Der Schweizer Schriftsteller Martin Suter Foto: picture alliance / Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
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Martin Suter und Bastian Schweinsteiger Die Verpackung stimmt

Von Benjamin von Stuckrad-Barre zu Bastian Schweinsteiger: Der Schweizer Schriftsteller Martin Suter ist zum Doyen der Popliteratur geworden.

Lange Zeit hatte man geglaubt, der einzige verbliebene Fan, um nicht zu sagen: Sachverwalter der inzwischen verblühten Popliteratur sei der zwischen Wien und Tel Aviv pendelnde deutsche Schriftsteller Joachim Lottmann.

Doch hat Lottmann ernsthaft Konkurrenz bekommen in dem Schweizer Kollegen Martin Suter, der viel erfolgreicher ist, weil er bislang sehr viel intelligente Unterhaltungsliteratur geschrieben und auf expliziten Pop darin verzichtet hat.

Man würde Suter jetzt nicht Verwalter nennen wollen, sondern muss ihn wohl viel mehr als Doyen der Popliteratur bezeichnen. Mit Benjamin von Stuckrad-Barre veröffentlichte er 2020 einen ganz hübschen, angenehm soigniert aus der Zeit gefallenen Gesprächsband, „Alle sind so ernst geworden“.

Darin geht es bevorzugt um Outfits, Styles und Einrichtungsaccessoires, um Haltungen, Snobismus und Coolness. Beide Autoren schienen sich so gut verstanden zu haben, dass sie jetzt auch Ronja von Rönne und ihrem Roman „Ende in Sicht“ einen schönen Blurb mit auf den Weg gegeben haben.

Fußballer sind Style- und Popinfluencer

Viel entscheidender aber ist Suters neuester Aufschlag, seine Zusammenarbeit mit dem bekannten Ex-Fußballer Bastian Schweinsteiger. Über den hat er einen Roman geschrieben, eher: eine Romanbiografie, „Einer von euch“.

Fußball ist bekanntlich seit Längerem der neue Pop, die Spieler wirken als Style- und Popinfluencer, und popimmanent sind die Begleitumstände dieser Veröffentlichung.

Das Buch erscheint erst Mitte übernächster Woche. Seit einiger Zeit lässt sich aber auf Suters Website einiges zur Entstehung in Erfahrung bringen, wie Autor und Fußballer zueinander gekommen sind: „Schließlich gelang es ihnen, sich in einem kleinen Sitzungszimmer am Zürcher Flughafen zu verabreden.“

Auch der Diogenes Verlag, in dem Suters Bücher erscheinen, lud gleich im vergangenen Dezember zu einer hybriden Pressekonferenz am 20. Januar im Hotel de Rome in Berlin-Mitte, mit den Hauptdarstellern und dazu Marcel Reif als Moderator sowie Schweinsteigers Ehefrau als zusätzlichem Gast, der serbischen Ex-Tennisspielerin Ana Ivanovic. Ihr sind einige Passagen des Buches gewidmet. Zudem ließ der Verlag wissen, „bitte haben Sie Verständnis“, dass es erst vom 16. Januar an Vorabexemplare geben könne.

Schweinsteiger ist ein glücklicher Mensch

Gut, dass es nun schon exklusive Interviews mit Suter und Schweinsteiger im Schweizer „Tagesanzeiger“ und in der „Zeit“ gab. Schweinsteiger vermittelt dabei mit seinen Aussagen eine recht gute Vorstellung von Suters „Roman“.

In der „Zeit“ antwortet er auf die Frage, wie ihm selbst das Buch gefallen habe: „Ich habe noch nicht so viele Bücher gelesen, aber es hat mich sehr berührt, mein Leben in diesen Zeilen wiederzuerkennen.“ Und er gesteht, dass Suter hier ein Leben beschreibe, in dem es bislang keine dunklen Seiten gegeben hat, „der dunkelste Moment“ sei das verlorene Champions-League-Finale 2012 in München gewesen.

Was für ein glücklicher Mensch!, beneidenswert. Bei den Kollegen wird Suters Buch mehrmals als „Märchen“ bezeichnet. Insgesamt erinnert das alles auch an Thomas Müllers Kinderbuch „Mein Weg zum Fußballprofi“, nur dass Suter besser schreiben kann.

Schlussendlich liegt der Verdacht nahe, dass das viele Vorabgesummse aufregender ist als das Buch selbst, die Verpackung (Suter! Schweinsteiger! Stars!) wichtiger als der Inhalt. Und das ist natürlich wieder Pop.

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