteile den Krieg gegen die Ukraine ausdrücklich und meine Gedanken sind bei den Opfern dieses Krieges und ihren Familien. Meine Position ist klar. Ich bin weder Mitglied einer politischen Partei noch bin ich mit irgendeinem Führer Russlands verbunden."

Weiter teilt die 50-Jährige mit, sie erkenne und bedaure, dass ihre Handlungen oder Aussagen in der Vergangenheit zum Teil falsch interpretiert werden konnten. Netrebko hatte im September 2021 ihren 50. Geburtstag mit einer Gala im Kreml-Palast gefeiert, bei der auch Glückwünsche von Putin verlesen wurden. .

In der über ihren Anwalt verbreiteten Mitteilung heißt es nun: "Tatsächlich habe ich Präsident Putin in meinem ganzen Leben nur eine Handvoll Mal getroffen, vor allem im Rahmen von Verleihungen von Auszeichnungen für meine Kunst oder bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele." Auch teil sie mit, dass sie nie finanzielle Unterstützung von der russischen Regierung erhalten habe und in Österreich auch steuerlich ansässig sei.

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"Ich liebe mein Heimatland Russland und strebe durch meine Kunst ausschließlich Frieden und Einigkeit an", fügte sie hinzu. Nach ihrer Auftrittspause werde sie ihre Opern- und Konzertauftritte Ende Mai wieder aufnehmen, zunächst in Europa.

2015 überreichte Netrebko im Fernsehen einem Separatistenführer eine Spende

Ihre jetzige Mitteilung ist etwas deutlicher formuliert, mit etwas mehr Distanzierung von Kreml-Chef Putin als ihre Äußerung kurz nach Kriegsbeginn im Februar. "Ich bin eine Russin und liebe mein Land, aber ich habe viele Freunde in der Ukraine, und der Schmerz und das Leid brechen mir das Herz. Ich möchte, dass dieser Krieg aufhört und die Menschen in Frieden leben können", hatte sie damals gesagt. Und sie fügte hinzu, es sei nicht richtig, Künstler zu zwingen, ihre politische Meinung öffentlich zu machen und ihr Heimatland anzuprangern.

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In welchem Maß die weltweit gefeierte Operndiva eine unpolitische Person ist, war bereits in früheren Jahren umstritten. Netrebko hatte 2012 für Putins Wiederwahl geworben und sich 2015 mit dem Separatistenführer Oleg Zarew vor Fernsehkameras gezeigt, als sie ihm in St. Petersburg eine Spender für die Oper in Donezk überreichte. Ihre Spende wurde als offene Unterstützung für die Separatisten in der Ostukraine kontrovers diskutiert.

Seit Kriegsbeginn am 24. Februar wird über kulturelle Boykotte aus Solidarität mit der Ukraine gestritten, vor allem in der Klassikwelt und im Film. Vor allem Auftritte des russischen Star-Dirigenten und Mariinsky-Direktors Valery Gergiev wurden überall im Westen abgesagt, da er ein erklärter Putin-Freund und Befürworter von dessen aggressiver Außenpolitik ist.

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