Zeitgeist. Eine Schau zu Modetrends im Kunstgewerbemuseum, 2017. Foto: dpa/Gregor Fischer
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Mode und Lifestyle Kunstgewerbemuseum stellt Pläne vor

Preußische Vergangenheit und afrikanische Zukunft: Das Berliner Kunstgewerbemuseum präsentiert seine Ausstellungen für die Saison 2019.

Er war ein schöner, musisch begabter und kämpferischer Zeitgenosse – und er starb 1806 als Mittdreißiger, weil er Napoleon besiegen wollte. Die schillernde Persönlichkeit von Prinz Louis Ferdinand wird im Mai Thema der nächsten Ausstellung in Schloss Köpenick sein, das sich dem Hohenzollernprinzen widmet. Dessen kompositorisches Werk ist schmal, dafür widmete ihm der Freund und Zeitgenosse Ludwig van Beethoven sein 3. Klavierkonzert und macht auf diese Weise die biografischen wie auch musikgeschichtlichen Verflechtungen sichtbar. Grund genug für das Kunstgewerbemuseum, dem kurzen Leben von Prinz Louis Ferdinand eine Sonderausstellung mit originalen Dokumenten, Möbeln und Konzerten auszurichten.

Ansonsten, so machte es eine kleine Konferenz am Mittwoch im Hauptgebäude am Kulturforum klar, beherrschen zeitgenössischere Themen das Jahresprogramm. Hier – wo mit der Neupräsentation der Porzellan- und Fayencensammlung gestern die Ausstellung „Rokokowelten“ eröffnet hat – zeigen als Nächstes Maciej Chmara und Ania Rosinke ihre ebenso mobilen wie modularen Küchen im Rahmen der Reihe „Design Lab“ (5.6.–21.7.). Das polnische Designerduo entwirft Lebensräume fern angesagter Lifestyleträume mit Blick auf die essenziellen Funktionen des Orts. Zwei Tage später folgt die Sonderausstellung „Tracking Talents“ mit einem Fokus auf zeitgenössischer Mode und Designprozessen der Zukunft: von der Ideenfindung über die Anfertigung bis zur Präsentation auf dem Laufsteg. Die Kooperation mit gleich mehreren auf Kleidung spezialisierten Hochschulen in Berlin, Paris und Helsinki garantiert Internationalität, die herausragende Modesammlung des Museums die Verbindung zwischen Gegenwart und Kunstgeschichte (7.6.–4.8.).

Bevor sich das Thema Mode in hochpolitischen Zusammenhängen im August noch einmal nach vorne drängt, tritt mit Ezio Manzini ein führender Designtheoretiker im Rahmen des vierten „Design Lab“ auf. Manzini, Jahrgang 1945 und berühmt für sein 2008 gegründetes Desis-Netzwerk, hält am 26.6. den Eröffnungsvortrag zur Ausstellung über gestalterische Projektarbeit im Alltag. Die letzte große Sonderschau für 2019 rückt die Geschichte und Gegenwart der Mode auf dem afrikanischen Kontinent in den Blick. „Connecting Afro Futures“ (24.8.–1.12.) präsentiert drei wichtige Designerinnen aus Senegal und Uganda, deren Entwürfe weit über ästhetische Aspekte hinaus ein dezidiert dekoloniales Selbstverständnis repräsentieren. Dafür lädt das Museum mehrere Akteurinnen und Akteure aus Afrika und der Diaspora zur Auseinandersetzung mit seiner Sammlung ein.

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