Charlotte Prodger, geboren 1974 in Bournemouth Foto: REUTERS/Peter Nicholls
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Schottische Smartphone-Filmemacherin Turner-Preis geht an Charlotte Prodger

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Charlotte Prodger bekommt den wichtigsten britischen Kunstpreis. In ihren teils autobiografischen Filmen geht es unter anderem um queere Identität.

„Charlotte Prodger ist eine britische Künstlerin, die mit Bewegtbildern arbeitet, mit gedruckten Bildern, Skulpturen und Schriftwerk. Ihr Arbeit erkundet Themen rund um queere Identität, Landschaft, Sprache, Technologie und Zeit.“ So steht es auf der Website der Londoner Tate Britain. Am Dienstagabend wurde die 44-Jährige mit dem Turner-Preis geehrt, für ihre Kurzfilme „Bridgit“ und „Stoneymollan Trail“, die sie teilweise mit dem Smartphone gedreht hat. Die mit umgerechnet 28 000 Euro dotierte Auszeichnung gehört zu den wichtigsten Kunstpreisen weltweit. Prodgers Werke zeugten vom „tiefgründigsten Gebrauch eines so nüchternen Geräts wie der iPhone-Kamera, den die Kunst bisher gesehen hat“, sagte der Juryvorsitzende und Direktor der Tate Britain, Alex Farquharson.

Prodger, die im schottischen Glasgow lebt, hat lange mit 16-Millimeter-Film gearbeitet, nicht zuletzt faszinierte sie die durch die Rollen exakt vorgegebene zeitliche Länge eines 16-Millimeter-Films. Bei „Bridgit“ spielte sie bewusst mit der technischen Begrenzung des Smartphones, etwa des Mikrofons, und dessen eigener skulpturaler Qualität. Ein Jahr lang filmte sie die schottische Landschaft und ihre eigene Wohnung, tritt selbst auf und lässt Freunde aus Tagebüchern und Romanen von queeren Autoren lesen. Prodger bedankte sich bei der Verleihung für die öffentliche Förderung, die sie aus Schottland bekam. Sie studierte in London und Glasgow, hatte bisher Einzelausstellungen in New York, London und Düsseldorf.

2017 erstmals schwarze Künstlerin geehrt

Beim Turner-Preis werden immer vier Künstler nominiert. Neben Prodger wurden in diesem Jahr das Kunst- und Recherchekollektiv Forensic Architecture mit Sitz an der Goldsmith University London sowie Naeem Mohaiemen und Luke Willis Thompson vorausgewählt (je 5000 Pfund). Die nach dem Maler William Turner benannte Auszeichnung wird seit 1984 vergeben. 2017 war Lubaina Himid als erste schwarze Künstlerin geehrt worden. Bisher gewannen zwei Deutsche den Turner-Preis, der Fotograf Wolfgang Tillmans im Jahr 2000 und die Malerin Tomma Abts 2006. Tsp/dpa

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