Szene aus "Light of My Life" Foto: BBP LOML / Berlinale
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„Light of My Life“ auf der Berlinale Leben nach dem Weltuntergang

Berlinale-Panorama: Casey Affleck inszeniert sich in seinem postapokalyptischen Drama „Light of My Life“ als Beschützer der letzten Weiblichkeit.

Vater und Tochter in einem Zelt. Er erzählt ihr seine Version der biblischen Geschichte von Sintflut und Arche. Drumherum: die Wildnis Kanadas, zirpende Grillen, viel Finsternis. So beginnt „Light of My Life“ von Casey Affleck.

Alleinerziehende Väter im Wald – ein Thema, das derzeit en vogue ist. Debra Granik hat das Szenario in „Leave No Trace“ durchgespielt. In „Captain Fantastic“ zog Viggo Mortensen seine Kinder in Abgeschiedenheit auf. Derselbe Schauspieler, der in „The Road“ mit seinem Filmsohn durch ein verwüstetes Land irrte.

In „Light of My Life“ ist eines Virus über die Menschheit gekommen. Innerhalb von Wochen raffte er fast alle Frauen des Planeten dahin, auch die der namenlosen Hauptfigur (Affleck). Kurz vor ihrem Tod brachte die Frau noch eine Tochter zur Welt, die nun, elf Jahre später, an der Seite des Vaters durch die Wildnis pilgert.

Antwort auf Vorwürfe der sexuellen Belästigung?

Hauptdarsteller, Regie, Drehbuch, Produktion: Im Abspann taucht immer wieder Casey Afflecks Name auf. Der jüngere Bruder von Ben Affleck inszeniert sich als Beschützer der letzten Weiblichkeit (Anna Pniowsky) vor einem verwahrlosten Heer von Männern. Das mutet durchaus etwas seltsam an in Anbetracht der Vorwürfe, die seit 2010 bekannt sind. Damals verklagten eine Kamerafrau und eine Produzentin den Schauspieler wegen sexueller Übergriffe. Mit beiden einigten sich Afflecks Anwälte außergerichtlich. Seiner Karriere haben die Vorgänge kaum geschadet: 2017 gewann er einen Oscar.

Auf der Berlinale-Pressekonferenz wird er gefragt, ob „Light of My Life“ als Antwort auf die Anschuldigungen zu verstehen ist. Affleck erwidert, dass der Film bereits im Vorfeld vorbereitet und besetzt worden und „keinerlei Antwort auf gar nichts“ sei. Auch aufseiten der Berlinale hat man keine Bedenken: „Unsere Aufgabe ist es, den Raum für einen kritischen und offenen Dialog zu schaffen“, erklärt die Festivalleitung. „Wir sehen keinen Grund, unsere kuratorische Entscheidung in Frage zu stellen.“

Wem es gelingt, „Light of My Life“ auf rein künstlerischer Ebene zu betrachten, sieht einen Film, der über weite Strecken mit großer Zurückhaltung von einem Leben nach dem Weltuntergang erzählt, mit Momenten voller Zärtlichkeit und leiser Komik. Die Bedrohung bleibt jederzeit greifbar, ohne dass Affleck auch nur einen Schockmoment bemüht. Erst am Ende biegt er leider in die Erzählspur ein, die eine apokalyptische Coming-of-Age-Geschichte erwarten lässt.

Sa 16.2., 22 Uhr (Colosseum 1)

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