Dusty Hill Foto: Imago
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Nachruf auf Dusty Hill Blues und Bart

Christian Schröder

Ein halbes Jahrhundert prägte Dusty Hill mit seinem Bass den Sound von ZZ Top. Jetzt ist er mit 72 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Tush“ ist ein zweideutiges Wort. Der Slangbegriff steht für a) das menschliche Gesäß und b) eine Form von Luxus. „Tush“, ein knochentrocken vorwärtsdrängender Boogierocksong, war 1975 der erste Top-20-Hit von ZZ Top. Gesungen hat ihn Dusty Hill, der hauptamtliche Bassist der Band. „I ain’t askin’ for much“, barmt er mit rauer Stimme. „I said, Lord, take me downtown / I’m just lookin’ for some tush.“ Es ist nicht viel, was dieser Mann sich wünscht vom Herrgott. Nur in der Innenstadt zu sein, um dort etwas Außergewöhnliches zu erleben. Entstanden ist die Zwiesprache mit dem Allmächtigen, so Hill, während eines zehnminütigen Soundchecks.

Beweis der Bodenständigkeit

Ein blasphemischer Blues? Eher ein Beweis der Bodenständigkeit. ZZ Top stammen aus Texas, einem gottesfürchtigen Bundesstaat. In „Jesus Just Left Chicago“ beschreibt die Gruppe, wie der Gottessohn von Chicago aus in Richtung Süden aufbricht, in den Mississippi springt und dabei „Muddy Water“, schlammiges Wasser in Wein verwandelt. Das Stück erschien 1973 auf „Tres Hombres“, dem vielleicht besten Album des Rock- Trios, das auch den Klassiker „La Grange“ enthält.

Gegründet worden war ZZ Top 1969 in Houston vom Gitarristen und Leadsänger Billy Gibbons. Joseph Michael „Dusty“ Hill, der 1949 in Dallas geboren wurde, kam kurz danach in die Band, zusammen mit Schlagzeuger Frank Beard. Die beiden hatten in mehreren Garagenrockbands gespielt, die letzte hieß programmatisch American Blues.

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„Du musst wissen, was du willst und das auch eiskalt durchziehen. Ansonsten hast du keine Chance“, hat Dusty Hill gesagt. ZZ Top nutzten ihre Chance. Sie haben mehr als 50 Millionen Tonträger verkauft, von denen 14 Millionen allein auf ihr Album „Eliminator“ entfallen. Ihre Erfolgsformel: strikter Minimalismus. ZZ-Top-Songs beruhen auf dem Bluesschema, sie rumpeln und rollen in höchster Präzision. Manchmal faucht ein kurzes Gitarrensolo dazwischen, manchmal heult eine Mundharmonika auf, gelegentlich wird die Grenze vom Texas Blues zum Hardrock überschritten.

Konzerte ähnelten Comedy-Shows

Und dann natürlich die Bärte von Dusty Hill und Billy Gibbons: sehr lang, sehr prachtvoll, würdenvoll ergraut. Sie waren das Markenzeichen der Band, zusammen mit den Sonnenbrillen und Hüten der beiden Frontmänner. Ihre Konzerte hatten etwas von einer Comedy-Show. ZZ Top spielten mit im Kinofilm „Zurück in die Zukunft III“, Hill hatte Auftritte in den Serien „Deadwood“ und als Zeichentrickfigur in „King of the Hill“. Über seinen Bart befand er: „Ich habe keine Ahnung, wie ich darunter aussehe – und will es auch gar nicht wissen.“
Am Mittwoch ist Dusty Hill auf seiner Ranch in Houston gestorben. Er wurde 72 Jahre alt.

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