Der rechte Rapper Chris Ares auf einer Demonstration in München im April 2016. Foto: imago
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Spotify löscht Songs von Chris Ares Ein rechter Rapper, den selbst die AfD verschmäht

Er wollte ein Jugendzentrum für Patrioten gründen und mit rechtem Hip-Hop die Charts erobern. Amazon und Spotify haben Chris Ares nun aus dem Angebot gelöscht.

Es ist ein vertrautes Bild im Deutschrap der vergangenen Jahre: Aufgepumpte Typen mackern vor teuren Autos herum, keifen plumpe Texte über pumpende Beats. Da ist auch das Video zum Song „Neuer Deutscher Standard“ von Chris Ares und Prototyp keine Ausnahme. Bloß, dass darin über „Deutsches Blut“ und den Hass auf die „Autotune-Migrantenbande“ gerappt wird. Über eine halbe Million Aufrufe hat der Track auf Youtube.

Nein, Chris Ares macht keinen Hehl aus seiner rechten Gesinnung. Christoph Aljoscha Zloch, wie der 28-Jährige bürgerlich heißt, ist seit Jahren ein Vorzeigekünstler der extrem rechten Variante des deutschsprachigen Hip-Hops. Seit 2016 wird er vom bayrischen Verfassungsschutz als „Rechtsextremist“ eingestuft, dieser erkennt in ihm einen „bedeutenden Akteur in der bundesdeutschen identitären Musikszene“.

Wie Zloch die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich zieht? Mit Zeilen wie diesen: „Sie reden von Schläfern, aber haben keinen Plan. Wie viele unserer Männer darauf warten, endlich loszuschlagen. Keine Lust mehr zu ertragen, wie sie unsere Frauen jagen.“ Solche Inhalte beförderten sein Album „2014-2018“ in den iTunes-Charts nach ganz vorne, der Song „Neuer Deutscher Standard“ schaffte es auf den ersten Platz der Amazon-Charts.

Xavier Naidoo wollte mit ihm kooperieren

Auch abseits vom Mikrofon bedient Zloch die übliche rechte Rhetorik vom „großen Bevölkerungsaustausch“ und traktiert Journalisten schon mal mit Faustschlägen und Fußtritten. Aufmerksamkeit erlangte er jüngst aber vor allem dadurch, dass Xavier Naidoo in einem Interview erwähnte, dass er sich eine Zusammenarbeit mit dem Rapper vorstellen könne und bereits mit ihm im Kontakt stehe. Im Juni stand Zloch erneut im Fokus, weil er im sächsischen Bischofswerda den Aufbau eines rechten Jugendzentrums plante, in dem Musikworkshops und Kampfsporttraining angeboten werden sollten.

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Doch daraus wird wohl so schnell nichts. Vergangene Woche sprach sich der Stadtrat geschlossen gegen das Vorhaben aus. Erstaunlich, denn neben Linken, SPD, den Bürgern für Bischofswerda, CDU und FDP positionierten sich auch alle fünf Ratsmitglieder der AfD dagegen. Zloch zeigte sich daraufhin in sozialen Netzwerken empört und versuchte seine Anhängerschaft auf einen Shitstorm gegen die örtliche AfD einzuschwören. Er habe mit dem lokalen Fraktionsvorsitzenden der Partei telefoniert und dieser hätte ihm zu verstehen gegeben, dass man solche „Typen nicht da haben und lieber mit der FDP und der CDU gemeinsam ein Jugendzentrum aufbauen“ wolle.

Das Kalkül scheint nicht aufzugehen

Der rechte Aktivist Martin Sellner veröffentlichte ein Statement mit dem Titel „AfD verbündet sich mit Antifa gegen Chris Ares“. Der AfD-Politiker Dubravko Mandic ging rhetorisch noch weiter: „Wir haben hier Krieg, auch in der Partei. (...) Und wer hier meint, dass er mit dem Gegner, mit dem politischen Feind, so wie Meuthen, zusammenarbeiten muss, dessen Karriere ist gefährdet. Den werden wir medial und innerparteilich zur Strecke bringen.“

Für gewöhnlich freuen sich unbedeutende Rapper auch über schlechte Berichterstattung. Im Falle von Zloch scheint das Kalkül jedoch nicht aufzugehen. Der Onlineversandhandel Amazon entfernte pünktlich zur Veröffentlichung sein neues Album „Ares“ aus dem Sortiment. Auch Spotify löschte am Dienstag den gesamten Katalog. Zuvor hatte es massiven Protest gegen rechte Interpreten beim Streaming-Anbieter gegeben. Zahlreiche Nutzer hatten mit Kündigungen gedroht.

Zu finden ist nur noch das Künstler-Profil von Chris Ares – versehen mit dem grotesken Hinweis: „Hilf uns ‚Beliebte Songs‘ für diese(n) Künstler*in zu erstellen (…) Starte den Trend, indem du jetzt Musik abspielst“. Auf iTunes und Youtube hingegen sind die Songs von Zloch weiterhin im Angebot.

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