Martin Freeman und Diane Kruger in "The Operative". Foto: Kolja Brandt / Berlinale
© Kolja Brandt / Berlinale

„The Operative“ auf der Berlinale Diane Kruger mordet in Teheran

Die deutsche Schauspielerin ist der Star in Yuval Adlers israelischem Spionagethriller „The Operative“, der im Wettbewerb außer Konkurrenz startet.

Der schöne Tod gleicht einem Fingerschnipsen. Er kommt plötzlich und unerwartet. Jedenfalls in der Theorie. In der Praxis ist er eklig. Rachel schleicht sich von hinten an und rammt dem Nachtwächter eine Spritze in den Hals. Er springt auf, wankt, ringt nach Luft und stürzt zu Boden. Sie kniet sich zu dem sterbenden Mann und berührt sein Gesicht, es sieht aus, als ob sie sich bei ihm entschuldigen wolle.

Ein paar Tage vorher hatte sie an seinem Kabuff gestanden, er gab ihr eine seiner sehr starken Zigaretten, sie sprachen über seinen Bruder, der bald sterben würde. Besser, fanden sie, sei es, anders zu sterben, so schnell wie ein Schnipsen. Die Szene spielt in einer Teheraner Elektronikfirma. Rachel tötet den Nachtwächter, weil er sie gesehen hat, nachdem sie dort Computerdateien kopiert hatte. Sie arbeitet für den israelischen Geheimdienst.

Adler schafft es immer wieder, für Suspense zu sorgen

Diane Kruger ist als Rachel der Star des Spionagethrillers „The Operative“, der außer Konkurrenz im Wettbewerb läuft. Man kann sie mit ihren dunkel gefärbten Haaren kaum wiedererkennen, und lange Zeit bleibt unklar, auf welcher Seite die Heldin, die keine Israelin ist, wirklich steht. Dazu passt, dass über den Bildern des Films, den der israelische Regisseur Yuval Adler inszeniert hat, ein Grauschleier zu liegen scheint, alles wirkt nebulös, nur zum Ende hin scheint kurz einmal die Sonne.

Am Anfang ruft Rachel ihren Führungsagenten beim Joggen an, der von Martin Freeman gespielt, und sagt: „Mein Vater ist gestorben.“ Einerseits stimmt das, der Vater ist tot. Andererseits handelt es sich bei dem Satz um den Code dafür, dass sie aussteigen will. Da gilt sie aber bereits seit einem Jahr als verschollen. Es folgen, genregerecht, kunstvoll verschachtelte Rückblenden.

„Das ist ein Krieg, dabei sterben unschuldige Menschen“, so versucht der Führungsagent Rachel zu erklären, in was sie hineingeraten ist. Die Sprachlehrerin, deren Mossad-Karriere in Leipzig beginnt, hat sich in Farhad (Cas Anvar) verliebt, auf den sie in Teheran angesetzt wurde. Er versucht Technik für das Nuklearprogramm der Mullahs zu beschaffen.

Es wird ein wenig zu viel geredet in diesem Film, aber Adler schafft es immer wieder, für Suspense zu sorgen. Ihre erste Nacht in Teheran verbringt Rachel in einem klaustrophobischen Hotelzimmer. Sie schmuggelt Bomben über die türkisch-iranische Grenze, muss sich im Laderaum eines Jeeps verstecken und wird beinahe vergewaltigt. Und sie steigt in den Aufzug eines Hotels, in dem drei Menschen erschossen werden. Ein irritierender Moment, Diane Kruger trägt blonde Haare.

11.2., 10.30 Uhr (HdBF), 12 Uhr (Friedrichstadtpalast), 22.30 Uhr (International)

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