Grabkammern mit Säulenhallen oberhalb der Stadt

Tell el-Amarna heute Die Erben von Echnaton und Nofretete


Relief-Darstellung der königlichen Familie in der Grabkammer des Hohepriesters Merire. Foto: Katharina Eglau Vergrößern
Relief-Darstellung der königlichen Familie in der Grabkammer des Hohepriesters Merire. © Katharina Eglau

Doch der ägyptischen Antikenbehörde mit ihren 30 000 Angestellten sind die Hände gebunden. Seit dem Abgang des allmächtigen und umtriebigen Matadors Zahi Hawass im Juli 2011 fehlt das Geld an allen Ecken und Enden. Vier Nachfolger sind seither gekommen und bald wieder gegangen. Da sich die Administration allein aus Tantiemen, Grabungsgebühren und Eintrittsgeldern finanziert, macht ihr vor allem der Einbruch im Tourismus schwer zu schaffen. „Der Geldmangel ist unser größtes Problem“, bekennt der gegenwärtige Chef Mohamed Ibrahim, und kündigte an, er werde die bislang relativ niedrigen Eintrittspreise für ausländische Besucher bald drastisch erhöhen.

Gleichzeitig will sich die Antikenverwaltung am Nil künftig ganz auf absolute Großprojekte wie das Nationalmuseum in Giza konzentrieren und sucht für kleinere Vorhaben neue Kooperationen mit ausländischen Partnern. Und so trug man vor einem Jahr den Deutschen die Fertigstellung und Ausstattung des Amarna- Museums in Minia an – für den Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Kairo, Stephan Seidlmayer, „eine wunderbare Aufgabe“. Denn die deutsche Archäologie ist mit Amarna seit 100 Jahren eng verbunden. Hier entdeckte Ludwig Borchardt am 6. Dezember 1912 die weltberühmte Büste der Nofretete, die heute im Ägyptischen Museum Berlin ausgestellt ist. In den Felsen oberhalb der einstigen pharaonischen Stadtfläche befinden sich zudem teilweise gut erhaltene Grabkammern, manche mit regelrechten Säulenhallen. In dem Grab des Hohepriesters Merire ist das Königspaar abgebildet, wie es zum Sonnentempel fährt, gefolgt von Prinzessinnen und Hofstaat sowie erwartet von Priestern und Musikanten. Das Grab des Panehesi, Vorsteher der Getreidespeicher und des Viehs, wurde in christlicher Zeit zu einer Kirche mit Taufbecken umgestaltet. Zehn Kilometer weit abgelegen im Wadi Abu Hasah el-Bahri existiert auch noch das Grab der Familie von Echnaton, das jedoch nicht für den Herrscher selbst benutzt wurde. Lediglich in einem Seitenflügel ließ er seine früh verstorbene Tochter Meketaton bestatten. Und Reliefs zeigen das Königspaar, wie es ihr Kind am Totenbett beweint.

Zur Startseite