Besucherziel. Das Mies van der Rohe Haus in Berlin-Weißensee. Foto: imago/Jürgen Ritter
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Mies van der Rohe Haus feiert Jubiläum Entlastung am Leuchtturm

Das Mies van der Rohe Haus feiert den 135. Geburtstag seines Namensgebers. Man denkt darüber nach ein Besucherzentrum zu bauen. Ebenfalls geplant ist eine Schau für Oktober.

Das Mies van der Rohe Haus in Berlin-Weißensee nimmt den 135. Geburtstag seines Architekten, Ludwig Mies van der Rohe, zum Anlass eines Veranstaltungsprogramms zum – nicht ganz runden – Jubiläum.

Die beiden wichtigsten Nachrichten der Video-Pressekonferenz hatten mit dem Programm nichts zu tun, sondern griffen weit in die Zukunft voraus. Zum einen soll eine Machbarkeitsstudie für ein Besucherzentrum erstellt werden, das im Garten des Mies-Hauses entstehen soll.

Gespräche mit der Denkmalpflege würden geführt, um das Denkmal Mies-Haus nicht zu beeinträchtigen. Ein solches Haus sei angesichts von mittlerweile rund 18.000 Besuchern im Jahr notwendig, hieß es; Wita Noack, die Leiterin des Mies-Hauses, erwähnte einmal sogar 25 000 Besucher im Bauhaus-Jubeljahr 2019.

Sie verwies darauf, dass das ursprüngliche Landhaus Lemke lediglich 160 Quadratmeter Fläche misst. Das Besucherzentrum mit Büroräumen und Café, fügte sie hinzu, solle „einhundert Prozent Mies“ werden. Eine Kostenschätzung gibt es noch nicht, allenfalls vage war von zwei Millionen Euro die Rede.

Zum anderen sprach Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst davon, das Revolutionsdenkmal wiedererrichten zu wollen, das Mies für den Friedhof Friedrichsfelde zum Gedenken an die 1919 ermordeten KPD-Führer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht entworfen hatte. Es seien bereits Gelder beim Senat beantragt. Zu den Kosten machte Grunst keine Angaben. Das Denkmal entwarf Mies 1926 im Auftrag des Kunstsammlers und zugleich KPD-Mitglieds Eduard Fuchs, über den Walter Benjamin1937 den berühmten Aufsatz „Eduard Fuchs, der Sammler und der Historiker“ für die Zeitschrift für Sozialforschung verfasste.

Im vergangenen Jahr hat sich ein Beirat konstituiert

Das Revolutionsdenkmal steht auch im Mittelpunkt einer Ausstellung, die das Mies-Haus zum Thema „Mies-Monumente“ ab Oktober zeigen will. Sie bildet den Höhepunkt der Ausstellungen, deren erste, „Gewand in drei Akten“, bereits zu sehen ist.

Erarbeitet von dem Architekturhistoriker Carsten Krohn und gestaltet vom Büro Kuehn Malvezzi, soll die Ausstellung die Denkmalsentwürfe von Mies präsentieren, darunter für das Bismarck-Denkmal in Bingen am Rhein von 1910 und für die Gedenkstätte der Republik in der Neuen Wache von 1931.

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Zudem soll im Oktober der gleichfalls von Krohn erarbeitete Stadtplan „Mies Map“ erscheinen. Er weist den Weg zu 44 Adressen in Berlin, die mit Mies und seiner Arbeit in Verbindung stehen, insbesondere die Standorte der von ihm entworfenen und ausgeführten Bauten.

Im vergangenen Jahr hat sich ein Beirat des Mies-Hauses konstituiert. In dessen Namen betonte Fritz Neumeyer, Emeritus der TU Berlin, die Dringlichkeit eines gesonderten Besucherzentrums, um das Mies-Haus zu „entlasten“. Er nannte das Haus „einen kleinen Leuchtturm“ und wies darauf hin, dass Mies es 1932 zu seiner Zeit als Direktor des Bauhauses entworfen habe, als „letztes, das er hier in Berlin gebaut hat“. Es sei „die erste und einzige Low-budget-Produktion von Mies“, der ansonsten „für eine gut betuchte Klientel gearbeitet“ habe.

Mies van der Rohe hat das Haus nach seiner Übersiedlung in die USA 1938 nicht wieder gesehen. Ein Besuch, so Neumeyer, sei erwogen worden, als Mies 1967 zum Bau der Neuen Nationalgalerie letztmalig Berlin besuchte, kam aber nicht mehr zustande.

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