Der Schauspieler Bruno Ganz. Foto: Tiziana Fabi / AFP
© Tiziana Fabi / AFP

Update Schweizer Schauspieler Bruno Ganz ist tot

Einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schauspieler, der auch in Hollywood Karriere machte: Bruno Ganz ist im Alter von 77 Jahren in Zürich gestorben.

Der Schweizer Schauspieler Bruno Ganz ist tot. sein Management teilte am Samstag mit, dass er in Zürich, wo er 1941 auch geboren wurde, an einem erst im vergangenen Jahr diagnostizierten Darmkrebs gestorben sei. Als Schauspieler war er zunächst ganz ein Theaterstar. Dass er nach dem kurz vorm Abitur abgebrochenen Gymnasium schon während seiner Ausbildung am Zürcher Bühnenstudio erste Filmauftritte hatte, ist längst vergessen. Mit 21 kam er ans Junge Theater Göttingen, und irgendwann hatte Kurt Hübner von ihm gehört. Hübner, später Intendant der West-Berliner Freien Volksbühne, leitete das in den 1960er Jahren ruhmreichste deutsche Schauspiel, das Theater in Bremen. Der Ritterkreuzträger mit hanseatischem Befehlston war auch das erfolgreichste Trüffelschwein der Szene: der Genieentdecker. Also lud er Ganz zum Vorsprechen nach Bremen, weil der Intendant aber gerade eine Grippe hatte, befahl Hübner den scheuen Eleven an sein Krankenbett: „Nun zeigen Sie mal!“ Ganz spielte wohl irgendeinen Schillerjüngling vor, bis Hübner barsch unterbrach: „Um Gottes willen, lassen Sie das! Und raus hier“! Als Ganz schon in der Tür stand, setzte Hübner hinzu: „Sie sind engagiert!“

Sein ultimativer Weltruhmkarrierekick: die Verkörperung Hitlers in "Der Untergang"

Ganz war auf der Bühne und im Film einer der Großen seines Fachs. Von der Kritik in höchsten Tönen gelobt und nach seinen eigenen Worten ein Einschnitt in seinem künstlerischen Wirken war seine Verkörperung des Diktators Adolf Hitler 2004 in „Der Untergang“. Ganz, der einmal ironisch bekannt hat „Jeder von uns schielt irgendwann mal nach Hollywood“ erhielt damit seinen letzten Weltruhmkarrierekick (nach Rollen in der Highsmith-Verfilmung "Der amerikanische Freund" und dem Wenders-Film "Der Himmel über Berlin") ausgerechnet als schlimmster Teutone aller Zeiten: eben als taprig schnarrender Hausherr im Führerbunker. Vordem hätte sich niemand ausmalen können, dass ausgerechnet Ganz der beste Kino-Hitler seit Charlie Chaplins großem Diktator werden würde.

Von Gestalt und Gesicht war er schon jung nie ein Wildling, doch von seinen Anfängen an ein Spieler, der aus dem Inneren, aus dem Unscheinbaren sanft explodieren konnte oder strategisch hochbewusst ausgebrochen ist: in die dunkleren, geheimnisvollen Reiche der Grenzgänger, der Überschreiter und Traumtäter.

Als Sohn eines Schweizer Fabrikarbeiters und einer italienischen Mutter wuchs Ganz in Zürich auf. Schon als Schüler entdeckte er die Bühne für sich. Nach ersten Engagements traf er in Bremen mit Peter Stein einen Regisseur, mit dem er lange zusammenarbeitete. Die von Ganz mitbegründete Berliner Schaubühne wurde in den 1970er Jahren zum Dreh- und Angelpunkt des europäischen Theaterlebens. Dort spielte Ganz unter anderem die Titelrolle in Ibsens „Peer Gynt“ und in „Kleists Traum vom Prinzen Homburg“.

1987 dreht er "Der Himmel über Berlin"

Mitte der 70er Jahre wurde der Film zu seinem Metier. Zu den ersten Filmen zählten die Literaturverfilmung „Die Marquise von O.“ (1976), in der Ganz den Grafen spielte, und Peter Steins Verfilmung der „Sommergäste“. Später folgten Werner Herzogs „Nosferatu“ (1978) und Volker Schlöndorffs „Die Fälschung“ (1981). Unter der Regie von Wim Wenders spielte er 1977 die Hauptrolle in „Der amerikanische Freund“ und drehte 1987 „Der Himmel über Berlin“. 2017 spielte Ganz in „Der Trafikant“ den Psychoanalytiker Sigmund Freud.

Im Sommer 2018 sollte Ganz bei den Salzburger Festspielen den Erzähler in der Mozart-Oper „Die Zauberflöte“ spielen. Dazu kam es nicht mehr. Die Proben musste er auf dringenden ärztlichen Rat abbrechen. Auch im Kammermusiksaal der Philharmonie war ein Konzert mit einer Lesung mit Bruno Ganz angekündigt, die krankheitsbedingt aus dem Dezember 2018 in den Juni verlegt wurde, auf den 14. Juni. Ganz sollte lesen, das Delian Quartett spielen.

Michael Müller: "Ein großer Verlust"

Der Leiter der Berliner Filmfestspiele, Dieter Kosslick, hat an eine „wunderbare Zusammenarbeit“ mit Ganz erinnert. Mit Blick auf blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein über Berlin sagte Kosslick am Samstag während der Berlinale: „Ich habe das Gefühl, dass nichts im Weg sein soll, wenn er auf seinem Weg ist in den 'Himmel über Berlin'.“

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat sich betroffen zum Tod von Ganz geäußert, der in der Hauptstadt in zahlreichen Rollen zu sehen war. „Der Tod von Bruno Ganz ist ein großer Verlust für die deutschsprachige Theater-und Filmwelt. Bruno Ganz gehörte zu den Großen seines Metiers. Er hat zum Ensemble der Schaubühne gehört, und Ganz hat in Berlin unter den großen Regisseuren der Zeit gespielt“, hieß es in einer Erklärung am Samstag in Berlin.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat den verstorbenen Darsteller als einen "der bedeutendsten Schauspieler unserer Zeit" gewürdigt. "Sein fulminantes Werk bleibt", schrieb Maas bei Twitter. "Wir trauern mit der Familie und den Freunden von Bruno Ganz." (Tsp, dpa)

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