Elisabeth Sobotka wurde in Wien geboren. Aktuell ist sie Intendantin der Bregenzer Festspiele. Foto: Anja Köhler
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Sie kommt aus Bregenz nach Berlin Elisabeth Sobotka wird ab 2024 Staatsopern-Intendantin

Die angehende Intendantin Sobotka leitet seit 2015 sehr erfolgreich die Bregenzer Festspiele. Tonangebend bleibt in Berlin weiterhin Daniel Barenboim.

Er hat es wieder getan. Daniel Barenboim hat sich durchgesetzt. So wie eigentlich immer in seiner nunmehr fast 30 Jahre währenden Amtszeit als Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper. Als er 2019 beschloss, Unter den Linden bis kurz vor seinen 85. Geburtstag aktiv bleiben zu wollen, da fasste Kultursenator Klaus Lederer dies als ein Angebot auf, das er nicht ablehnen konnte. Obwohl sich damals die Diskussion um Barenboims autoritären, aus der Zeit gefallenen Führungsstil auf dem Höhepunkt befand, verlängerte er den Vertrag des Maestro bis 2027.

Und jetzt hat sich der Linkenpolitiker für eine Barenboim-Vertraute entschieden, als Nachfolgerin des Staatsopern-Intendanten Matthias Schulz, den es nach Zürich zieht. Elisabeth Sobotka soll ab 2024 seinen Platz einnehmen. Die gebürtige Wienerin war bereits von 2002 bis 2007 Unter den Linden engagiert, im mittleren Management, als Operndirektorin, die unter anderem dafür zuständig ist, dass es im Repertoirealltag mit den Sängerbesetzungen klappt.

Sobotka leitet erfolgreich die Bregenzer Festspiele

Nach ihrer Berliner Zeit war sie zunächst Intendantin in Graz, seit 2015 leitet sie sehr erfolgreich die Bregenzer Festspiele. Durch ihre Tätigkeit im Stiftungsrat der Berliner Opernstiftung aber blieb sie der deutschen Hauptstadt über die Jahre weiterhin eng verbunden.

Das allerdings erweist sich jetzt als Problem. Denn dieser Stiftungsrat ist ja offiziell das Aufsichtsgremium für die drei Opernhäuser, dem der Kultursenator darum seine Personalentscheidungen vorlegen muss. Noch am Mittwoch war Sobotkas Name auf der Website der Opernstiftung zu lesen. Die Kulturverwaltung beteuert zwar, dass Frau Sobotka vor der Auswahlentscheidung ihr Amt niedergelegt habe – aber es verwundert, dass dem promovierten Rechtswissenschaftler Klaus Lederer so ein Fauxpas unterlaufen ist.

Sie muss beweisen, dass sie an die Zukunft der Staatsoper denkt

Gegen die fachliche Qualifikation der 56-Jährigen ist damit nichts gesagt. Die sympathische, im persönlichen Umgang äußerst angenehme Österreicherin ist eine hochqualifizierte Besetzung. In Bregenz hat sie ein gutes Händchen beweisen bei der Auswahl der Kreativteams für die Seebühnen-Spektakel, sie hat spannende Repertoire-Raritäten im Festspielhaus präsentiert, ein Opernstudio zur Förderung junger Sänger:innen gegründet und sich um eine niedrigschwellige Zugänglichkeit zur Hochkultur bemüht, die ja auch dem Berliner Senator so sehr am Herzen liegt.

Unter den Linden wird sie Barenboims fünfter Sparringspartner sein, nach den Intendanten Georg Quander, Peter Mussbach, Jürgen Flimm und Matthias Schulz. Und sie wird den Beweis antreten müssen, dass sie dort nicht nur in den Diensten des Generalmusikdirektors steht, sondern dass sie bei aller Loyalität auch in der Lage ist, die Zukunft der Staatsoper für die Post-Barenboim-Ära vorzubereiten. Sei es nun klandestin, also hinter dem Rücken des Auf-Lebenszeit-Maestro, oder auch mit offenem Visier.

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