Stephan Frucht wird beim Konzert im RBB-Sendesaal dirigieren. Foto: Stefan Hoederath/Siemens
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"Live Music Now" Berlin Klassik muss für alle da sein

"Live Music Now" bringt Musik zu Menschen, die nicht selbst zur Musik kommen können. Der Berliner Ableger feiert Jubiläum - natürlich mit einem Benefizkonzert.

Amelie von Gizycki ist erleichtert. Langsam findet der Konzertbetrieb bei „Live Music Now“ in gewohnte Bahnen zurück: „Einige unserer Partner sind noch zurückhaltend, aber in vielen Krankenhäuser, Altenheimen und Förderschulen können unsere Stipendiaten endlich wieder auftreten.“ Von Gizycki leitet den Berliner Ableger einer Organisation, die 1977 vom Violinvirtuosen Yehudi Menuhin gegründet wurde, mit dem Ziel, Musik zu Menschen zu bringen, die selber nicht zur Musik kommen können.

Gleichzeitig ist „Live Music Now“ aber auch ein Förderprogramm für angehende Klassik-Profis. Studierende können sich bewerben und bekommen dann Honorare für ihre Konzerte, die Hausmusik im edelsten Sinn des Wortes sein sollen. Der 1916 geborene Menuhin, der in jungen Jahren am eigenen Leib Elend und Grauen erlebt hatte, entwickelte eine Vision: Musik als Trost für alle, die mühselig und beladen sind, dargebracht von jenen, die am heißesten dafür brennen, von jungen Musiker:innen. Der Geiger hatte in den vierziger Jahren in Lazaretten und vor Kriegsgefangenen konzertiert – und die Wirkung dessen gespürt, was man heute Musiktherapie nennt.

Aktuell gibt es in Berlin 90 Stipendiaten

Für die Newcomer bieten die Auftritte eine großartige Gelegenheit, Bühnenerfahrungen zu sammeln. Und zwar oft unter improvisierten Bedingungen. Zudem müssen sie sich selber moderieren, lernen also auch noch, Musikwissen niedrigschwellig zu vermitteln. An die 700 Künstlerinnen und Künstler haben über 4000 Auftritten in mehr als 200 Institutionen für „Live Music Now“ Berlin absolviert. Die Organisation ist bestens vernetzt in den Hochschulen und veranstaltet regelmäßig Vorspiele für die Stipendienplätze, zu denen die Professoren ihre besten Schüler schicken.

90 junge Leute betreuten die Ehrenamtlichen aktuell. Als die Pandemie „Live Music Now" die Arbeitsgrundlage entzog, als die Altenheime und Krankenhäuser in besonders harte Lockdowns geschickt wurden, da setzte das Team alle Hebel in Bewegung, um es den Stipendiaten zu ermöglichen, wenigstens per Video aufzutreten. „Musiker und Musikerinnen müssen nun einmal konstant in Übung bleiben, wenn sie ihr Niveau halten wollen“, sagt Amélie von Gizycki.

Der Honorarsatz wurde angehoben, die Videos entstanden erst unter abenteuerlichen Bedingungen, bald aber konnte die technische Qualität mit der musikalischen mithalten. Und in manchen Altenheimen wurden extra Tablets angeschafft, damit die Bewohner:innen die Darbietungen erleben konnten. Sobald es erlaubt war, fanden dann in den Aufenthaltsräumen Bildschirmkonzerte statt.

Cellist Jacob Spahn ist am 12. Juni beim Benefizkonzert zu erleben. Foto: Bayerische Staatsoper Vergrößern
Cellist Jacob Spahn ist am 12. Juni beim Benefizkonzert zu erleben. © Bayerische Staatsoper

Seit 26 Jahren gibt es „Live Music Now“ Berlin, jetzt soll endlich das Vierteljahrhundert-Jubiläum nachgefeiert werden. Natürlich mit einem Benefizkonzert, bei dem neues Geld für die Stipendien gesammelt wird. Der RBB stellt dafür am 12. Juni seinen großen Sendesaal an der Masurenallee zur Verfügung, das Lietze Posaunenquintett wird auftreten, der Perkussionist Antonio Rivero und das Bläserquintett JuVentus Berlin (12. Juni, 17 Uhr, Haus des Rundfunks. Um Anmeldung wird unter info@livemusicnow-berlin.de gebeten – und vor Ort dann um Spenden).

Amélie von Gizycki ist stolz, wenn „ihre“ Schützlinge Karriere machen. Und sie versucht, etablierte Ehemalige für die Benefizaktionen zu gewinnen. So wie jetzt Jakob Spahn, den Solocellisten der Münchner Oper, und Stephan Frucht, den Leiter des Siemens Arts Program, der auch dirigiert. Zum Finale am 12. Juni werden sich die Musiker:innen unter Fruchts Taktstock vereinen, bei Friedrich Guldas Konzert für Cello und Blasorchester, das sämtliche Musikstile von U bis E witzig-virtuos mixt.

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