Rudolf Thome am Teich. Foto: Luzid Film
© Luzid Film

"Rudolf Thome - Überall Blumen" Ein Hinterbliebener seiner selbst

Iris Berben, Uschi Obermaier, Bruno Ganz : Rudolf Thome hat mit ihnen allen gedreht. 28 Filme. "Überall Blumen" soll der 29. heißen, und während Thome auf diesen hofft, beobachtet ihn Serpil Turhan und macht einen Film darüber.

Die Pariser Filmzeitschrift "Cahiers du cinéma" nannte ihn einmal "den wichtigsten unbekannten deutschen Regisseur". Was ist das? Ein Beleidungskompliment? Und wie darauf antworten?

Er hat mit Iris Berben, mit Uschi Obermaier, mit Hanns Zischler, Bruno Ganz ..., aber lassen wir das. 28 Filme! Der 29. sollte "Überall Blumen" heißen, und während der Regisseur auf diesen 29. hofft, an ihm zweifelt, wieder hofft, noch mehr hofft, Finanzierungsmodelle aufstellt, beobachtet ihn Serpil Turhan.

Serpil Turhans Kamera entgeht nichts

Es scheint unter den deutschen Regisseuren bedenklich fortgeschrittenen Alters eine Tendenz zur Alleinexistenz auf großen Bauernhöfen zu geben, Nebenberuf: Blogger, täglich. So versucht Hans-Jürgen Syberberg den Gutshof seiner Kindheit bei Demmin originalgetreu wiederzuerfinden, und Thome bewirtschaftet seinen Drei- oder Vierseithof in Brandenburg. Im März gräbt er Schneeglöckchen im Wald aus und pflanzt sie neben seinen künstlichen Teich. Serpil Turhans Kamera entgeht nichts. Auch nicht die Scheune mit den alten Filmrollen, sogar den Filmklappen, sorgfältig beschriftet, eine neue für jedes neue Werk.

Es gibt einfachere Existenzformen

Zu Lebzeiten ein Hinterbliebener dessen zu sein, der man einmal war. Erfahren, dass niemand ein Interesse an einem neuen Rudolf Thome-Film hat, vor allem nicht Degeto. Es gibt einfachere Existenzformen. "Überall Blumen" ist ein berührendes Dokument des Standhaltens gegenüber sich selbst und dem unbarmherzigsten Regisseur, der uns alle richtet: der Zeit.

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