Raum für Zeit. Der Festivalsaal. Foto: dpa/Maurizio Gambarini
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Musik in der Kulturbrauerei Klaus Lederer eröffnet das Pop-Kultur-Festival

Wichtige Themen und besondere Acts: Das Pop-Kultur-Festival ist eine Klasse für sich. Eindrücke von der Eröffnung mit Klaus Lederer.

Er sieht wieder gut aus, der Bühnenhintergrund des Soda Clubs an diesem sonnig-warmen Mittwochabend, an dem das Pop-Kultur-Festival auf dem Gelände der Kulturbrauerei zum fünften Mal eröffnet wird. The space is the place, um es mit dem afrofuturistischen Musiker Sun Ra zu sagen: „Space“ ist das Motto des Festivals 2019.

Die Plakate auf der Bühne gemahnen an die Weltraumvorstellungen aus 70er-Jahre-Filmen, an Plattencover von Monster Magnet oder Hawkwind, aber auf ihnen stehen die Namen prominenter Acts wie Goldene Zitronen, oder Anna Calvi. Das Motto weist auch auf den kulturellen Raum hin, der im immer attraktiver, größer, teurer werdenden Berlin klein geworden ist, gerade im Vergleich mit den goldenen 90ern, die seinen Ruf als kreativen Hotspot erst begründeten.

Es ist eins der ureigenen Anliegen von Kultursenator Lederer, diese Räume zu schaffen oder wenigstens zu erhalten. So bemüht er in seiner Eröffnungsrede mit Freuden die Metapher, dass das Festival selbst einen Raum öffne für bestimmte Themen wie Inklusion im Pop, Gendergerechtigkeit und Queerness, es da eine Vorbildfunktion habe, vom Barrierenabbau bis zur konsequenten Förderung von Künstlerinnen. Man habe es aber auch wieder konkret mit dem Schutz von Räumen zu tun, so Lederer, wie zuletzt mit dem Rockhaus in Lichtenberg, einem Probegebäude für fast 1000 Musiker.

Alle sollten an einem Strang ziehen

Da schaltete sich der Senat erfolgreich ein, nachdem die Musiker rausgeworfen werden sollten, und beteiligt sich nun an den Mietkosten: „Wenn das Haus in privater Hand ist, die Zwischenmieter privat sind und die Mieter privat, hast du kaum Hebel, wenn der Eigentümer sich entschließt, ein Hotel oder ein Bürohaus draus zu machen. Es ist ein Glücksfall, dass es uns gelungen ist, das Rockhaus zu erhalten. Man braucht aber mehr als nur Glück, sondern Strategien, zum Beispiel dass wir alle an einem Strang ziehen.“

So klopft Lederer sich auf die Schulter, spricht davon „stolz zu sein“ auf das, was das Festival erreicht hat, nämlich mit einem anspruchsvollen Programm selbstbewusst ins fünfte Jahr zu gehen, und hält sonst seine Lederer-Rede oder besser: liest sie in großen Teilen nicht besonders gut ab. Lederer schließt damit, wie „toll“ man im Senat finde, „was ihr macht, weiter so“ – um am Ende doch nicht ganz so klares Wasser in den Aperol Sprizz zu gießen, den es draußen gibt.

Förderung ist ausgelaufen

Die drei Jahre sind um, die das Festival mit 500 000 Euro vom Bund gefördert wurde, insbesondere die Reihe Commissioned Works. Zuschüsse für die Berliner Kultur seien von Bundesebene schon gestrichen worden. Nun hoffe er, dass etwas Werbung bei den Bundestagsabgeordneten Früchte trage.

Martin Eiferle, Leiter des Referats für Musik und Darstellende Künste bei Monika Grütters, kann in seinem Grußwort bei allem Lob fürs Festival auch nur sagen, man werde „für die Zukunft schauen, dass wir das hinbekommen“. Was zu begrüßen wäre.

Eröffnungen wie diese mögen in ihrem Sich-Selbst-Gefeiere etwas Routiniertes haben, gerade wenn ein Festival so gut ankommt und benötigt wird mit genau den Acts, die man bei gängigen Sommerfestivals nicht sieht. Aber das Programm ist eine Klasse für sich. Wo kann eine Musikerin wie Leyla Yenirce bei einer Eröffnung sagen: „Ich bin zwar Künstlerin, zuerst aber Anarchistin“?

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