Bloß keine Fehler zugeben: US-Präsident Donald Trump- Foto: imago images
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Sechs Lektionen Was wir aus Fehlern lernen können

Klaus Brinkbäumer

Donald Trump spricht im Fernsehen den „Yosemite Nationalpark“ falsch aus. Wir alle machen Fehler. Wichtig ist, aus diesen zu lernen. Die Kolumne Spiegelstrich.

Klaus Brinkbäumer war zuletzt Chefredakteur des „Spiegel“ und arbeitet heute als Autor unter anderem für „Die Zeit“. Sie erreichen ihn unter Klaus.Brinkbaeumer@extern.tagesspiegel.de oder auf Twitter unter @Brinkbaeumer. In seiner wöchentlichen Kolumne „Spiegelstrich“ betrachtet er das Verhältnis von Sprache und Politik.

Es gibt Fehler, die wir nur einmal machen, da sie ein Leben lang schmerzen. Vor 40 Jahren spielten meine Freunde und ich um die Nordrhein-Westfalen-Meisterschaft im Volleyball, C-Jugend, es ging um einen Flug zu „Jugend trainiert für Olympia“ nach Berlin. Den ersten Satz gewannen wir 15:0. „Der zweite Satz beginnt bei null“, sagte unser Trainer noch. Wir hörten zwar oft auf ihn, doch diesmal nicht, denn es war ja ein Rausch.

Wir verloren dann 14:16 und 13:15, und die Jungs aus Essen fuhren nach Berlin und nicht wir. „Ihr werdet daraus lernen“, sagte der Trainer, ließ uns allein, und es stimmte. Nie wieder habe ich bei einem Spiel oder einer Regatta – oder auch Wichtigerem – gedacht, dass es vorbei sei, ehe es vorbei war.

Was also machen wir mit unseren Fehlern? Erste Lektion: daraus lernen und das Erlernte nicht mit den Jahren verdrängen.

Erbärmliche Politiker-Ehrenworte

In der „New York Times“ schrieb Maureen Dowd am Samstag eine windschiefe Kolumne darüber, dass in der Demokratischen Partei zuletzt vor 36 Jahren ein Mann und eine Frau gemeinsam in den Präsidentschaftswahlkampf gezogen seien (Walter Mondale und Geraldine Ferraro). Die Kolumnistin vergaß, dass erst vor vier Jahren Hillary Clinton und Tim Kaine angetreten waren. Die „Times“ korrigierte sich verschämt und sagte trotzig, dass 36 Jahre vergangen seien, seit ein Mann eine Frau als potenzielle Vizepräsidentin ernannt habe; von Clinton/Kaine noch immer kein Wort.

Tagesspiegel-Kolumnist Klaus Brinkbäumer. Foto: Tobias Everke Vergrößern
Tagesspiegel-Kolumnist Klaus Brinkbäumer. © Tobias Everke

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Zweite Lektion: transparent sein und nicht irgendetwas Kleines zugeben, sondern alles, ohne Scheu. Es gibt im öffentlichen Leben nichts Erbärmlicheres als jene Politiker-Ehrenworte, die Stunden später von der nächsten Enthüllung abgeräumt werden. Und keine traurigere Figur als die Ehefrau an der Seite dieser Politiker.

Vergangene Woche hatte ich im Manuskript dieser Kolumne den Bürgerrechtler John Lewis „Senator“ genannt, und als ich mit meinem Sohn auf dem Spielplatz war, er schaukelte und ich machte Grimassen, fiel mir der Fehler ein. Lewis hatte im Repräsentantenhaus und nicht im Senat gesessen – in New York war es ja erst früh am Sonntag, der Fehler also noch vor dem Andruck korrigiert.

Dass statt „Bürgerrechtler“ auch noch „Bürgerrechtlicher“ im Text stand, bemerkte erst eine Leserin – es stand ebenfalls im Manuskript. Wie allerdings aus „Obama“ einmal „Obmama“ wurde, versteht bis heute niemand, denn das hatte nicht im Manuskript gestanden, und so redigiert ja auch niemand.

Aus Fehlern wird man klug

Dritte Lektion: Demut, denn hin und wieder fällt ein Fehler vom Himmel. Und die vierte: sorgfältig bleiben, immer. Man hat ja einen Anspruch.

Alle Künstler und sonstwie Kreativen, alle Gründerinnen und sonstwie Unternehmungsfrohen wissen, dass es Fehler braucht, um anzukommen. Nicht alle, die Indien entdecken wollen, finden Amerika. Aber Johann Friedrich Böttger wollte Gold produzieren, scheiterte und erschuf scheiternd das Porzellan. Das gelingende Leben ist eine Fehlersammlung.

Donald Trump konnte gerade den weltberühmten Yosemite-Park nicht aussprechen (richtig: yoh-SEM-i-tee, Trump: yoh-SEMEIT), gibt aber auf gar keinen Fall jemals eine Schwäche zu. Das wäre unmännlich. Nun muss er aushalten, dass New Yorker Juden T-Shirts mit dem coolsten Gruß der Welt tragen, „Yo, Semite“.

Über sich selbst lachen hilft

Sechste Lektion: Lachen wir über uns selbst, das lässt sich lernen.

Als ich noch immer jung war, 22 oder so, erlebte ich ein anderes Volleyballdrama als Radioreporter. Die deutschen Frauen verspielten trotz endlos vieler Matchbälle gegen Rumänien die Olympia-Qualifikation. Ich litt derart mit, dass mir hinterher im Live-Interview der Name meiner Gesprächspartnerin nicht einfiel. Michaela Luckner. Ich sagte nichts, es folgten 20 Sekunden Schweigen auf Radio Charivari. Eines kann ich Ihnen sagen: Im Radio ist das eine Ewigkeit.

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