Kunstsammler Axel und Barbara Haubrok in der ehemaligen Kantine der Fahrbereitschaft. Foto: imago images / Charles Yunck
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Sammlung Haubrok Happy End in Lichtenberg

Nach einem langen Hick-Hack mit dem Bezirk: das Kunstsammlerpaar Axel und Barbara Haubrok darf wieder auf seinem Gelände ausstellen.

Endlich grünes Licht. Zumindest gibt es eine Absichtserklärung, einen Brief, einen „Letter of Intent“. Das Schriftstück wurde am Dienstag im Rahmen eines Pressetermins von Kunstsammler Axel Haubrok, Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst und Bezirksstadtrat Kevin Hönicke vor Publikum feierlich unterschrieben.

Die Politiker und der Sammler haben sich darauf verständigt, die „Fahrbereitschaft“ im Gewerbegebiet in der Herzbergstraße „gemeinsam positiv zu entwickeln“. Konkret bedeutet das zunächst: Ausstellungen und Veranstaltungen sind auf dem 20 000 Quadratmeter großen Gelände, auf dem die DDR-Regierung einst ihren Fuhrpark betrieb, und das Axel und Barbara Haubrok vor acht Jahren kauften, ab sofort wieder möglich.

Genau dies war, zum Ärger des Sammlers und der Künstler und Kunsthandwerker, die auf dem Gelände Ateliers gemietet haben, nämlich in den letzten zwei Jahren untersagt.

Die ehemalige Baustadträtin Lichtenbergs vertrat eine harte Linie

Lichtenbergs Baustadträtin Birgit Monteiro, die im März ihr Amt niederlegte, berief sich stets auf den Schutz der an der Herzbergstraße ansässigen Gewerbetreibenden. Sie wollte „einen der letzten innerstädtischen Produktionsstandorte“ um jeden Preis bewahren. Der Gentrifizierung erst gar kein Tor öffnen.

Ein legitimer Gedanke, dennoch stand sie bald alleine da. Bürgermeister, Stadträte, Senat, benachbarte Atelierhäuser – alle befürworteten Haubroks Ausstellungstätigkeit. Die Situation war grotesk.

Haubrok durfte selbst zu Großveranstaltungen wie Gallery Weekend und Art Week keine Veranstaltungen machen; 2019 zeigte er seine Kunst deshalb im Staatlichen Museum für Kunst und Design in Nürnberg, das ihm eine schöne Ausstellung ausrichtete.

Zur Art Week eröffnete er in diesem Jahr mit Sohn Konstantin einen neuen Raum in einem der ehemaligen Wohnpaläste am Strausberger Platz. Zwischendurch drohte er damit, Berlin zu verlassen, wie es auch die Videokunstsammlerin Julia Stoschek jüngst tat und Thomas Olbricht, der seinen Me Collectors Room in Berlin auflöste.

Nun scheint sich der Konflikt um Haubrok dem Ende zuzuneigen. Die schriftliche Absichtserklärung von Bürgermeister Grunst und Monteiros Nachfolger Kevin Hönicke zählt zwar juristisch nicht viel, soll Haubrok aber die Sicherheit geben, dass er sich auf seinem Gelände entwickeln darf.

Haubrok darf wahrscheinlich sein geplantes Atelierhaus bauen

Auch bauen wird er wohl dürfen, der Bezirk will seinen Antrag „ergebnisorientiert weiterbearbeiten“, so steht es im Brief. Seit Jahren bemüht sich Haubrok um eine Baugenehmigung. Auf dem vorderen, straßennahen Stück seines Areals wollte er eine Kunsthalle bauen, mittlerweile nur noch ein „Atelierhaus mit Büros“.

Der Rahmenplan, der beim letzten Runden Tisch zur Fahrbereitschaft vor zwei Jahren diskutiert wurde, enthält eigentlich bereits alles, was jetzt auch vereinbart wird: der hohe Gewerbeanteil auf dem Hof soll erhalten werden, in einem definierten Gebiet sollen Ausstellungen möglich sein.

Was ist also seitdem passiert? „Das Thema Kunst und Kultur sei in der Stadtentwicklungsplanung zu wenig vorgekommen“, sagt Bürgermeister Grunst. Er sehe das als Thema für ganz Berlin. In Lichtenberg wolle man jedenfalls versuchen, Räume für die Kultur zu schaffen und zu bewahren.

Ein einheitlicher Nutzungsplan für das ganze Gewerbegebiet an der Herzbergstraße ist wegen der wilden Durchmischung des Areals keine Option. In mühseliger Kleinarbeit wurden die verschiedenen Gelände samt der aktuellen Nutzer vom riesigen Asiamarkt Dong Xuan Center bis zur Werkstatt auf Ist-Zustand und Potenzial hin geprüft. In den folgenden Jahren sollen passgenaue Bebauungspläne erarbeitet werden.

Dass bei Haubrok die Erlösung jetzt durch einen „Letter of Intent“ kommt, passt nur zu gut. Denn auch die ephemere Konzeptkunst, die er sammelt, besteht oft nur aus Postkarten, Postern - und Briefen.

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