In Kölns Philharmonie wird wieder musiziert, für 100 Zuhörer. Hier ein Bild aus Vor-Corona-Tagen. Foto: picture alliance / dpa
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Neustart des Kulturlebens Wo sich die Vorhänge öffnen

In einigen Bundesländern ist Live-Kultur in geschlossenen Räumen wieder erlaubt, in anderen nicht Berlins Kultursenator ist besonders vorsichtig.

Wenn es um die Wiederaufnahme des Spielbetriebs von Theatern, Opernhäusern und Konzertsälen geht, zerfällt Deutschland derzeit in viele Einzelteile. Einige Bundesländer erlauben Live- Aufführungen in geschlossenen Räumen, andere nicht. Die Haltung von Berlins Kultursenator Klaus Lederer ist besonders strikt: Bis zum 31. Juli gilt der Lockdown für die hauptstädtischen Bühnen und Musikorte. Im Rahmen der jüngsten Lockerungen des Senats finden sich lediglich Regelungen für religiöse Veranstaltungen, die ab dem 16. Juni wieder „ohne Beschränkungen“ durchgeführt werden können, sowie zu Kinos, die ab 2. Juli wieder Filme zeigen werden.

Lediglich Open-Air-Ereignisse sollen auch im Bereich der darstellenden Kunst sowie der Musik wieder möglich sein, ab dem 16. Juni mit bis zu 200 Personen, ab dem 30. Juni dann mit bis zu 1000 Personen, jeweils unter Berücksichtigung der Abstands- und Hygieneregeln.

In Köln dagegen ist das Gürzenich Orchester bereits am Sonntag wieder vor Publikum in der dortigen Philharmonie aufgetreten. Unter der Leitung von Chefdirigent Francois-Xavier Roth spielten 24 Mitglieder des Orchesters Werke von Mozart und Bartok. Einen Tag nachdem in Nordrhein-Westfalen Klassikkonzerte wieder möglich waren, setzte das Orchester damit ein akustisches Ausrufezeichen. Zugelassen waren im Saal allerdings nur 100 Zuschauer.

Weitere Häuser werden folgen, ins Bochumer Musikforum dürfen 227 Personen, losgehen soll es dort am Mittwoch. Am 7. Juni gastiert dann das Berliner Konzerthausorchester im Konzerthaus Dortmund. Zuhause am Gendarmenmarkt dürfen die Musikerinnen und Musiker nicht spielen, in Dortmund können sie am Sonntag bis zu 400 Zuhörern Freude bereiten.

Bundesweit öffnen!, fordert die Musikergewerkschaft

Ab 9. Juni wird es in der Philharmonie Essen wieder Livekultur geben, unter anderem mit dem Geiger Daniel Hope und der Flötistin Dorothee Oberlinger. Außerdem wird das Aalto-Ballett mit einem eigenen Beitrag vertreten sein.

„Unsere Mitglieder wollen wieder auf die Bühne“, sagte Gerald Mertens, der Geschäftsführer der Musikergewerkschaft DOV. Mit einer Lichtkunstaktion, bei der das abgewandelte Nietzsche-Zitat „Ohne LIVE Musik wäre das Leben ein Irrtum“ aufs Reichstagsgebäude und das Bundeskanzleramt projiziert wurde, unterstrich die DOV ihre Forderung nach einer bundesweiten Wiederaufnahme des Konzertbetriebs. „Natürlich hat der Gesundheitsschutz Priorität. Wir brauchen aber noch mehr Augenmaß“, sagte Mertens. Es könne nicht angehen, dass in Flugzeugen alle Plätze besetzt werden dürften, Konzertsäle aber nur zu 30 Prozent.

Von Liederabenden bis Sinfoniekonzerten

Neben Nordrhein-Westfalen erlauben auch Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie Thüringen und Baden-Württemberg wieder Aktivitäten der Bühnen und Orchester. Rund 30 Konzerte kündigte beispielsweise das Staatsorchester Stuttgart bis zur Sommerpause an, Generalmusikdirektor Cornelius Meister wird einen Beethoven-Zyklus mit den Sinfonien 1 bis 8 dirigieren. Die Oper Frankfurt hat für die kommenden Wochen Liederabende und Kammermusik sowie Sinfoniekonzerte angekündigt.

Auch in Sachsen heben sich die Vorhänge wieder: Das Staatsschauspiel Dresden öffnet am 10. Juni seine Türen für ein Projekt, bei dem Christa Wolfs „Medea“- Roman aufs Theater übertragen wird. Die Landesbühnen Sachsen in Radebeul beginnen ihre „Corona-Saison“ am 7. Juni mit einem Opern- und Operettenkonzert unter dem Titel „Freunde, das Leben ist lebenswert“.

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