Philantrhropisches Selbstverständnis. Monika Schoeller vor einem Jahre bei der Maecenas-Ehrung des Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute. Foto: picture alliance / Bernd Kammere
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Nachruf Monika Schoeller Prinzipalin im Hintergrund

Guter Geist: Monika Schoeller, die langjährige Verlegerin des S. Fischer Verlags, ist tot.

Für eine Frau, die über ein Vierteljahrhundert lang die operativen Geschäfte eines maßgeblichen deutschen Verlagshauses bestimmte, war sie von seltener Zurückhaltung.

Monika Schoeller, die 1974 im Alter von 34 Jahren die Geschicke des Frankfurter S. Fischer Verlags von ihrem Vater Georg von Holtzbrinck übernahm, war immer die Geburtshelferin im Hintergrund: leise, fast schweigsam im Umgang, doch entschieden in der Sache und von aufrichtigem, herzlichem Interesse für alles, was ihr begegnete – seien es Menschen oder Bücher.

Ihre erste verlegerische Großtat waren 1978 die tausend Seiten von Doris Lessings Roman „Das Goldene Notizbuch“.

Ein vollständiges zweites Vierteljahrhundert blieb ihr nach dem Wechsel in den Vorstand der Geschäftsleitung 2002 nicht mehr vergönnt. Aber als diejenige, die den damals 36-jährigen Jörg Bong als Programmgeschäftsführer installierte, blieb sie ihrer Rolle so treu wie ihrem philanthropischen Selbstverständnis.

Durch den Neuanfang stieß sie nicht nur das Tor zur jüngsten deutschen Literatur auf, sie hielt auch weiterhin die Hand über kostspielige Editionen. Gewagtes finanzierte sie zur Not aus dem eigenen Millionenerbe mit.

Die kommentierte Thomas-Mann-Ausgabe, die kritische, noch unabgeschlossene Kafka-Edition, Virginia Woolfs Gesammelte Werke, herausgegeben von Klaus Reichert, oder die ökonomisch selbstmörderischen 17 Bände von Hubert Fichtes „Geschichte der Empfindlichkeit“: An all diesen Projekten, die Verlagstraditionen teils fortführten, teils begründeten, hatte sie entscheidenden Anteil.

Privates Geld in fremdem Namen

Zugleich verteidigte sie vehement, dass sie sich 1999 die Unternehmensberatung McKinsey ins Haus geholt hatte. Ein Schritt, der einerseits in die Jahre gekommene Strukturen infrage stellte, aber vonseiten der Berater auch viele literaturfremde Vorstellungen zutage förderte, die es einzuhegen galt.

Den Namen von Holtzbrinck hatte die studierte Germanistin und Kunsthistorikerin 1968 nach der Heirat mit dem Literaturwissenschaftler Bernd Schoeller abgelegt. Ihrem Bruder Dieter, dem Verleger dieser Zeitung, und dem Halbbruder Stefan blieb sie als Gesellschafterin der Stuttgarter Holtzbrinck Publishing Group stets verbunden.

Wie wenig sie selbst sich bei alledem in den Mittelpunkt rückte, zeigt schon, dass sie ihre 2003 gegründete Privatstiftung S. Fischer Stiftung nannte. Auch das fünf Jahre später entstandene Netzwerk Traduki, das sich vor allem um die Vermittlung südosteuropäischer Literatur kümmert, geht auf ihre Initiative zurück.

Schoellers Freundin, die vor zwei Jahren verstorbene Schriftstellerin Silvia Bovenschen, bescheinigte ihr einmal, ihr gebühre „Ehre durch Ruhmvermeidung“. Wenn sie dem Ruhm entging, so doch nicht der öffentlichen Ehre: Neben vielen anderen Auszeichnungen wurden diesem guten Geist aus der Frankfurter Hedderichstraße das Bundesverdienstkreuzes und die Frankfurter Goethe-Plakette verliehen.

Am vergangenen Freitag ist sie, wie erst jetzt bekannt wurde, nach kurzer schwerer Krankheit einen Monat nach ihrem 80. Geburtstag in Filderstadt bei Stuttgart gestorben.

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