2014 hat sich der Verein Pro Quote Film gegründet. Foto: picture alliance/dpa/Benrd Settnik
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Pro Quote Film organisiert „Quotenkongress“ Einsatz für Gleichberechtigung in allen Bereichen

Von Medien über Film bis Medizin, Bühne und Kunst: Die Pro Quote Vereine Deutschlands sind zum bisher größten gemeinsamen Kongress zusammengekommen.

Bettina Schoeller-Bouju kam nicht mehr weiter. Nach ihrem Filmstudium war sie Regieassistentin, führte anschließend sieben Jahre Regie bei einer Daily Soap – dann blieben die Jobs plötzlich aus. Wie ihr ging es damals vielen Kolleginnen: 2013 sind nur elf Prozent aller Sendeminuten im deutschen Fernsehen unter weiblicher Regie entstanden.

Gemeinsam mit anderen Regisseurinnen gründete sie 2014 den Verein Pro Quote Regie, um für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen. Während einer Podiumsdiskussion erfuhr sie ein Jahr später, dass das „Großstadtrevier“ eine weibliche Regisseurin suche. Schoeller-Bouju bewarb sich und bekam den Job. „Ohne Pro Quote wäre das nicht möglich gewesen“, sagt sie. „Ich habe mir meine Arbeit politisch selbst erkämpft.“

Eine Initiative inspiriert die andere

Schoeller-Bouju erzählt ihre Geschichte via Zoom, im Rahmen des „Quotenkongresses“. Es ist der bisher größte Kongress aller Pro Quote-Bewegungen und demonstriert eindrucksvoll, wie eine Initiative die andere inspirieren kann. Den Anfang machte 2012 Pro Quote Medien, es folgten Medizin, Regie – die sich später in Pro Quote Film umbenannte und den Kongress organisierte – und Bühne. Vertreterinnen aller Initiativen sind dabei und erzählen.

Dann spricht die Künstlerin Ute Weiss Leder, die gemeinsam mit Kolleginnen daran arbeitet, auch für den Bereich der bildenden Kunst einen Pro Quote-Verein zu gründen. Sie beschreibt, wie sich die miserable Künstlerinnenquote in deutschen Museen – in den vergangenen 20 Jahren waren 80 Prozent der Einzelausstellungen in den wichtigen deutschen Museen männlichen Künstlern gewidmet – auf den immer härter umkämpften Kunstmarkt auswirkt. „Wir können nicht länger warten“, appelliert sie. „Männer entscheiden darüber, was einen Wert hat. Das müssen wir brechen.“

Druck auf die neue Regierung ausüben.

Die Vereine aus den unterschiedlichen Bereichen haben ähnliche Forderungen. Pro Quote Film etwa fordert unter anderem eine paritätische Besetzung der Vergabegremien und Rundfunkräte sowie eine Frauenquote von 50 Prozent bei der Vergabe öffentlicher Aufträge und Fördermittel, Pro Quote Medizin setzt sich für Parität in klinischen Führungspositionen ein.

„Da ist die Macht und das Geld“, sagt Gründungsmitglied Gabriele Kaczmarczyk. Darüber, dass es feste staatliche Vorgaben geben muss, sind sich alle Beteiligten einig. Sie wollen auf dem Kongress ihre Forderungen sammeln und Druck auf die neue Regierung ausüben.

Kontroversen beim Thema Diversität

Unstimmigkeiten gibt es beim Thema Diversität. Pro Quote Film fordert neben der Parität auch eine Diversitätsquote von 30 Prozent – gemeint sind etwa queere Filmschaffende oder solche mit Migrationsgeschichte oder Behinderung. Schauspielerin Benita Bailey, die im Netzwerk Schwarze Filmschaffende aktiv ist, merkt zu Beginn an, dass diese Quote auf dem Kongress selbst nicht erfüllt ist. „Ich wünsche mir, dass wir grundsätzlich inklusiver werden“, sagt sie.

So sieht es auch Jules Elting, Schauspieler:in und nicht-binäre Person. Es gehe darum, Ungerechtigkeit generell abzuschaffen: „Wir wollen nicht die gleichen Fehler machen und selbst andere unterdrücken.“ Andere Teilnehmerinnen befürchten, dass die Forderung nach mehr Frauen in Führungspositionen durch das Thema Diversität verwässert werden könnte.

Durch den Quotenkongress ziehen sich also ähnliche Trennlinien wie durch den Rest des gesellschaftlichen Diskurses. Nichtsdestotrotz hat die Beharrlichkeit und der Druck der Vereine bereits eine Menge bewirkt. Aus den elf Prozent Sendeanteil für Regisseurinnen von 2013 etwa sind inzwischen um die 20 Prozent geworden. Tendenz steigend.

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