Donald Trump bei einem Treffen mit dem Rapper Kanye West. Foto: AFP/Timothy A Clary
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Prozess gegen ASAP Rocky Donald Trump, Anwalt der Promis

Donald Trumps rassistische Ausfälle häufen sich, gleichzeitig engagiert er sich für den den Rapper ASAP Rocky. Dahinter steckt politisches Kalkül.

„Der Druck steigt,“ twitterte der US- Botschafter in Berlin, Richard Grenell, am Dienstag, nachdem Donald Trump den hochrangigen Diplomaten Robert O’Brien nach Stockholm entsandt hatte. O’Brien soll den Prozess gegen den Rapper ASAP Rocky verfolgen, der mit zwei Mitgliedern seiner Crew wegen eines tätlichen Angriffs nach einem Auftritt Ende Juni von der schwedischen Justiz festgehalten worden war. Der Prozess läuft seit Dienstag, ein Urteil wird frühestens am Freitag erwartet. Kritiker in den USA beobachten das Polit-Theater, das der Präsident im Fall „ASAP Rocky“, bürgerlich Rakim Mayers, veranstaltet, mit Skepsis. Gewöhnlich schickt die US-Regierung keine Diplomaten ins Ausland, um die Justiz anderer demokratischer Staaten zu kontrollieren. Diese Praxis gilt nur bei totalitären Regimes wie dem Iran.

Die deutliche Reaktion in Richtung Schweden, die Trump mit einer Reihe von Tweets bekräftigte, könnte allerdings auch darauf schließen lassen, dass der Präsident nur den Druck weitergibt, dem er selbst zu Hause gerade ausgesetzt ist. Oder noch wahrscheinlicher: dass Trump sich – über ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl – bereits im Kampfmodus befindet. Mitte Juli beleidigte er auf Twitter vier demokratische Kongressabgeordnete, alle women of color, die seine Politik kritisiert hatten: Sie sollten dahin zurückkehren, wo sie herkämen. Anfang der Woche ging er dann den afroamerikanischen Senator Elijah Cummings aus Baltimore an, in dessen „von Ratten befallenem“ Wahldistrikt, „kein menschliches Wesen“ leben wolle.

Rassistische Ausfälle gehören unter Donald Trump fast schon zur Normalität im Politbetrieb, doch sein Timing ist auffällig: Mitten im demokratischen Vorwahlkampf mit einem vielversprechenden diversen Teilnehmerfeld um die Kandidatinnen Kamala Harris, Cory Booker und Julián Castro spielt der Präsident plötzlich die „Rassismuskarte“.

Dass Trump anderen Rassismus vorwirft, ist zynisch

Dem „Celebrity-Präsidenten“ kommt der Prozess gegen ASAP Rocky daher gelegen. Trump hatte den Namen des Rappers bis dahin nach eigenem Bekunden nie gehört, aber der ist immerhin ein guter Freund des Hip-Hop-Musikers Kanye West, einem der wenigen prominenten Afroamerikaner, die sich öffentlich zu Trump bekennen. Diese Allianz hat in Amerika im vergangenen Jahr schon für Verwunderung gesorgt. Tatsächlich profitieren beide Seiten von ihr. Der latent größenwahnsinnige West bekommt eine direkte Leitung ins Weiße Haus: Seine Frau Kim Kardashian nutze diese dann auch prompt, um mit dem Präsidenten die Begnadigung einer inhaftierten Afroamerikanerin auszuhandeln, die wegen eines minderen Drogendelikts zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Dank West konnte Trump in Richtung Ministerpräsident Stefan Löfven twittern, dass „Schweden die afroamerikanische Community enttäuscht“ habe, nachdem sein Versuch, die Regierung einzuschalten, ignoriert worden war.

Schachfigur. ASAP Rocky wird momentan in Schweden festgehalten. Foto: AFP / Angela Weiss Vergrößern
Schachfigur. ASAP Rocky wird momentan in Schweden festgehalten. © AFP / Angela Weiss

Dass ausgerechnet Trump der schwedischen Regierung Rassismus vorwirft – unter anderem weil Rakim Mayers drei Wochen in Haft auf seine Anklage warten musste –, ist an Zynismus kaum zu überbieten. Der Rapper beteuerte vor Gericht wiederholt seine Unschuld. Das Handyvideo einer Passantin legt zumindest nahe, dass ASAP Rocky und seine Entourage alles getan haben, um die Situation auf offener Straße zu deeskalieren.

Die Allianz mit dem Pop hat Strategie

Trumps Vorwurf ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Seit dem Rechtsruck in Schweden häufen sich die Fälle von Polizeigewalt gegen Migranten und people of color, wie eine Studie der Organisation Civil Rights Defenders im vergangenen Jahr ergab. Auch die ehemals liberale Hochburg hat mit Rassismus und Waffengewalt große Probleme. Die Zahl der Schusswaffenopfer nimmt zu, die Polizei reagiert mit drastischen Maßnahmen. Ins Visier geraten immer wieder Minderheiten. Der weiße US-Rapper G-Eazy sekundierte vor einigen Tagen auf Instagram, dass er 2018 in Schweden nach einer Festnahme wegen Drogenbesitz und dem tätlichen Angriff auf einen Polizisten nach nur zwei Tagen wieder aus der Haft entlassen worden war. Inzwischen hat sich unter dem Hashtag #freerocky eine kleine Bewegung versammelt, zu der auch Justin Bieber, Nicki Minaj und Snoop Dogg gehören.

Amerikanische Polit-Comedians witzeln zwar, Trump glaube, es handele sich dabei um den Boxer Rocky Balboa. Aber man darf den Präsidenten auch nicht unterschätzen, der Schulterschluss mit dem Pop folgt einer konfusen Strategie. Solange er sich medienwirksam für ASAP Rocky engagiert, kann er es sich erlauben, seine politischen Gegner rassistisch zu beschimpfen. Es ist eine perfide Salamitaktik, die ihm weitere Aufmerksamkeit sichert, während die demokratischen Kandidaten in den Fernsehduellen seinen Namen tunlichst vermeiden. Trump ist, wie alle republikanischen Präsidenten, nicht unbedingt popaffin. Aber er hat am besten die Aufmerksamkeitsökonomie des Pop 2.0 verstanden: Es gewinnt der mit den höchsten Klickraten.

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