John Eliot Gardiner und das Orchestre Revolutionnaire et Romantique werden in Berlin erwartet. Foto: Chris Chistodoulou
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Musikfest Berlin 2022 Endlich wieder Klangrausch

Viele große Orchester aus den USA und Europa werden beim "Musikfest Berlin 2022" dabei sein - und opulent besetzte Werke spielen.

Der Blick ins soeben veröffentlichte Programm des „Musikfest Berlin 2022“ löst Glücksgefühle aus. Denn da stehen sie alle - wie vor der Pandemie gewohnt -, die illustren Namen aus Übersee und Europa: Die klassischen Lieferketten funktionieren also wieder, wenn vom 27. August bis 19. September der hauptstädtische Saisonstart gefeiert wird.

Dann sind Spitzenformationen aus den USA dabei – das Philadelphia Orchestra kommt mit Yannick Nézet-Séguin, das Cleveland Orchestra mit Franz Welser-Möst – und die besten Ensembles aus den Nachbarländern, das London Symphony Orchestra mit Simon Rattle, das Orchestra di Santa Cecilia aus Rom mit Antonio Pappano, das Collegium Vocale Gent, das Orchestre revolutionnaire et romantique.

Es werden viele Sinfonien von Gustav Mahler erklingen

Gleich doppelt werden die Niederländer vertreten sein, mit zwei aufregenden jungen Maestri: Lahav Shani dirigiert das Rotterdam Philharmomisch Orkest, Klaus Mäkelä das Concertgebouw. Viele Sinfonien von Gustav Mahler werden zu hören sein, und jede soll eine Feier werden - der Rückkehr zur ganz großen Besetzung und zum Klangrausch.

Wobei Winrich Hopp, dem künstlerischen Leiter des „Musikfest“, natürlich auch jene Werke ganz wichtig sind, die jeweils programmatische Kontrapunkte bilden: die 2. Sinfonie von Willem Piper aus dem Jahr 1921 beispielsweise, Kaija Sariaahos „Orion“ von 2002 oder auch „Ais“ für Bariton, Schlagzeug und Orchester von Iannis Xenakis.

Von Florence Price wird die 1. Sinfonie beim "Musikfest" ausgeführt. Foto: Berliner Festspiele Vergrößern
Von Florence Price wird die 1. Sinfonie beim "Musikfest" ausgeführt. © Berliner Festspiele

Neben den wichtigsten Berliner Orchestern und Chören, allen voran den Philharmonikern, kann Hopp auch das Leipziger Gewandhausorchester mit seinem Chef Andris Nelsons ankündigen sowie das Ensemble Modern. Nur Daniel Barenboim hat diesmal keine Zeit – weil er ganz vom „Ring des Nibelungen“ beansprucht wird, den er Anfang Oktober in einem Rutsch an der Staatsoper herausbringen will.

Überraschende Gegenüberstellungen sind eine Spezialität des Programmmachers Winrich Hopp: Zu ihrem jeweils 100. Geburtstag würdigt er diesmal den Neue-Musik-Avantgardisten Xenakis wie auch den Jazzer Charles Mingus, dessen abendfüllendes „Epitaph“ die Big Band der Deutschen Oper aufführt.

Ein spannendes Gastspiel kommt aus Korea

Ungefähr zur gleichen Zeit entstanden sind vor 600 Jahren - in ganz unterschiedlichen Kulturkreisen – die europäische gregorianische Chormusik für die sieben täglichen Stundegebete im Kloster, die jetzt in der Kirche am Hohenzollernplatz zelebriert werden, und die koreanische Ahnen-Schrein-Musik „Jingmyo Jere-ak“, die das National Gugak Center bei seinem Berlin-Gastspiel präsentiert.

Überhaupt liegt ein thematischer Schwerpunkt diesmal auf der Sakralmusik: Philippe Herreweghe dirigiert Monteverdis „Marienvesper“, John Eliot Gardiner die „Missa Solemnis“ von Beethoven, der Rias Kammerchor widmet sich „Poetischen Psalmen“.

Frauen sind gut im Programm vertreten, zwar nicht am Pult, wohl aber als Solistinnen – Magdalena Kozena gibt einen Liederabend, Lisa Batiashvili spielt Szymanowskis Violinkonzert  – und als Komponistinnen: Von Liza Lim, derzeit Fellow am Berliner Wissenschaftskolleg, gibt es zwei Berliner Erstaufführungen, von Sofia Gubaidulina erklingt „Der Zorn Gottes“ – und die Gäste aus Philadelphia bringen die 1. Sinfonie von Florence Price mit, die auf faszinierende Weise Dvoraks romantischen Tonfall mit Gospeltraditionen kombiniert. Es war 1932 das erste große Orchesterwerk einer Afroamerikanerin, das in den USA uraufgeführt wurde.

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