Aus der Ferne wirkt er verlockend. Blick auf das Wasserreservoir des Silver Lakes. Foto: Junkyardsparkle/Wikipedia
© Junkyardsparkle/Wikipedia

Silver Lake in Los Angeles Auch Stars lieben Zäune

Altes Hollywood, junge Hipstergegend: In Silver Lake baute Disney sein erstes Studio. Und James Franco feiert hier Partys. Teil 13 der Serie Farben des Sommers.

Respekt, endlich mal eine Auffahrt mit Stil. Nicht bloß ein besserer Garagenstellplatz, sondern eine gepflasterte Straße, die sich hinter dem schmiedeeisernen Tor einen Hügel hinaufzieht, auf dessen Spitze der Fürst von Silver Lake wohnt: der berühmte Musikproduzent Daniel Lanois.

Ein junger Musiker hat mich eingeladen herzukommen. Gut, eigentlich war es seine Managerin/Bekannte, die auf einer Party meinte, ich solle doch unbedingt bei ihm vorbeischauen. Der Nachwuchsmusiker hüte gerade das Haus für Daniel und sei the next big thing. Als ich die Auffahrt hinaufgehe, fällt mir auf, dass ich seinen Namen vergessen habe.

Aus dem Shootingstar wird höchstens ein Hausmeister

Hinter der ersten Serpentine sehe ich einen Pool, in dem ich ihm und vier seiner Freunde zum ersten Mal begegne. Er trägt knielange Swimshorts, lange Haare und tropft. Hinter ihm dehnt sich der Pool nierenförmig aus. Im Wasser dümpelt ein riesiger weißer Plastikschwan. Auf ihm räkelt sich ein sehr junges Mädchen in einem gehäkelten Bikini, der weder bekleidet noch trocknet. Die ganze Szene hat etwas Schmieriges. Der etwa zehn Jahre ältere Musiker, die junge Schwanenkönigin ... mir fallen diverse Filme ein, die ähnlich beginnen könnten – und keiner würde in einem seriösen Kino laufen. In meinem Kopf formt sich ein klares Urteil. Aus dem Shootingstar wird für mich höchstens noch ein Hausmeister.

Das ist also Silver Lake, altes Hollywood, junge Hipstergegend. Walt Disney hat um die Ecke einst sein erstes Studio gegründet, Tom of Finland in den schwulen Lederbars einige Nacktmodelle aufgerissen, und von Leonardo DiCaprio heißt es, er schleppe noch jede neue Flamme über den lokalen Farmers Market. Silver Lake ist voller Geschichten, doch die Nachbarn halten sich bedeckt.

Bei unbefugten Zutritt kann scharf geschossen werden

Auf Dutzenden Schildern manifestieren sie ihre Angst vor Eindringlingen. „Armed response“, scharf zurückgeschossen würde auf jeden, der sich unbefugt Zutritt verschafft. Klingelt ein Peter Gabriel, bevor er um Rat fragt? Was, wenn Bono mal auf einen Überraschungsbesuch vorbeischaut? Da ist eine Selbstschussanlage natürlich doof, die kurzen Prozess mit europäischen Musikstars macht. Vermutlich steht deshalb das Tor von Daniel Lanois weit offen, suizidal weit, glaubt man den übrigen Anwohnern. Gern hätte ich den Produzenten zur akuten Sicherheitslage befragt.

Vom Pool aus sehe ich Silver Lake, das Wasserreservoir durch die Bäume bleigrau schimmern. Aus der Ferne wirkt er verlockend, wer nahe an ihn herankommt, wird von einem meterhohen Zaun gestoppt. Die Leute hier lieben Absperrungen.

Typisch für das Viertel, das angeblich gerade den Bach runtergeht. Das hat mir am Vortag eine Schauspielerin erzählt. Die ältere Nebendarstellerin Ann Magnusson beklagte sich über den jüngeren Nebendarsteller James Franco, weil der ständig laute Partys feiern würde. Und das von einer ehemaligen Punkmusikerin. Jaja, der Lack ist ab in Silver Lake.

Zur Startseite