Im vergangenen April sprach Hunter Biden in der "CBS Morning Show" über seinen Drogenmissbrauch und die "Ukraine-Affäre". Foto: CBS Sunday Morning
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Maler und Präsidentensohn Hunter Biden bereitet dem Weißen Haus Kopfzerbrechen

Die künstlerischen Ambitionen von Hunter Biden werden von den Medien schon länger belächelt. Sie stellen seinen Vater aber auch vor politische Probleme.

Kunst steht selten auf der Tagesordnung bei den Pressekonferenzen im Weißen Haus. Der kleine diplomatische Zwischenfall aus dem Jahr 2018, als eine Korrespondenz leakte, in der die Chef-Kuratorin des Guggenheim Museums die Bitte des kuratorischen Beraterteams im Weißen Haus (das selbst den Status eines Museums besitzt) um die Leihgabe eines Van Gogh freundlich ablehnte und dem US-Präsidenten Donald Trump stattdessen eine goldene Toilette des Künstlers Maurizio Cattelan anbot, gehört eher zu den kuriosen Nebengeräuschen, mit denen die 45. Präsidentschaft so reich gesegnet war.

Am Freitag geriet die Pressesprecherin des Weißen Hauses Jen Psaki in der Fragerunde jedoch in die Defensive, als es um die künstlerischen Ambitionen von Hunter Biden, dem jüngeren Sohn des amtierenden US-Präsidenten ging.

Grund ist die erste Soloausstellung Bidens, der seit kurzem von dem New Yorker Galeristen Georges Bergès vertreten wird. Der berühmteste Klient Bergès’, der auch einen Showroom in Pankow betreibt, war bislang der Actionstar (und mittelerfolgreiche Actionpainter auf dem zweiten Bildungsweg) Sylvester Stallone.

Die Malerkarriere des Anwalts, Private-Equity-Managers und Wirtschaftslobbyisten Hunter Biden wird schon eine Weile von amerikanischen Medien mit einer Mischung aus Amusement und Spott beobachtet. Es reichte aber auch schon zu Porträts in der „Times“ und dem „New Yorker“.

Das war zu einem Zeitpunkt, als Biden wegen seiner undurchsichtigen geschäftlichen (und vermeintlich politischen) Verbindungen in die Ukraine in der Öffentlichkeit stand – und die Donald Trump letztlich sein erstes Amtsenthebungsverfahren einbrachten.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sollte dem damaligen Trump-Anwalt Rudy Giuliani im Juli 2019 Munition über Hunter Biden für den US–Wahlkampf gegen dessen Vater liefern (das berühmte quid pro quo). Doch außer einem gutdotierten Posten im Verwaltungsrat des Gasunternehmens Burisma war in seinen Geschäften in Osteuropa nichts Verdächtiges zu finden, was die Korruptionsvorwürfe bekräftigt hätte.

Vater und Sohn Biden stehen im Visier der Trumpisten

Doch Hunter Biden steht weiter unter Beobachtung der Trumpisten im Kongress, weswegen seine Soloausstellung politisch so brisant ist. Denn Bergès ruft für die Bilder seines Klienten, ein unbeschriebenes Blatt in der Kunstwelt, Preise bis zu einer halben Million Dollar auf. Der Name Biden sorgt bei dem Novizen für einen ordentlichen Aufschlag, so der Vorwurf aus der Kunstszene. Die Washingtoner Medien treiben noch eine ganz andere Sorge um, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der „Ukraine-Affäre“.

Wer hätte Interesse an den überteuerten Bildern eines mittelmäßig begabten Malers – es sei denn, sie versprächen einen Wert, der über das Sammlerprestige hinausginge? Die Angst vor dem Einfluss Russlands kursiert in der Hauptstadt seit den Manipulationsversuchen im Präsidentschaftswahlkampf 2016 wieder verstärkt.

Vom Gipfeltreffen in Helsinki brachte Trump 2018 noch einen Fußball als Geschenk Putins ins Weiße Haus zurück. Was aber könnte ein russischer Oligarch im Gegenzug für ein überteuertes Gemälde von einem Wirtschaftslobbyisten erwarten, dessen Vater im Weißen Haus sitzt?, fragt man sich besorgt.

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Erst im vergangenen Jahr veröffentlichte das US-Finanzministerium einen Bericht, in dem die Behörde vor Geschäften auf dem Kunstmarkt warnte, der sich mit seinen undurchsichtigen Geldflüssen und einem wachsenden Sekundärmarkt durch von Kunstmaklern vertretene anonyme Käufer als Tummelplatz für die Terrorfinanzierung etabliert habe. Auch namhafte Russen stehen auf der Blacklist.

Da beruhigen die Regularien, auf die man sich vor zwei Wochen für den ungewöhnlichen Kunstdeal einigte, nur wenig. Hunter Biden solle weder die Kaufpreise noch die Identität der Käufer erfahren, um ihn vor möglicher Einflussnahme zu schützen.

Eigentlich, so die Kritiker des Abkommens, wäre Transparenz aber der beste Schutz gegen Korruption. Hunter Biden kann einem fast ein wenig leidtun. Der Präsidentensohn hat nach seiner jahrelangen Drogensucht in der Malerei eine Form der Therapie gefunden; seine Galerie erwähnt auf ihrer Website seinen Vater mit keinem Wort. Aber auch für die nächste Kunsthoffnung gilt: Blut ist dicker als Acrylfarbe.

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